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Zuletzt aktualisiert: 30.06.2012 um 05:10 UhrKommentare

Schritt für Schritt zurück ins Leben

Der sechsjährige Benjamin und die dreijährige Ronja wurden bei Unfällen lebensgefährlich verletzt. Nach wochenlanger intensiver Therapie können die Kinder nun wieder lachen.

Benjamin, Ronja, Marion Haider mit dem zweijährigen Rudi auf dem Schoß, Ines Fandl und Erste Oberärztin Eveline Achatz (von links)

Foto © KLZ/GreinerBenjamin, Ronja, Marion Haider mit dem zweijährigen Rudi auf dem Schoß, Ines Fandl und Erste Oberärztin Eveline Achatz (von links)

Skifahrer sprang auf Benjamin

Mit drei Jahren machte Benjamin seinen ersten Skikurs. Mit Begeisterung war er seither auf seinen Brettl'n unterwegs. So auch am 27. Dezember 2011 auf der Hochrindl. "Benjamin ist mit dem Papa gefahren, während ich mit unserer Tochter auf einem flacheren Stück in der Nähe war. Dann sah ich den Hubschrauber fliegen. Wenig später hat mir ein Freund der Familie, alarmiert von meinem Mann, schonend beigebracht, was passiert war", schildert Ines Fandl aus St. Veit.

Benjamin war hinter einer Kuppe gestürzt und wurde gerade von seinem Vater an den Händen hochgezogen, als ein Steirer über die Kuppe sprang - ohne die FIS-Regeln zu beachten, wie das Gericht inzwischen feststellte, der Mann fasste eine teilbedingte Strafe aus.

Benjamin wurde am Kopf getroffen und trotz des Helms lebensgefährlich verletzt. Einer perfekten Rettungskette ist es zu verdanken, dass der damals Fünfjährige wenig später im Klinikum operiert wurde. "Er hatte ein schweres Schädel-Hirn-Trauma mit Subduralhämatom und Sauerstoffmangel", sagt Oberärztin Eveline Achatz. Am 23. Jänner, einen Tag nach seinem sechsten Geburtstag, wurde Benjamin auf der Neuro-Rehab übernommen. "Seine Bewegungen waren auffällig. Er musste im Rollstuhl sitzen, konnte kein Lego bauen, hatte Probleme mit der Sprache, seine Mimik war eingefroren", erzählt Achatz. Acht Wochen dauerte der stationäre Aufenthalt des Buben. Zwischendurch besuchte er den Klinik-Kindergarten. Danach kam er dreimal pro Woche ambulant zur Nachbetreuung. Heute muss Benjamin nur mehr einmal pro Woche ins Klinikum.

Seine Mutter war immer bei ihm. "Ich habe mich mit meinem Mann abgewechselt. Alle Ärzte und Therapeuten waren sehr bemüht, wir waren stets in die Behandlung eingebunden", zeigt sich Ines Fandl dankbar.

Im Herbst kommt Benjamin in die Vorschule. Ein großer Wunsch wurde bereits erfüllt. "Er durfte mit dem Papa in Pattergassen den ÖAMTC-Rettungshubschrauber anschauen, mit dem er transportiert worden war", erzählt die Mutter. Und im Keller war Benjamin auch schon. Dort stehen seine Skier.

Pferd traf Ronja auf dem Kopf

Es passierte heuer am 12. April. "Der Tierarzt war da. Gemeinsam brachten wir die Pferde zurück zur Weide. Die Kinder waren immer dabei - auch an diesem Tag. Plötzlich sprang ein Pferd hoch und traf Ronja direkt am Kopf", erzählt Marion Haider, die mit ihrem Mann eine Landwirtschaft in Millstatt betreibt.

Die Folgen waren fatal. "Der Knochen am Schädel war gebrochen. Hirnblutung und Hirnaustritt", sagt Eveline Achatz, Oberärztin und Spezialistin für Neuro-Rehab am Klinikum Klagenfurt. Die Dreijährige wurde - in Begleitung der Mutter - mit dem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus geflogen und sofort operiert. "Ich wurde von Anfang an sehr, sehr menschlich behandelt. Ich war ja total fertig, als ich aus dem Hubschrauber stieg", erinnert sich Ronjas Mutter. Dreieinhalb Stunden blieb Ronja im OP, danach wurde sie in künstlichen Tiefschlaf versetzt. Am 27. April wurde sie zur Neuro-Rehabilitation an die Kinder- und Jugend-Neuro-Psychiatrie überstellt.

"Am MRT war deutlich erkennbar, welche Teile des Gehirns betroffen waren", sagt Achatz. Das Schädel-Hirn-Trauma wirkte sich auf Ronjas Verhalten auf. Sie entwickelte das, was Spezialisten als Durchzugssyndrom bezeichnen. "Sie konnte Dinge nicht planen, hatte Probleme bei der Konzentration, war allgemein langsamer. Wegen einer Sehstörung ist sie gegen die Tür gelaufen", sagt Achatz.

Sechs Wochen musste Ronja stationär bleiben. Doch der Kontakt zur Familie blieb dank der Möglichkeit, Eltern ebenfalls im Klinikum aufzunehmen, intensiv. "Ich konnte sogar Ronjas zweijährigen Bruder Rudi mitnehmen", freut sich die Mutter. "Das war für Ronja eine große Motivation. Bisher war sie tonangebend gewesen, jetzt musste sie den Kleinen aufholen." Auch Marion Haider wurde betreut, um den eigenen Schock zu überwinden - schließlich war das Unglück vor ihren Augen geschehen.

Im August wird Ronja ihren vierten Geburtstag feiern. Eine diskrete Sehbeeinträchtigung wird sich noch "auswachsen". Das Pferd wurde inzwischen übrigens weggegeben. "Deswegen war sie", so die Mutter, "fast ein bisschen beleidigt."

ULRIKE GREINER

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