Hochsaison für private Nachhilfe
Statt sich am See zu sonnen, müssen 2500 Kärntner Schüler bereits für ihre Nachprüfungen lernen. Nachhilfe können sich allerdings immer weniger leisten.

Foto © EggenbergerFranzösisch-Stunde in der "Schülerhilfe" Klagenfurt
Hyperbeln konstruieren, sie um die x-Achse rotieren lassen und das resultierende Volumen ausrechnen – es gibt denkbar schönere Beschäftigungen für einen heißen Sommertag. Doch wem im Herbst eine Nachprüfung bevorsteht, der muss jetzt im August wieder mit dem Lernen beginnen. In Kärnten ist das für 2500 Schüler der Fall.
Lukas aus Klagenfurt ist einer von ihnen. Letztes Jahr hat er sich in Französisch auf eine Vier gerettet, doch dieses Jahr wurde er negativ beurteilt. "Ich bin ein bisschen faul, mir hat einfach die Motivation gefehlt", gibt er zu. Dafür legt er sich jetzt umso tüchtiger ins Zeug und besucht vier Wochen lang täglich die "Schülerhilfe" am Alten Platz in Klagenfurt. "Mir fällt hier das Lernen viel leichter als daheim. Es ist immer jemand da, der meine Fragen beantworten kann, außerdem lerne ich hier gemeinsam mit Gleichaltrigen."
Kosten steigen
442 Euro zahlen Eltern heuer im Durchschnitt, wenn ihr Kind im Sommer Nachhilfe nimmt. Das sind 35 Euro mehr als im Vorjahr. Wegen der steigenden Lebenserhaltungskosten können sich immer weniger Familien Nachhilfe leisten: 2011 waren es 96.000, heuer sind es nur noch 40.000. Für Nachhilfe im Sommer wird nur noch gezahlt, wenn eine Nachprüfung ansteht.
"Wir wollen nicht nur, dass unsere Schüler die Nachprüfung mit Müh und Not schaffen. Uns ist es wichtig, dass sie die Grundlagen aufholen und gut vorbereitet ins nächste Jahr starten", sagt Brigitte Steinwider, Leiterin der Schülerhilfe Klagenfurt. "Kein Schüler lernt gerne", weiß sie. Deshalb bemüht sie sich darum, in ihrem Institut andere Zustände als in der Schule zu schaffen. "Wir haben kleine Gruppen und lockere Nachhilfelehrer, die auf die individuellen Bedürfnisse der Schüler eingehen. Jeder Schüler soll genau dort abgeholt werden, wo er im Schuljahr ausgestiegen ist."
Keine graue Theorie
Jasmina Bisoveric gibt Nachhilfe in den Fächern Rechnungswesen und Betriebswirtschaft. "Mir ist es wichtig, mit Spaß die Motivation meiner Schüler zu wecken. Theoretische Themen werden in der Schule oft viel zu trocken behandelt", findet sie. Die Schüler hätten nicht das Gefühl, dass sie das Thema im Alltag betrifft und haben deshalb kein Interesse, sich damit auseinanderzusetzen.
"Wenn in der Schule zum Beispiel von einem Kaufvertrag die Rede ist, dann wird das viel zu ungreifbar vermittelt. Die Schüler können sich nichts darunter vorstellen." Deshalb setzt Bisoveric darauf, die Thematik mit handfesten Beispielen zu vermitteln. "Ich sage meinen Schülern immer, sie sollen ins Geschäft gehen und sich einen Kaugummi kaufen. Das ist auch ein Kaufvertrag – und so versteht ihn jeder!"
Neue Interessen
Von vielen Seiten heißt es, die Schüler würden immer uninteressierter werden und deshalb in der Schule schlechter abschneiden. Steinwider räumt mit dieser Behauptung auf: "Ich bin mittlerweile im elften Jahr bei der Schülerhilfe. Es stimmt schon, dass viele Schüler immer unkonzentrierter werden: Kaum liegt ein iPhone neben mir, gibt es gleich tausend Dinge, die interessanter sind als der Lehrer." In Zeiten von Internet und Smartphones käme es nun mal zu einer Verlagerung der Interessen der jungen Leute. "Die Schüler sind aber nicht weniger interessiert als früher, sondern ganz einfach an anderen Dingen. Und daran wird sich der Unterricht anpassen müssen."
Die Zentralmatura sieht sie als Schritt in die richtige Richtung. "Statt auswendig gelerntem Detailwissen werden in Zukunft Kompetenzen abgeprüft, die man wirklich im Leben braucht."
Features
Optimaler Lernplan
Fünf Wochen vor der Prüfung sollte mit dem Lernen begonnen werden. Wir bieten sieben Tipps zum effektiven Lernen.
1. Immer gleich viel. Das tägliche Arbeitspensum soll immer gleich hoch gehalten werden.
2. Kleine Ziele setzen. Je genauer der Lernstoff eingegrenzt wird, desto gezielter wird gelernt.
3. Immer wiederholen. Das Gelernte regelmäßig zu wiederholen ist das A und O der Vorbereitung.
4. Pausen machen. Geregelte Pausen zwischen den Lernphasen steigern die Effektivität.
5. Schlaf ist kein Feind. Lieber früh schlafen gehen, statt lange in die Nacht hinein zu lernen.
6. Abwechslungen. Hintereinander immer möglichst unterschiedliche Gegenstände lernen.
7. Prüfungen üben. Beim Simulieren von Prüfungen können Eltern oder Geschwister helfen.
Last-Minute-Hilfe
Die VHS Klagenfurt bietet in den letzten Ferienwochen Nachhilfe zu sozial gestaffelten Preisen an. Es sollte keine Frage des Einkommens sein, ob die Kinder die Prüfung schaffen oder nicht. Aber auch viele nicht gefährdete Schüler besuchen die Kurse, um sich speziell fördern zu lassen.
Eine Sommerschule, in der reguläre Pädagogen Unterricht geben, gibt es in jeder Kärntner Bezirksstadt.
Die Caritas betreibt an drei Standorten in Kärnten Lerncafés, in denen finanzschwache Schüler zwischen 6 und 15 Jahren kostenlos betreut werden.













