Bedenkliches Sommertheater
Es wird nicht wenige Leser geben, welche den öffentlich äußerst wirksamen Schritt von Anneliese Rohrer, den Heimatverband Kärnten auf so spektakuläre Weise zu verlassen - nämlich Kennedys Bekenntnis zu Berlin ins Gegenteil verkehrend - nicht begrüßen würden. Es ist dies kein mutiger, sondern bloß ein sensationslüsterner Schritt, der mit keinerlei Rechtsfolgen verbunden ist, wie es etwa der Verzicht auf die österreichische Staatsbürgerschaft wäre.
Dennoch sind wir erleichtert, dass nicht eine Dazugehörige uns Kärntner pauschal kriminalisiert und beflegelt. Die Publikumsbeschimpfung eines Peter Handke ist ein literarischer Leckerbissen, gemessen an den Gemeinheiten, die Frau Rohrer den Kärntnern attestiert. Diese seien feige, kurzsichtig, Psychopathen und korrupt. Wer - akademisch gebildet - so argumentiert, bedarf der Hilfe! Auch eine Journalistin - auf Presse- und Meinungsfreiheit pochend - genießt nicht Immunität, sie hat bloß Narrenfreiheit und die sei ihr zugebilligt. Es ist jedoch in höchstem Maße bedenklich, wenn jemand, der meinungsbildend tätig ist, in generalisierender Weise eine historisch gewachsene Gemeinschaft - alle Kärntner - der Korruption oder der Teilnahme daran beschuldigt. Das ist mehr als eine üble Nachrede, das ist Verleumdung, das ist gröbste Beleidigung. Was die Sichtweise von Frau Rohrer so sehr einengt, wissen wir nicht. Diese zu weiten, wäre ihr empfohlen, Josef Friedrich Perkonigs "Die Patrioten" aufmerksam zu lesen, den Dichter der Grenze, der beiden Völkern diesseits und jenseits der Karawanken gerecht wird und der nicht müde wurde, Versöhnung zu predigen, auch wenn man ihn posthum der Kumpanei mit den Nazis bezichtigt, mit denen er in der Tiefe seines Herzens nichts gemein hatte!
Wir Kärntner werden unsere Probleme mit viel Haus- und Sachverstand selber lösen und bedürfen der schulmeisterlichen Zurufe einer Frau Rohrer nicht! Dr. Ernst Traar, Klagenfurt












