Predigt kommt vom iPad
In der Kirche St. Hemma in Klagenfurt nutzt Pfarrer John Merit Apps & Co. auch im Gottesdienst.

Foto © Privat/SkorianzPriester Merit hat Informatik studiert und betreut die Facebook-Seite der Pfarre St. Hemma
Ein ungewohnter Anblick: Statt eines dicken Messbuchs liegt ein schlankes iPad auf dem Altar der Kirche St. Hemma in der Feldkirchner Straße in Klagenfurt. "Ich verwende auch analoge Bücher in der Messe", erklärt Pfarrer John Merit: "Aber nachdem es mittlerweile eine Reihe sinnvoller Apps für Priester gibt, setze ich sie seit etwas mehr als einem Jahr gern ein."
Viel Herumschlepperei erspart sich der indische Weltpriester dadurch. Denn er hat zwar ständig eine Bibel, ein Griechisch-, ein Hebräisch-, ein Englisch- und ein Deutschwörterbuch, ein Gebetsbuch und diverse biblische Kommentare dabei - aber nicht in Buchform. "Man findet auch Textstellen in den Computerdateien wesentlich schneller", demonstriert der Doktor der Bibelwissenschaften mit ein paar flinken Handgriffen, wie er eine hebräische Phrase aufspürt.
"Dort in Indien, wo ich herkomme, ist das Christentum älter als in Kärnten", erläutert Pfarrer Merit, warum er als Inder Christ ist und nicht zum Beispiel Hindu. Seit dem vierten Jahrhundert gibt es die christliche Gemeinschaft in Tamil Nadu, den historischen Quellen nach gegründet vom Apostel Thomas persönlich. Merit, dessen Großonkel bereits Bischof war, machte seinem Namen alle Ehre. Bereits mit 15 Jahren maturierte der Hochbegabte und ging als Missionar in den Kaschmir. Der Priester, der in Nordindien neben Theologie auch Informatik, Politikwissenschaften und Philosophie studierte, beherrscht zwölf Sprachen.
Dass er nach weiteren Studien und Einsätzen in Rom und den USA in Klagenfurt landete, war Zufall. Ein Bekannter hatte ihn nach Tainach eingeladen, und Merit verbrachte ein Sabbatjahr in Kärnten, bevor er seinen Dienst in St. Hemma antrat: "Fremd fühle ich mich nicht. Man bekommt von seinen Mitmenschen im Wesentlichen das zurück, was man ausstrahlt." So versucht er seine Gläubigen dort abzuholen, wo sie sind - und das ist mehr und mehr im Internet: "Ich betreue die Facebook-Seite der Pfarre St. Hemma und bastle dort gerade an der Pfarrchronik."
Ein Netzwerk für die englischsprachige Gemeinschaft in Kärnten möchte der Priester in der realen Welt ins Leben rufen. Und vor dem 40-Jahr-Jubiläum seiner Pfarre am 30. September hat er zwar keine Software-, aber leider einige Hardwareprobleme zu bewältigen: Das undichte Dach der Kirche muss renoviert werden.












