Die Kraft der Krokodile am Handgelenk
Der Klagenfurter Uhrband-Hersteller Hirsch produziert diesen Monat sein 25-millionstes Armband. Ein Jubiläum, das Strategieänderungen nach sich zieht: zum Beispiel den Rückzug aus China.

Foto © KLZ/WeichselbraunRobert Hirsch vor gefärbtem Leder: "Neue Alligator-Plattform sichert artgerechte Haltung und legalen Handel"
Hasen- oder Känguruleder wird Robert Hirsch en masse angeboten. "Aber die Haut von ,sympathischen' Tieren findet keinen Absatz", sagt der Klagenfurter Unternehmer.
Verlockende Gefahr
Je aggressiver das Tier-Image, desto höher der Stellenwert des Leders: Haifisch und, vor allem, Krokodilleder verkauft sich bestens. Um eine nachhaltige Nutzung zu gewährleisten und nicht in den Ruch des Raubbaues an der Natur zu geraten, hat der Kärntner Uhrband-Hersteller mit anderen ein bemerkenswertes Projekt initiiert - die sogenannte Alligator-Plattform. Gemäß dem Motto "Schützen durch Nützen" werden in Louisiana (USA) die Eier aus den Alligator-Nestern genommen, künstlich ausgebrütet und aufgezogen bis zu einer Größe, mit der die Tiere in der Natur gut überleben können. Danach werden jene zehn Prozent, die in der Natur überlebt hätten, wieder ausgewildert. Der Rest wird zur Lederproduktion verwendet. "Früher waren die Alligatoren vom Aussterben bedroht, das ist jetzt nicht mehr so. Außerdem sorgt die Plattform dafür, dass die Ware legal gehandelt wird. Und der Konsument weiß, dass die Tiere artgerechet gehalten werden", sagt Hirsch, der mit diesem Projekt heuer sogar für den Kärntner Nachhaltigkeits-Preis Trigos nominiert war.
Dass sich Nachhaltigkeit auszahlt, zeigt sich bei Hirsch nun durch ein besonderes Jubiläum: Noch im Juni wird im Klagenfurter Werk das 25-millionste Uhrband (seit 1945) fertig. Dies früher als erwartet: Heuer werden mehr Armbänder gemacht werden als im Vorjahr. Das Geschäft geht gut: Auch den Umsatz von zuletzt 45 Millionen Euro wird Hirsch heuer übertreffen.
Das Jubiläum spornt Hirsch an, weiter auf Wachstumskurs zu bleiben: Zwar ist er Hauptlieferant der kompletten Schweizer Uhrenindustrie (Cartier, Hermes . . . ) und beliefert darüber hinaus 16.000 Fachhändler in der ganzen Welt. "Aber es gibt weit mehr Juweliere. Wir wollen unseren Marktanteil weiter steigern", sagt Hirsch zur Kleinen Zeitung. Bei dem Konzept "50 Prozent Industrie, 50 Prozent Retail-Geschäft" will er bleiben - das eine sichert das andere ab. Einen Absatzboom sieht Hirsch für China. "Dort gelten Schweizer Luxusuhren als Statussymbol. An erster Stelle liegt das Gold-Armband, an zweiter schon das Alligator-Lederband."
Made in Kärnten
Das Hirsch-Werk in China - mit 700 Mitarbeitern in Longguang - will er dennoch mittelfristig schließen. "Die Kosten in China steigen dramatisch: Rohmaterialien, Energie, Logistik, auch Personal. Zudem ist die Inflation riesig. Es ist also absehbar, dass sich das Niveau dem unsrigen anpasst", sagt Hirsch. Sein Ziel: "Bis 2016 wollen wir nur noch Armbänder made in Carinthia machen." Schon jetzt holt er sukzessive Projekte aus China zurück nach Klagenfurt, was nicht einfach ist: Die Werkzeuge sind komplett verschieden.
In Kärnten wird daher das Personal aufgestockt. Auch die Produktionsfläche in Klagenfurt wächst. Heuer wird sie auf 3200 Quadratmeter erhöht - eine Millioneninvestition.
Gearbeitet wird noch immer nach dem alten Patent von Robert Hirschs Großvater. Durch das "Rembordieren" wird Oberleder mit Futterleder fasertief verbunden.
Features
Am laufenden Band
Hirsch beschäftigt 405 Mitarbeiter in Klagenfurt, 700 in China und 200 im Vertrieb.
Export. Exportmarkt ist die ganze Welt, konkret 62 Länder. In der Schweiz betreibt Hirsch 40 Reparatur-Werkstätten in Kaufhäusern unter der Marke Marcco-Service.
Material. Hauptsächlich Kalbs-, dann Alligatorleder.












