Stadt neu in Szene gesetzt
Ab Dienstag sind die Arbeiten der Klagenfurter Fotostipendiatin Anja Bohnhof im "Living Studio" zu sehen.
Das stelle man sich einmal vor: Man geht in ein bedeutendes Museum, räumt es leer und fotografiert es - und das auch noch mit der vollen Unterstützung der Betreiber. Unvorstellbar? Vielleicht für den Normalbürger, aber nicht für die Fotografin Anja Bohnhof. Die mehrfach ausgezeichnete Künstlerin hat mit Karen Weinert im Rahmen ihres Langzeitprojektes "Abwesenheitsnotizen" museale Gedächtnisstätten von Persönlichkeiten wie Martin Luther, Albert Einstein und Annette von Droste-Hülshoff so abgelichtet und dafür internationale Anerkennung geerntet.
Derzeit arbeitet die 38-Jährige, die auch an der Fachhochschule Köln lehrt, in Klagenfurt. Der Grund: Die Deutsche ist die erste Trägerin des Stipendiums für Fotografie, das Klagenfurt und das Land Kärnten ausgeschrieben haben. Noch bis September lebt und arbeitet sie im Maleratelier der Stadt. Die bisherige Zeit ihres Stipendiums hat sie bereits gut genutzt, wie man ab Dienstag bei ihrer Ausstellung im "Living Studio" der Klagenfurter Stadtgalerie sehen kann. Unter anderem hat sie das Koschatmuseum für die "Abwesenheitsnotizen" fotografiert. Das Mahler-Komponierhäuschen steht demnächst an. "Beim Koschatmuseum habe ich von Anbeginn freundliche Unterstützung bekommen", sagt Bohnhof. Wobei sie betont: "Man kann natürlich nicht die Leute überfallen und erwarten, dass sie allem sofort zustimmen." Sie scheint mit ihrem Fingerspitzengefühl, ihrem Respekt vor dem Interieur, ihrem guten Ruf und letztlich auch ihrer Ausdauer die Menschen von ihrem Vorhaben zu überzeugen. Vor allem Letztere war beim Bert Brecht Museum gefragt. Es hat Jahre gedauert, bis sie es fotografieren durfte.
Für ihre Klagenfurter Zeit hat Anja Bohnhof ein neues Projekt, das sich wie die Computertasten-Kombination "Strg+Z" nennt, in Angriff genommen. Dafür fotografiert sie mit ihrer Großfor-mat-Kamera erinnerungswürdige Orte und spielt gemäß der Tastenkombination mit dem Versuch etwas rückgängig beziehungsweise Vergangenes sichtbar zu machen. Unter anderem hat sie bereits die ehemalige Wohnung von Robert Musil im Musil-Museum, das einstige Klassenzimmer von Ingeborg Bachmann und die Wohnung von Anton Webern vor der Linse gehabt.














