Ruf nach totalem Rauchverbot
Am 31. Mai ist Weltnichtrauchertag. Auch Wirte fordern ein generelles Rauchverbot in Gaststätten und damit "Gerechtigkeit für alle".

Foto © APEntwöhnung: Das Tabakgesetz trägt nicht viel dazu bei
Beamte auf Beisl-Tour: Wenn Andrée Feyertag und Heimo Kadiunig einmal pro Monat durch die Lokale der Landeshauptstadt ziehen, tun sie das nicht zum Vergnügen. Die Leiterin der Gewerberechtsabteilung des Landes und der Gruppenleiter der Strafbehörde des Magistrats Klagenfurt machen "Tabakkontrolle": Sie haben die undankbare Aufgabe, für die Einhaltung des viel kritisierten Tabakgesetzes zu sorgen - das Raucher eher nicht dabei unterstützt, mit dem Rauchen aufzuhören.
Seit 2009 ist die Regelung in Kraft, die einerseits eine klare Kennzeichnung von Raucher- und Nichtraucherbetrieben vorschreibt, andererseits aber viele Lücken und Ausnahmen bereithält. Viele Wirte nervt das, was die Beamten immer wieder zu hören bekommen. "Unfreundlich behandelt werden wir aber trotzdem nicht, weil wir versuchen, nicht zu schikanieren", sagt Feyertag. Ingrid Oleschko, die Wirtin des Ofenlöchels in der Domgasse, wünscht sich trotz der freundlichen Gesetzeshüter eine klare Regelung: "Es muss ein komplettes Rauchverbot her, nur so kann es endlich Gerechtigkeit für alle geben." Von den zehn kontrollierten Betrieben hatte Mittwochnachmittag nur einer die Kennzeichnungspflicht völlig ignoriert. Feyertag: "Der bekommt eine Abmahnung."
Die Anzeigen wegen dieser Verstöße haben in letzter Zeit abgenommen. Aus dem Gesundheitsministerium heißt es, dass ihre Anzahl in Kärnten im letzten Jahr um 67 Prozent zurückgegangen ist. Ob das Tabakgesetz allerdings Auswirkung auf die Gesundheit der Bevölkerung zeigt, darüber hegen Feyertag und Kadiunig noch Zweifel.
Laut Kärntner Gebietskrankenkasse verursacht das Rauchen 30 Prozent aller Krebserkrankungen und 90 Prozent aller Lungenkrebsfälle. Jedes Jahr sterben in Kärnten 256 Menschen an Lungenkrebs. Im Europavergleich hat Österreich den dritthöchsten Raucheranteil bei Jugendlichen. 40 Prozent der über 15-Jährigen sind Raucher.
Diese Zahlen und den heutigen Weltnichtrauchertag nehmen immer mehr Organisationen zum Anlass, ein generelles Rauchverbot in Lokalen zu fordern. SPÖ-Gesundheitsreferent Peter Kaiser: "Wir müssen vor allem die schützen, die sich gegen Passivrauch nicht wehren können."
Features
Zahlen & Fakten
256 Menschen sterben in Kärnten jedes Jahr an Lungenkrebs. In ganz Österreich sind es jährlich über 3300 Fälle.
40 Prozent der Kärntner ab 15 sind Raucher. Damit haben sie durchschnittlich zehn Jahre weniger Lebenserwartung.
90 Prozent der Lungenkrebsfälle in Kärnten werden durch das Rauchen verursacht.
67 Prozent weniger Anzeigen wegen Verstoß gegen das Tabakgesetz gingen in Kärnten 2011 ein.













