Ein düsteres Nachtstück in schönen Bildern
Ein Thriller des Musiktheaters ästhetisch eindrucksvoll, aber harmlos inszeniert: Giacomo Puccinis "Tosca" am Stadttheater Klagenfurt.

Foto © Stadttheater Klagenfurt
Düster, archaisch mutet die dunkel gehaltene Szene mit ihren wuchtigen, teils golden dekorierten Wänden an. Massive Nebelschwaden beeinträchtigen die Sicht auf ein umgestürztes, sich immer wieder drehendes Riesenkreuz. Gemächlich schreitende Priester erscheinen mit weißen, beinahe dämonisch anmutenden Fratzen und weiten, glockigen Gewändern. Sie tragen Kreuze auf langen Stangen: So wie hier beim "Te Deum" schafft es Stefano Poda in Giacomo Puccinis "Tosca" am Stadttheater Klagenfurt, unterstützt von raffinierten Lichteffekten, den ganzen Abend lang stimmungsvolle Bilder von beeindruckender Ästhetik zu erzeugen. Auch die spektakuläre Finalszene mit der umstürzenden Wand geht im Gegensatz zur Probe ohne Blessuren ab.
Nur legt der italienische Ausstattungsregisseur bei dieser letzten Produktion in der Ära Josef E. Köpplinger sein Hauptgewicht mehr auf die perfekte, schöngeistige Durchgestaltung der Szenerie denn auf die Personenführung selbst und lässt besonders im zweiten und dritten Akt hauptsächlich langsam herum schreiten - ein Stilmittel, das gemeinsam mit der Ausstattung stark an seine "Maria Stuarda"-Inszenierung in Graz erinnert.
Bei Podas filmartiger Aufbereitung entstehen zwar durch die dunkel gehaltene Szene auch unheimliche Stimmungen, sein subtiles Spiel wirkt aber insgesamt ziemlich harmlos und wenig drastisch. So werden die spannendsten Szenen - wie der musikalisch ungemein packend komponierte erste Auftritt des Polizeichefs Scarpia in der Kirche, seine spätere Ermordung (er wird diesmal nicht erstochen sondern von Tosca kaum wahrnehmbar erschossen) und die Hinrichtung des Cavaradossi, die im Untergrund stattfindet - zu unaufregend gezeigt und so verschenkt. Dass Sardous Geschichte um Tosca auch ein packender Thriller ist, hat uns Dietmar Pflegerl Ende 2001 mit seiner exemplarischen Inszenierung dieses Meisterwerks bewiesen.
Einspringerin
Und dabei sind durchaus Protagonisten dabei, die zu einer spannenderen Ausformung fähig gewesen wären: Viktoriia Chenska als eingesprungene Titelheldin ist eine fabelhafte Bühnenerscheinung. Sie verfügt über viel Volumen und auch darstellerisch temperamentvolle Ausdruckskraft. Leider weist ihr Sopran immer wieder ein unschönes Vibrato auf, was besonders bei der Arie "Vissi d'arte" schade ist. Gaston Rivero, der mittlerweile auch schon an großen Opernhäusern wie Berlin und Leipzig gesungen hat, kennen wir hier am Stadttheater schon als Radames und Manrico. Diesmal singt er den Maler Mario Cavaradossi: mit viel Ausdruck und Schmelz in der Stimme sowie mühelosen, leuchtenden Höhen. Ganz phänomenal sind seine "Vittoria"-Rufe. Wieder völlig fit nach seinem Kreislaufkollaps bei der Generalprobe: Francesco Landolfi als wenig böser Scarpia mit schönem, weichen Bariton. Neben dem stimmgewaltigen Chor (Günter Wallner) stechen bei den kleineren Rollen Zoltán Nagy als Angelotti und Stefan Cerny als ungewöhnlich aggressiv gezeichneter Mesner, der während des Betens Liegestütze macht, hervor.
Mit eigenwilligen Temporückungen und Übergängen, mit einigen Intonationstrübungen und nicht immer ganz konform mit der Bühne hört man das Kärntner Sinfonieorchester unter Peter Marschik. Klang und Balance sind jedoch insgesamt farbig und ausgewogen.












