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Zuletzt aktualisiert: 30.06.2012 um 19:38 UhrKommentare

Christoph Kulterer: Einer, der den Hobel neu ansetzt

Der 40-jährige Christoph Kulterer, Holz-Unternehmer, packt sein Amt als Industriellen-Präsident mit Elan und Rückhalt aus der Familie an.

Neo-Industriellen-Präsident Kulterer: "Sprachen sind Grundlage"

Foto © EggenbergerNeo-Industriellen-Präsident Kulterer: "Sprachen sind Grundlage"

S itzend auf dem Bretterstapel. Auf dem Hackschnitzel-Haufen. Als Räuber oder Gendarm mit Mitarbeiter-Kindern.

Christoph Kulterers früheste Kindheitserinnerungen sind mit der elterlichen Säge verbunden. Und auch sein Schlüsselerlebnis, selbst Unternehmer zu werden, hat er dort verspürt. 1998 brannte das Werk in Sachsenburg bei Spittal ab und der Vater sagte: "Ihr müsst Euch jetzt entscheiden, ob ihr übernehmt, damit wir wissen, ob sich der Wiederaufbau lohnt."

Christoph übernahm schließlich 2001 - genau 100 Jahre nach dessen Gründung - den Sägebetrieb. (Der jüngere Bruder Stefan führt den Forst, Schwester Kathrin lebt in Deutschland.)

Bis 2010 verzehnfachte sich unter seiner Führung die Größe des Unternehmens, das durch Zukäufe vom Mittelbetrieb zum Konzern wuchs. Den langen Firmennamen beließ Kulterer aus Traditionsgründen: "Hasslacher Norica Timber" besteht aus dem Namen des Firmengründers Jakob Hasslacher, dem Urgroßvater Christophs. Norica ist eine alte Exportmarke; Timber, das englische Wort für Schnittholz, ebenfalls.

Die Firma steht mit 900 Mitarbeitern und 250 Millionen Euro Umsatz gut da, obwohl die Branche sich durch Überkapazitäten aufgebläht hat und konsolidieren muss. Hasslacher baut sich daher die Gewinnung erneuerbarer Energie als neues Standbein auf.

Doch der erst 40-jährige Kulterer hat sich längst für öffentliche Funktionen bereit gemacht. Sein Netzwerk ist groß. 2010 übergab er die Firmenleitung einem Manager und ging in den Aufsichtsrat. Und auch seine "Sturm und Drang"-Zeit habe er ausgelebt. Aber mit Reiten, Fallschirmspringen und Motorradfahren sei es vorbei: "Meine Energie stecke ich jetzt woanders hinein."

Die jetzige Bestellung zum Präsidenten der Kärntner Industriellen ist für ihn daher kein Teilzeitjob oder gar Ehrenamt. "Mit 60 Prozent Wertschöpfung ist die Industrie Kärntens wichtigster Arbeitgeber. Wir können stolz sein auf sie. Aber es gibt eben einen Wettbewerb der Standorte. Wir werden gemeinsam mit Politik und Sozialpartnern daran arbeiten, dass die Wege nicht bei unserem Land vorbei, sondern durch uns führen." Kulterer bedient gerne das "Wir", er sei gewohnt, im Team zu arbeiten.

Schwerpunkte

Welche Schwerpunkte möchte er setzen? Jugend und Bildung nennt er als Erstes. Konkret: "Die Mehrsprachigkeit muss Grundlage sein." Dann: die Infrastruktur. Konkret: "Der Klagenfurter Flughafen hat eine zentrale Bedeutung." Sein Programm möchte er aber erst gesondert präsentieren.

Für seinen eigenen Werkstoff Holz sieht er eine "große Zukunft. Man kann damit leicht und schnell bauen. Und es speichert Kohlendioxid."

Das Holz - darüber hat er auch Ehefrau Claudia, Tochter des steirischen Holz-Unternehmers Leitinger - kennengelernt. Auf der Klagenfurter Holzmesse. Die beiden sind seit 1999 verheiratet und wohnen in Spittal. Kulterer hat 2009 den Betrieb in Preding übernommen. Seine Frau sei ihm eine starke Stütze.

Die Töchter Emma (8) und Luisa (6), die heuer eingeschult wird, steigern nun, wie der Vater scherzhaft sagt, die "Frauenquote in der Holzindustrie".

Und sie sitzen auch sehr gerne auf Bretterstapeln.

EVA GABRIEL

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