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Zuletzt aktualisiert: 05.05.2012 um 20:30 UhrKommentare

Josef Köpplinger: "Wir sind für das Publikum da"

Josef Köpplinger, scheidender Intendant des Stadttheaters Klagenfurt, zieht Bilanz. Ein Gespräch über Erfolg, Kulissen, Establishment.

Foto © APA

Zwischen München, Klagenfurt und Essen (wo Samstag seine "La Traviata"-Inszenierung Premiere hatte) reißt es ihn zurzeit ein bisschen herum. Trotzdem ist Josef E. Köpplinger "ziemlich viel in Klagenfurt", wo ihm seine Künstlerfreunde heute eine "Abschieds-Soirée" bereiten. Wenn hier die Ferien beginnen, beginnt der 47-Jährige in Graz mit der Regiearbeit am "Mann von La Mancha". Im Herbst wechselt Köpplinger ans Münchner Gärtnerplatztheater.

Im Rückblick auf die fünf Jahre in Klagenfurt: Was waren die größten Erfolge, wo sehen Sie Misserfolge, in welchen Punkten haben Sie sich schwer getäuscht?

JOSEF ERNST KÖPPLINGER: Beginnen wir mit schwer getäuscht, das ist am einfachsten. Ich dachte nicht, dass die "Ariadne" so einschlagen würde. Ich dachte, dass "Orfeo ed Euridice" von Michael Sturminger mehr Zuseher bringt. Erfolg ist da schwer zu messen.

Man muss Erfolg ja nicht zwingend an Besucherzahlen messen, wenngleich das Stadttheater großartig viele Abonnenten hat.

KÖPPLINGER: Ein volles Haus heißt nicht automatisch ein gutes Haus. Andererseits: wie es in den 70er und 80er Jahren oft zu hören war, nur ein leeres Theater in ein gutes Theater - das halte ich für bescheuert. Gegen das Establishment zu gehen, ist schon wichtig. Aber wir sind für das Publikum da. Und verstören kann man auch nur Leute, die ins Theater hineingehen.

Was würden Sie bei einer Bilanz unter Erfolge verbuchen?

KÖPPLINGER: Ganz ehrlich, mehr als ich gedacht hätte. Versemmeln kann man ja auch das beste Stück. Ich fand "Die Räuber" sensationell von Stefanie Mohr, dann "Amerika", "Schlafes Bruder" von Aron Stiehl war ganz ausgezeichnet. Und trotz aller Schwierigkeiten, auch die "Tosca".

Die Misserfolge?

KÖPPLINGER: Großes Pech hatten wir bei "Casanova" mit der Permanent-Erkrankung des Tenors, aber sonst, dass ich sagen müsste, das ist komplett durchgerattert ... nein, da fiele mir nichts ein.

Sie meinten, man müsse gegen das Establishment halten. Vor Ihrer Intendanz war da mehr los.

KÖPPLINGER: Da muss ich jetzt wirklich widersprechen. Wenn Sie sehen, was damals politisch los war, da gab es noch eine Chance ein Kippen zu verhindern. Momentan ist alles Mitte rechts bis rechts. Wir haben gekämpft auf unsere Art, dafür, dass wir dieses Budget überhaupt noch haben. Solche Vergleiche langweilen mich. Man muss ins Auge nehmen, was da ist. Wenn das jemanden zu wenig war, kann man nichts machen. Manchen war es sogar zu viel. Auch an Verstörung. Da gibt es Briefe.

Man hört auch Einwände bezüglich der Vermusicalisierung.

KÖPPLINGER: Was bitte?

Zur Vermusicalisierung des Programms.

KÖPPLINGER: Das ist absoluter Quatsch! Das stimmt doch nicht! Da müssen Sie auch einmal die Statistiken vergleichen, was früher gespielt wurde. Wir spielen im Wechsel in einer Saison ein Schauspiel mehr, in der nächsten eine musikalische Produktion. Dazu stehe ich auch. Operette und Musical ist ja nicht reines Musiktheater, die haben ja auch einen Anteil an Sprache.

Noch einmal, wann haben Sie Ihrer Meinung nach einen Akzent gegen das Establishment gesetzt?

