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Zuletzt aktualisiert: 23.05.2012 um 05:10 UhrKommentare

"Rektorat wird auch überbewertet"

Interimsrektorin Friederike Wall und ihre Vizes Oliver Vitouch und Martin Hitz über Stimmung an der Uni, Herausforderungen und Rektor-Ambitionen.

Im Interview über die Zukunft der Uni (von links): Wolfgang Fercher (Kleine Zeitung), Oliver Vitouch, Friederike Wall, Martin Hitz, Adolf Winkler (Kleine Zeitung)

Foto © GTK-PressefotoIm Interview über die Zukunft der Uni (von links): Wolfgang Fercher (Kleine Zeitung), Oliver Vitouch, Friederike Wall, Martin Hitz, Adolf Winkler (Kleine Zeitung)

"Wird das neue Rektoren-Trio als erste Maßnahme Studiengebühren einführen?

WALL: Nein. Der Senat hat eine eindeutige Entscheidung getroffen, deswegen wird es jetzt keine Studiengebühren geben.

Begründet wurde das mit der Rechtsunsicherheit.

VITOUCH: Das hat sicher stark zu der Entscheidung beigetragen. Zudem könnte es im Laufe des Wintersemesters eine Entscheidung des Verfassungsgerichtshofes geben. Generell wären Gebühren nach Abschluss des Studiums ideal, das kann aber nur bundesgesetzlich erfolgen.

Wie viel fehlt Ihnen ohne Studiengebühren im Uni-Budget?

WALL: 442.000 Euro pro Semester ist die genaueste Vorhersage.

In der Diskussion um Rektor Mayr ist Arbeit liegen geblieben. Was sind die größten Baustellen?

WALL: Den Begriff Baustelle würde ich nicht verwenden, aber es gibt Herausforderungen, die wir bewältigen müssen. Der wichtigste Punkt sind die Leistungsvereinbarungen für die Jahre 2013 bis 2015, die wir soweit vorbereiten, dass wir am 4. Juli die erste Verhandlungsrunde mit dem Ministerium aufnehmen können.

Wie sieht es mit dem rechtlichen Boden Ihrer Beschlüsse aus, sollte Rektor Mayr zurückkommen?

VITOUCH: Der Abberufungsbescheid ist seit der Zustellung rechtskräftig. Sollte der Appellation aufschiebende Wirkung zuerkannt werden, wäre der Rechtszustand von zuvor hergestellt und Rektor Mayr wieder im Amt. Es gibt keinen Grund die Beschlüsse rechtlich in Zweifel zu ziehen.

Wie viel Geld erwarten Sie sich aus der Hochschul-Milliarde?

WALL: Wir sollten den Gesprächen im Ministerium nicht vorgreifen. Wir sind dabei uns attraktive Projekte zu überlegen, um aus diesem Bereich etwas zu bekommen.

Im Rektorat gibt es mit einer Wirtschaftswissenschaftlerin, einem Geisteswissenschaftler und einem Techniker eine spannende Konstellation. Wer bestimmt?

WALL: Bei uns gibt jetzt ausnahmslos ein Sechs-Augen-Prinzip. Entscheidungen fallen gemeinsam. Unsere Forschungsleistungen werden international gewürdigt. Zudem punkten wir mit unserem sehr persönlichen Zugang.

HITZ: Wir haben ja ein Ablaufdatum. Im Interimsrektorat, das vielleicht sechs Monate dauert, werden sicher keine gigantischen Weichen gestellt. Und der Entwicklungsplan ist im Wesentlichen unter Dach und Fach.

VITOUCH: Eine kleine Uni wie Klagenfurt kann in einzelnen Forschungsbereichen international gut mitspielen. Punkten können wir mit hoher Lehr- und Betreuungsqualität, das Studium ist persönlich und kein Massenstudium.

Wie wollen Sie, nach den Konflikten in den letzten Monaten, die Stimmung an der Uni und das Image wieder verbessern?

VITOUCH: Natürlich war das eine unangenehme Zeit, mit Verletzungen und Schwierigkeiten in der Kommunikation. Jetzt ist aber ein Reset-Knopf gedrückt und wir sind aufgefordert, nach vorne zu blicken und nicht alte Rechnungen zu begleichen.

HITZ: Jene im Haus, die nicht unmittelbar mit dem Konflikt zu tun hatten, wünschen sich, in erster Linie ruhig arbeiten zu können.

VITOUCH: Die Bedeutung des Rektorats wird vielleicht auch überbewertet. Was die Universität wirklich ausmacht, nämlich Lehre und Forschung, wird im Wesentlichen von anderen Leuten getragen. Diese Arbeit wird in unverminderter Qualität weitergeführt.

Wie ist jetzt das Verhältnis zwischen Rektorat und Unirat nach den turbulenten Zeiten?

WALL: Ich habe den Eindruck, dass die Kommunikation auf fachlicher Ebene gut funktioniert und es eine wirklich vertrauensvolle Zusammenarbeit gibt.

HITZ: Der Universitätsrat hat verstanden, dass er innerhalb des Hauses nicht ideal beleumundet ist, und konzentriert sich jetzt auf die Rolle, die ihm laut Universitätsgesetz zusteht.

Kann die anstehende Rektorwahl neue Konflikte auslösen?

HITZ: Das hängt sicher von der Bewerbungslage ab. Es lässt sich a priori nicht abschätzen, ob da vielleicht Gräben quer durch den Universitätsrat entstehen.

Die Ausschreibung für die Funktion des Rektors läuft bis 18. Juni. Werden Sie sich alle bewerben?

WALL: Nein. Ich mache das jetzt aus Verantwortung der Uni gegenüber. Die geschäftsführende Tätigkeit ist interessant, ich kann mir aber derzeit nicht vorstellen, das dauerhaft zu machen. Meine Schwerpunkte liegen im Bereich der Lehre und Forschung.

HITZ: Bei mir ist es ein "Ja" mit Vorbehalt. Ich bin ja das dritte Mal im Rektorat und habe gesehen, welche Mühle das sein kann. Das kann noch abschrecken.

VITOUCH: So etwas strebt man nicht an, das ist Schicksal. Bis Mitte Juni kann viel passieren.

Was soll mit mit dem Freizeitgelände passieren, über das Rektor Mayr gestolpert ist?

HITZ: Das Projekt, das Stein des Anstoßes war, wird in dieser Form sicher nicht realisiert. Die Grundstücke sind da, jetzt ist sinnvoll etwas damit zu machen und auf diese Raumreserve zurückzugreifen - da sind wir uns mit dem Universitätsrat einig. Kurzfristig denkbar ist, die Tennisplätze für das Sportinstitut zu adaptieren.

VITOUCH: Parallel dazu wollen wir mit der Stadt ins Gespräch kommen. Die Refundierungs-Gelder sind ja eingefroren, das soll nicht auf Dauer so bleiben.

Unirat-Vorsitzende Stockbauer hat "More brain than bricks" als Motto für die Zukunft ausgeben. Unterschreiben Sie das?

WALL: Ich denke, es ist das Wesen einer Uni, dass es in erster Linie auf geistige Leistungen ankommt.

ADOLF WINKLER, WOLFGANG FERCHER

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