"Bald haben wir keinen Flughafen mehr"
Die Industriellen üben scharfe Kritik an der Strategie des Klagenfurter Flughafens. Dessen Chef verteidigt sich ausgerechnet mit einer Liste der Strecken-Streichungen.

Foto © KK, KLZ/TraussnigPetschnig (rechts) fordert eine neue Flughafen-Strategie. Gatterer fällt nur die fehlende Nachfrage ein
Um 50 Euro bietet der Klagenfurter Flughafen Führungen an. Dafür kann man die Sicherheitskontrolle, den Fuhrpark oder die Flughafen-Feuerwehr "näher kennenlernen".
Das Angebot könnte ein Zukunftsszenario sein: Wenn auch das allerletzte Flugzeug Kärnten verlassen haben wird, reüssiert der Airport einfach als Museum.
Es ist nicht mehr weit bis dahin - davor warnen jetzt die Kärntner Industriellen, die die Strategie des Flughafens scharf kritisieren. "Bis auf Wien sind alle Netzwerk-Anbindungen, ja sogar alle Linienflüge verloren gegangen. Das ist zu hinterfragen", fordert Industriellen-Präsident Otmar Petschnig, der glaubt: "Wenn nicht sofort etwas passiert, haben wir bald keinen Flughafen mehr."
Petschnig sieht auch in den fehlenden Tagesrand-Verbindungen einen Denkfehler beim Flughafen-Management: "Man kommt aus europäischen Hauptstädten abends nicht nach Klagenfurt zurück. Muss entweder in Wien übernachten oder vier Stunden fahren."
Kunden fliegen ab
Auch potenzielle Kunden schrecke dieser Missstand ab: "Wenn die nicht innerhalb eines Tages eine Fabrik besichtigen oder Prototypen kontrollieren können, dann kommen sie eben nicht", weiß Industriellen-Geschäftsführerin Claudia Mischensky, die ein neues Management fordert.
Flughafen-Chef Johannes Gatterer, dessen Vertrag im Juni ausläuft, hält die Warnungen für entbehrlich. Die Nachfrage sei eben unbedeutend gewesen. Als Beweis dafür listet er die Strecken-Streichungen ab Klagenfurt zwischen 2000 und 2011 auf.
Laut Gatterers Liste wurden in dieser Zeit 26 Flüge gestrichen. Ehemals konnte man von Klagenfurt nach Zürich, Rom, Amsterdam, Berlin oder München fliegen: alles vorbei.
Dass der Airport Klagenfurt seit 2005 rund 27 Prozent seiner Passagiere verlor, erklärt Gatterer wiederum mit eben jenen Strecken-Streichungen. Dass seine traurige Liste auch die Unfähigkeit seines eigenen Managements deutlich macht, sieht Gatterer nicht. Es heißt, er will sich wieder bewerben.