KÖPPLINGER: Ich glaube, mit "Ghetto", mit "Silvester", mit "Amerika". Mit "Dark Side of the Moon", wo eine Generationsfrage auch über die Sexualität aufgeworfen wurde. Mit Musiktheater wie "Schlafes Bruder", weil da Grenzen angesprochen werden, die noch immer in den Köpfen sind. Mit der "Dreigroschenoper", die zufällig mit dem Beginn der Krise zusammenfiel, sie war mir vielleicht nicht scharf genug.

Am Spielplan des Gärtnerplatztheaters steht auch "Der Bettelstudent" von Emmy Werner. Ist das die Klagenfurter Produktion und könnte das Stadttheater da noch ein bisschen mitverdienen?

KÖPPLINGER: Nein, leider. Es gibt auch die Kulissen nicht mehr, wir haben ja so beschränkte Lagerräume. "Der Bettelstudent" kommt im Prinzregententheater raus, muss also adaptiert und weiterentwickelt werden.

Apropos Platzprobleme: Böse Zungen behaupten, Sie hätten die "Amerika"-Deko vernichten lassen...

KÖPPLINGER: Wieso sollte ich, wir dachten ja, die Produktion geht nach Wien. Aber grundsätzlich muss jede Produktion, die abgelaufen ist und nicht weiterverkauft wird, entwertet werden. Natürlich hebt man etwa schwarze Passepartouts auf, die man wieder einsetzen kann. Aber böse Zungen sagen so manches. Nein, ich habe keine Dekoration vernichten lassen. Vor allem: Warum hätte ich das machen sollen?

Vielleicht aus Eifersucht, weil "Amerika" erfolgreich war und einen Nestroy-Preis bekommen hat?

KÖPPLINGER: Das ist eine sehr primitive Denkensart. Ich verstehe mich doch gut mit "Amerika"-regisseur Bernd Liepold-Mosser. Den mag ich total.

Sie wissen, es tauchte ja auch die Frage auf, wieso Sie ausgerechnet Ihre Ausbildung an der renommierten Covent Garden Musical School und dem Lee Strasberg-Institut von Ihrer Homepage genommen haben.

KÖPPLINGER: Ich kann's Ihnen gern wieder reinnehmen. Ich wollte es verknappen, eine Homepage kostet 450 bis 500 Euro im Jahr, und wenn ich ehrlich bin, brauch ich sie seit zehn Jahren fast nicht mehr. Aber wer Erfolg hat, hat Neider. Darüber habe ich auch mit Dietmar Pflegerl viel gesprochen, der gesagt hat: Ich warne dich vor Kärnten.

Und ist etwas von Pflegerls Warnungen eingetroffen?

KÖPPLINGER: Überhaupt nicht, weil ich etwas getan habe, das mich von ihm doch sehr unterscheidet. Ich habe mich aus sämtlichen Verschwesterungs- und Verbrüderungsvereinen in diesem Land herausgehalten. Das halte ich für die tatsächliche Unabhängigkeit des Theaters.

Haben sie sich deshalb nicht mit politischen Exponenten angelegt?

KÖPPLINGER: Ich habe mich schon mit manchen angelegt. Nur nicht in der Öffentlichkeit, das finde ich geschmacklos. Aber wenn es notwendig war, vor allem bei den unsäglichen Vergleichen von Fußball und Theater, gab es von mir ein Statement.

Fühlten Sie sich auch ungerecht angegriffen?

KÖPPLINGER: Da muss ich jetzt wirklich nachdenken...., wo hab ich mich am meisten aufgeregt? Ja! Bei dieser Handke-Geschichte rund um die Uraufführung von "Immer noch Sturm". Da hat die Zeitung schlecht recherchiert. Ich habe Handke angerufen, er hätte sagen können, dass wir das Stück nicht kriegen. Aber, und das ist der zweite Punkt, ich finde das Stück nicht gut. Das heißt, im Prinzip schon, aber zu lang.

Eine private Frage: Gab es jemals Schwierigkeiten, weil Sie ihren Partner Daniel Prohaska oft eingesetzt haben?

KÖPPLINGER: Nie. Ganz im Gegenteil. Der Danny hat einen Abendpreis, den könnte ich ihm gar nicht zahlen. Er singt an der Volksoper, soll in Leipzig singen, singt jetzt in London den Danilo. Und er war Gott sei Dank auch vor mir am Gärntnerplatz in München. Nein, da hatte ich nie Probleme, aber ich habe das auch immer ganz offen gehandhabt.

INTERVIEW: USCHI LOIGGE

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