Warum das Wetter heuer verrückt spielt
Auf die Hitze folgten Unwetter. Acht Fragen und Antworten zum ungewöhnlichen Wetter, zusammengestellt von Günter Pilch und Ulrike Greiner.

Foto © Leser-Reporter/Loretto, KLZ/Helmuth Weichselbraun6166 Blitze wurden in Kärnten allein bisher im Juli registriert. In den nächsten Tagen gibt es kein Badewetter
1. Seit Wochen herrscht drückende Hitze, regelmäßig richten Unwetter in einzelnen Regionen Schäden an. Kann man da noch von gewöhnlichen Wetterschwankungen sprechen?
ANTWORT: Meteorologen sprechen in Bezug auf Hitze und Unwetter von außergewöhnlichen Bedingungen. Laut Zamg gab es in Klagenfurt heuer im Juni 9 und im Juli bisher 8 Tropentage. Ein durchschnittlicher Juni hat ein bis zwei, ein durchschnittlicher Juli drei bis vier Tropentage. Ausnahmen: Im Juni 2006 gab es zwölf, im Juli 2010 zählte man 16 Tropentage.
2. Wann gab es in Kärnten das letzte Mal extreme Bedingungen?
ANTWORT: Eine ungewöhnliche Hitzephase konnte man in Kärnten im Jahr 2003 erleben. Damals wurden im ganzen Sommer, also im Juni, Juli und August, insgesamt 40 Tropentage registriert.
3. Was ist der Grund dafür, dass Hitze und Unwetter in den vergangenen Wochen in einigen Teilen Österreichs dermaßen drastisch ausgefallen sind?
ANTWORT: Grundsätzlich gilt: Je heißer es ist, desto mehr Energie steht für Gewitter zur Verfügung. In den vergangenen Tagen kam hinzu, dass Österreich Luftströmungen aus dem Mittelmeerraum abbekommen hat. Dort ist das Wasser heuer um mehrere Grad wärmer als üblich, verdunstet also noch stärker. Diese Luftmassen begünstigen die Bildung kraftvoller Gewitterzellen.
4. Wird es solche Effekte durch den Klimawandel künftig öfter geben?
ANTWORT: Einzelne Wetterereignisse lassen sich zwar nicht pauschal mit der Erderwärmung erklären - dafür ist unser Klimasystem mit all seinen Einflussfaktoren zu komplex. Da es global aber bewiesenermaßen wärmer wird, wird auch die Temperatur des Mittelmeeres weiter steigen. Das bedeutet, dass Europa in Hinkunft öfter von feucht-warmen Luftmassen heimgesucht werden dürfte, die sich in Form von schweren Unwettern entladen. Dermaßen drastische Bedingungen wie derzeit sind aber noch die Ausnahme.
5. Gibt es in Kärnten so etwas wie einen Hotspot für Gewitter?
ANTWORT: Kärntens Hotspot für Gewitter schlechthin sind die Nockberge. Denn diese Berge sind in der Höhe flach, sodass die Sonne gut einstrahlen kann. Das sind ideale Voraussetzungen dafür, dass sich ein Gewitter gut entwickeln kann. Wenn es noch eine Nord-Ost-Strömung gibt und das Gewitter die ganze Energie aus dem Klagenfurter Becken holt, kann es richtig gefährlich werden. Beweis dafür sind die vielen Unwetter rund um St. Veit und Brückl. Aber auch im Lavanttal mit Kor- und Saualm gibt es regelmäßig heftigere Gewitter.
6. Der Hagel kann jedes Jahr große Schäden anrichten. Wie kommt es zur Entstehung von Hagel und warum sind die Schloßen manchmal groß wie Golfbälle?
ANTWORT: Auch das hängt mit warmer Mittelmeerluft zusammen, wenn sie über Österreich dominiert. "Durch die Feuchtigkeit und die enorme Hitze können sich die Wolken viel höher auftürmen als gewöhnlich", heißt es vonseiten der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik. Diese Wolkentürme können im Extremfall zum Teil sogar über die Troposphäre hinauswachsen, also über den Bereich, in dem sich normalerweise das Wetter abspielt. In der Fachsprache nennt man diese Wolkenspitzen "overshooting tops". In den langen Wolkenschläuchen mit ihren enormen Temperaturunterschieden zwischen Unterseite und Spitze kann sich der Hagel besser und vor allem größer ausbilden. Die Hagelkörner werden innerhalb der Wolke über Kilometer nach oben gesogen und wachsen dabei immer stärker an. Weil die Wolken so hoch sind, bekommen die Körner auf ihrem langen Weg oft die Größe von Golfbällen, bevor sie dann zu Boden fallen.
7. War das bisherige Jahr 2012 gewitterträchtiger als andere?
ANTWORT: Laut den Aufzeichnungen des Blitzortungssystems Aldis gab es heuer in Kärnten bereits mehr als 10.000 Blitzentladungen. Das ist weniger als im Vergleichszeitraum 2011 und 2010 (jeweils mehr als 11.000 Blitze). Den Blitzrekord gab es in Kärnten in den vergangenen 20 Jahren im Mai 2009. Damals wurden bei Aldis 14.640 Blitze aufgezeichnet. Die meisten Blitze wurden im Juni in Kärnten seit 1992 laut Aldis 2006 verzeichnet (20.444). Im Juli 2006 blitzte es 14.902 Mal - auch das war ein Rekord.
8. Wie geht es mit dem Wetter in den nächsten Tagen weiter?
ANTWORT: "Der Sommer macht jetzt einmal eine kurze Pause", sagt Paul Rainer von der Zamg in Klagenfurt. Bis Sonntag muss man flächendeckend jeden Tag mit etwas Regen rechnen, der regionsweise mehrere Stunden anhalten kann. "Die Landwirte wird das freuen. Vor allem dort, wo es Schotterböden gibt, klagten sie über Trockenheit", weiß Rainer. Auch die Temperaturen sinken, es sind maximal 26, 27 Grad drin. Ab Montag wird es wärmer. Die Werte erreichen am Mittwoch und Donnerstag wieder 28, 29 Grad.












