Arzt steht vor Gericht
Schuss in der Küche: Ein Wiener, der in Richtung seiner Gattin feuerte, ist wegen gefährlicher Drohung angeklagt. Am Freitag muss sich der 57-Jährige vor Richter Manfred Herrnhofer verantworten.

Foto © RaunigIn diesem Haus kam es im Oktober 2011 zu dramatischen Szenen
Mittwoch, 26. Oktober 2011, gegen 21 Uhr: In einem Haus in Maria Rain spielten sich dramatische Szenen ab. Wie zuletzt häufig war die Stimmung zwischen einem Wiener Zahnarzt und Universitätsprofessor und seiner Ehefrau angespannt. Laut Aussage der damals 42-Jährigen soll ihr Mann neben Alkohol auch Medikamente konsumiert haben.
Um 21.45 Uhr eskalierte die Situation: Der Mediziner verließ die Küche, holte sich eine Pistole (für die er einen Waffenschein besitzt) und drohte sich umzubringen. Seine Frau wollte sich in Sicherheit bringen und hockte sich auf den Küchenboden. Kurze Zeit später kam der 57-Jährige in die Küche zurück, blieb etwa dreieinhalb Meter vor seiner Frau stehen, richtete die Pistole auf sie, ging in die Hocke und drückte ab. Das Projektil schlug im Kasten ein, knapp neben dem Kopf der Frau. Wie knapp geht aus dem waffentechnischen Gutachten hervor: "Die gedachte, vertikale Mittellinie durch das Gesicht des Opfers ist 22 cm vom Einschussloch entfernt."
Nach dem Schuss sprang die Frau in panischer Angst auf, lief auf den Balkon und rief die Polizei. Ihr Mann, der ihr gefolgt war, konnte sie überreden, mit ihm ins Haus zu kommen. Dort gab er, auf Bitte seiner Gattin, die Waffe in den Safe. Mittlerweile war die Polizei eingetroffen und verhaftete den Arzt. Während des Vorfalls schlief die Tochter (11) im ersten Stock.
Am Freitag muss sich der 57-Jährige in Klagenfurt vor Richter Manfred Herrnhofer verantworten: allerdings nicht wegen Mordversuchs, sondern wegen gefährlicher Drohung und Gefährdung der körperlichen Sicherheit. Der Sachverständige kommt nämlich zum Schluss, dass "es mit großer Wahrscheinlichkeit anzunehmen ist, dass der Schuss platziert neben den Körper abgegeben wurde". Und: "Der Abstand von 22 cm vom Einschussloch zur Gesichtsmitte mag sehr gering klingen, es ist aber ein platzierter Schuss neben dem Körper aus dieser geringen Entfernung durchaus möglich", heißt es im Gutachten.
Ob das Opfer, die Ehefrau des Arztes, am Freitag aussagen wird, darf bezweifelt werden. Bisher hat sie sich ihrer Aussage entschlagen.












