Intendant Florian Scholz: "Sehe das Theater als Insel"
Der neue Intendant des Klagenfurter Stadttheaters, Florian Scholz, hat sich eine Woche vor der ersten Premiere seiner Intendanz nächsten Donnerstag ("Der Freischütz") schon recht gut eingelebt.

Foto © APADer neue Intendant des Klagenfurter Stadttheaters: Florian Scholz
Im APA-Interview erklärte er: "Ich sehe das Theater ein bisschen als eine Insel, meine Aufgabe ist es, den Kontakt zur Außenwelt herzustellen, sich dabei aber nicht vereinnahmen zu lassen." Als kultureller Leitbetrieb des Landes müsse das Stadttheater natürlich ein Mehrspartenhaus bleiben, dabei aber nicht beliebig werden.
"Ich habe ein Bündnis mit der Politik geschlossen", sagt Scholz, der aus München nach Kärnten gekommen ist. Dieses Bündnis sei aus finanziellen Gründen notwendig, da das Budget von der Politik bestimmt werde. "Ich muss alle Bereiche abdecken, von der Operette über das Tanztheater bis zu Musical und Kabarett." Der Schwerpunkt liege aber weiterhin im Schauspiel und im Musiktheater. Die Vielfalt der Kunstformen werde über die Jahre aber ebenso präsentiert. Um diese Vielfalt irgendwie "einzufangen", habe er sich entschlossen, mit Spielzeit-Themen zu arbeiten. Die vielfach geäußerte Befürchtung, solche Themen würden eine künstlerische Einschränkung nach sich ziehen, kann Scholz nicht nachvollziehen. Das Motto der ersten Spielzeit ist "Naturgewalten".
Scholz, der Josef E. Köpplinger nachgefolgt ist, betont, dass ihm sein Vorgänger ein "sehr gut aufgestelltes Haus" übergeben habe, mit einer "äußerst kompetenten und motivierten Mannschaft, und zwar in allen Bereichen". Das Klagenfurter Stadttheater atme aber auch den Geist der Vorgänger Köpplingers, der Einfluss von Langzeit-Chef Herbert Wochinz und dessen Nachfolger Dietmar Pflegerl: "Ich habe großen Respekt vor diesen Menschen, sie haben das Haus nachhaltig geprägt, ihre guten Geister begegnen einem auf der Bühne ebenso wie in den Stiegenhäusern."
Seinen Zugang zum Theater erklärt Scholz so: "Ich möchte keine Antworten geben, sondern Fragen stellen. Die Bühne macht das Angebot, das Ergebnis kommt durch den Zuschauer und seine Rezeption zustande." Darin dürfte auch die Verschiebung der Schwerpunkte im Spielplan begründet sein. Gab es unter Köpplinger vor allem "flashige" Produktionen und viel Musical und nur wenige sperrigere Themen, hat Scholz gleich in seiner ersten Saison "Winterreise" von Elfriede Jelinek auf den Spielplan gesetzt, die bisher in Klagenfurt nur einmal vorkam, und da als Übersetzerin von Feydeaus "Floh im Ohr", damals übrigens in einer Inszenierung von Martin Kusej. Scholz hob auch Gert Jonke wieder ins Programm, und zwar dessen 2005 am Burgtheater uraufgeführtes Stück "Die versunkene Kathedrale". Im Bereich Musiktheater ist Leos Janaceks "Das schlaue Füchslein" sicher eine mutige Entscheidung, jedenfalls für Klagenfurter Verhältnisse.
Scholz ist noch in der Zeit von FPK-Landesrat Harald Dobernig bestellt worden, der inzwischen die Kulturagenden an den neuen ÖVP-Landesrat Wolfgang Waldner abgetreten hat. Der Intendant will sich dazu eher nicht äußern: "Ich hatte bisher gute Erfahrungen und ich hoffe, dass das auch in Zukunft so bleiben wird." Grundsätzlich bereitet ihm aber - wie jedem Theatermacher - der Spardruck im öffentlichen Bereich schon Sorgen. "Ich habe ein Haus mit fast 300 Mitarbeitern, wenn man hier am Budget etwas kappt, kann ich nur entweder Leute entlassen, was ich nicht will, oder im künstlerischen Bereich kürzen." Und das will er natürlich auch nicht: "Das wäre dann so als hätte man eine perfekt eingerichtete Gourmetküche, was im Kühlschrank ist, reicht aber nur für Spinat mit Spiegelei."
Wer sage, dass man das Haus auch billiger führen könne, den würde er mit nach Deutschland nehmen. "Dort gibt es Theater mit Minibudgets, und entsprechend sieht das Angebot auch aus." Klagenfurt habe für die Größe des Theaters ein Spitzenhaus, das national und international Aufmerksamkeit errege. Das funktioniere aber auch nur, weil es "Spitzenleute gibt, die für einen Bruchteil dessen, was sie woanders bekommen, nach Klagenfurt kommen". Viele davon hätten hier ihre ersten Sporen verdient und kämen deshalb trotz der bescheidenen Gagen. Gäbe es diesen "Klagenfurt-Bonus" nicht, wäre das Niveau um einiges niedriger. "Insofern schaffen wir mit relativ kleinem Budget doch sehr viel", meint Scholz. Und natürlich hofft er, dass das auch so bleibt.












