Ausschlafen macht hier schon Schule
Schulbeginn erst um 8.30 Uhr? Was Experten noch diskutieren, wird in der Klagenfurter Waldorfschule bereits erfolgreich getestet.

Foto © Kleine Zeitung/Helmuth WeichselbraunDie Schüler der Waldorfschule profitieren vom späteren Schulstart um 8.30 Uhr
I ch war zu Beginn skeptisch", sagt Anna Baar, Mutter von David und Benjamin in der 4. und 8. Schulstufe der Waldorfschule in Klagenfurt. "Ich dachte, wenn sich der Unterrichtsbeginn nach hinten verschiebt, wird für uns alles schwieriger." Aber das Gegenteil sei der Fall gewesen: "Die Kinder kommen entspannter in der Schule an, spielen vorher noch im Morgenhort, und sind dann den ganzen Tag über konzentrierter und ruhiger."
In der Waldorfschule beginnt der Schultag seit diesem Schuljahr für alle zwölf Schulstufen um 8.30 Uhr. Der Umstellung, die seit einem Vorstoß des Bildungsexperten Andreas Salcher österreichweit diskutiert wird, ging ein Informations- und Diskussionsprozess voraus. Unter anderem wurde ein Chronobiologe zu Rate gezogen, so Lehrer Roland Sonne: "Es gibt Studien, wonach der Serotoninspiegel, der munter macht, bei Kindern zwischen 7 und 8 Uhr ansteigt, bei Jugendlichen noch später." Dieser Wechsel zwischen Serotonin und Melantonin sei auch durch früheres Schlafengehen nicht sonderlich beeinflussbar.
Befragt man die Kinder selbst, so zeigt sich, dass Frühaufsteher die Zeit am Morgen sinnvoll nützen. Viele üben zum Beispiel ihr Musikinstrument. Besonders positiv sehen auswärtige Schüler den späteren Beginn. Schulsprecher Aaron (16) kommt aus Riegersdorf und kann jetzt bis 6 Uhr schlafen. Elternvertreterin Franziska Steinhart berichtet von Rückmeldungen wie "weniger Streit in der Früh" und "ruhigerer Tagesbeginn". Generell war die Schule bemüht, den Tagesablauf regelmäßiger zu strukturieren. So gibt es eine Mittagspause mit Essen für alle und der Nachmittagsunterricht endet fast immer zur gleichen Zeit. "Auch die Buszeiten mussten koordiniert werden", sagt Sonne.
Anna Baar fasst ihre Erfahrungen zusammen: "Die Kinder sind weniger ausgepowert und schaffen mehr in kürzerer Zeit."













