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Zuletzt aktualisiert: 03.07.2012 um 20:35 UhrKommentare

Antworten auf Bachmanns Gedichte

Das ORF-Landesstudio Kärnten, wo Mittwochabend die 36. Tage der deutschsprachigen Literatur eröffnet werden, präsentiert sich erstmals als Galerie. Ein Künstler-Duo fertigt 1-Wort-skulpturen. Und: Smartes Lesevergnügen lockt. Video von Marko Petelin.

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Organisatorin Monschein zum Bachmann-Preis 2012

Schon bisher war im Klagenfurter ORF-Theater ein wenig auch die bildende Kunst beheimatet. Zumal in Zeiten des Bachmann-Preises, wenn Heinz Peter Maya seine poetischen Bilderbögen rund um Jury und Wettbewerbsteilnehmer spannte. Bühnenbildrelikte des jüngst verstorbenen Künstlers findet man vereinzelt in den Stiegenhäusern des ORF-Gebäudes (siehe auch "Quergedacht") , ebenso wie größere Arbeiten von Valentin Oman, Giselbert Hoke oder Meina Schellander. Eine richtige Ausstellung rund um die Bachmann-Lesungen gab es bisher allerdings noch nie. Wobei es an Gelegenheiten nicht mangelte. "Schon viele wollten im Geiste Bachmanns tanzen, musizieren oder sonst was anbieten", weiß Michaela Monschein zu berichten.

Nun wurde die Organisatorin des Wettlesens erstmals schwach und zeigt "Antworten" von Gert Pallier zu Gedichten Ingeborg Bachmanns. Dass es sich bei den großformatigen Bildern des 62-jährigen Feldkirchners um keine gegenständlichen Illustrationen handelt, liegt in der Natur des Künstlers, der vor allem auf Naturabstraktionen spezialisiert ist. Inspiriert von der Dichterin entstanden mehr als ein Dutzend "innerer Landschaften", die sich im ORF-Café gegen allerlei Mobiliar behaupten müssen. Dennoch: die stilistisch zwischen Hoke, Krawagna und Staudacher angesiedelten Kompositionen aus zarten Linien und lichtvollen Farben sind ein sinnlicher Aufputz für die 36. Tage der deutschsprachigen Literatur. "Begegnungen auf Augenhöhe", wie Michaela Monschein zufrieden feststellt.

Die ganze Stadt als Bibliothek

Mit der Stadtbibliothek hapert's bekanntlich, da verfügt Klagenfurt in Mitteleuropa über ein Alleinstellungsmerkmal, auf das man nicht stolz sein kann. Fast gleichzeitig mit den Lesungen zum Ingeborg-Bachmann-Preis startete ein Netzkulturprojekt, das die ganze Stadt zu einer virtuellen Bibliothek macht: pingeb.org heißt es, dockt also phonetisch an die berühmte Dichterin an und lädt mit 70 auffallenden gelben Stickern (50 davon an Stadtwerke-Bushaltestellen) zum Down-load von E-Books ein.

Das System wurde von einem Spezialisten für Neue Medien, dem Journalisten Georg Holzer, erdacht: Um sich ein Buch herunterzuladen, hält der Nutzer lediglich sein NFC-fähiges Smartphone auf den gelben Sticker oder fotografiert den darauf befindlichen QR-Code.

Im Programm der pingeb.org-Bibliothek sind derzeit ausschließlich Klassiker wie Hofmannsthals "Jedermann" (Domplatz) oder Shakespeares "Sommernachtstraum" (Strandbad), ab August kann die Infrastruktur auch von Jungautoren, Nachwuchsbands etc. genutzt werden. Außerdem versteht sich das Projekt Ingeborg als Beitrag zur Diskussion um die Novellierung des Urheberrechts: Literarische Werke werden erst 70 Jahre nach dem Tod des Autors "gemeinfrei".


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