Mehrstimmig gegen alte Barrieren
Die Initiative "Unser Land" setzt am Klagenfurter Bahnhof ein Signal. Kärntner Sänger beider Sprachkulturen machen einen Flashmob. Weitere Aktionen folgen.

Foto © Karlheinz FesslChristian Liebhauser-Karl (links) und Miha Kampus wollen die Weichen für mehr Zusammenarbeit stellen
Am Klagenfurter Bahnhof werden kommende Woche die Weichen für eine vielversprechende Initiative gestellt: Der Verein "Unser Land" wird sich erstmals der Öffentlichkeit präsentieren. "Zum Auftakt wird es einen Flashmob am Bahnhof geben. 250 Kärntner Sänger beider Sprachkulturen werden sich dort versammeln und gemeinsam singen. Auch die Militärmusik ist dabei", sagen Miha Kampu und Christian Liebhauser-Karl, Präsident und Vizepräsident des Vereins. Das Signal soll unüberhörbar sein. "Ziel unseres Vereins ist es, Kärntner beider Sprachen auf allen Ebenen zum Austausch einzuladen", sagt Miha Kampu.
Was die Konsensgruppe und andere Initiativen schon länger erfolgreich praktizieren, soll nun auf andere Bereiche ausgeweitet werden. Kampu ist slowenischsprachig aufgewachsen und heute erfolgreicher Unternehmer. Gemeinsam mit dem bekannten Juristen Christian Liebhauser-Karl stellte er fest: "Dass es zwischen den deutschsprachigen Kärntnern und den zweisprachigen Mitbürgern viel zu wenig Zusammenarbeit gibt." Kampu weiter: "Obwohl die Ortstafelvereinbarung getroffen wurde und obwohl die jungen Generationen kaum Vorurteile haben ist der Abstand zwischen den Volksgruppen zu groß." Es fehle an der Kommunikation.
Symptomatisch dafür sei, dass Kampu mit seinem zweisprachigen Galluschor nie Kontakt zu Liebhauser-Karl und dessen Kammerchor suchte. "Wir hatten keine gemeinsamen Auftritte und nutzten keine Möglichkeit uns kennenzulernen. Wir interessierten uns nie für unser Gegenüber", sagen beide. Das änderte sich als der Kärntner Slowene Kampu sein "deutschsprachiges Gegenüber" Liebhauser-Karl zur Vernetzung einlud. Nun machen Chöre beider Sprachkulturen gemeinsame Sache.
Mehr Gemeinsamkeit soll es in Zukunft auch in den Bereichen Sport, Kultur und Wirtschaft geben. Wie angebracht dies ist, zeigt ein weiteres Beispiel: "In Klagenfurt gibt es seit Ewigkeiten einen slowenischsprachigen und einen deutschsprachigen Alpenverein. "Die Mitglieder beider Vereine vertreten dieselben Interessen, haben aber nie Kontakt zueinander hergestellt", weiß Kampu. "Die einen sind da, die anderen dort, jeder kocht sein Süppchen. Das ist fast in allen Sparten so." Regelrechte Parallelgesellschaften seien entstanden.
Dolmetscher
"Unser Land" will nun eine Plattform schaffen, die allen Bürgern beider Kulturen die Vernetzung ermöglicht. Den Anstoß dazu bekam Kampu von einem Freund, der zu ihm sagte: "Ich weiß gar nichts von Euch Kärntner Slowenen."
Vor allem heimischen Unternehmen könnte die Zusammenarbeit mit der Volksgruppe nützen. Kampu hat diesbezüglich bereits ein Konzept mit dem slowenischen Wirtschaftsverband erarbeitet, das bald präsentiert wird. Ein Detail: "Wir werden Kärntner Firmen jederzeit slowenisch sprechende Dolmetscher zur Verfügung stellen."
Alles getreu dem Motto des Vereins: "Zusammenwachsen, rastimoskupaj".
Features
Die ersten Vorhaben
Ein Flashmob mit 250 Sängern beider Sprachkulturen und der Militärmusik am 2. Mai um 17 Uhr am Bahnhof Klagenfurt. Flashmob bezeichnet einen scheinbar spontanen, öffentlichen Menschenauflauf.
Ein Wirtschaftsprojekt. Miha Kampu: "Kärntner der slowenischen Volksgruppe können mit jedem Unternehmen in Slowenien in ihrer Muttersprache kommunizieren. Dieser Vorteil wird nun auch Kärntner Betrieben zugänglich gemacht."












