Weniger war für alle mehr
Vom Autofasten bis zum Klassiker Fleischfasten: Wir haben Klagenfurter gefragt, auf was sie verzichtet haben und wie es ihnen ergangen ist.

Foto © Traussnig
Peter Allmaier ist zufrieden: "Ich habe mein Ziel erreicht und in der gesamten Fastenzeit nicht mehr als 500 Kilometer mit dem Auto zurückgelegt." Mit seinem Autofasten liegt der Klagenfurter Dompfarrer im Trend, denn war es vor zehn Jahren noch hauptsächlich das Ziel, den Körper zu "entschlacken" und abzunehmen, so geht es jetzt darum, bewusst frei von Abhängigkeiten zu werden. "Die spirituelle Ebene tritt vor den bloßen Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel in den Vordergrund", sagt Allmaier, der seinen Autogebrauch weiter sparsam dosieren will: "Ich habe viele Kilometer eingespart, ohne an Lebensqualität zu verlieren. Man wird kreativ, nützt das Rad, entdeckt Mitfahrgelegenheiten." Und das kommt dann wiederum doch der Figur zugute.
Die Kleine Zeitung hat sich am Benediktinermarkt umgehört, wie es die Klagenfurter und Klagenfurterinnen mit dem Fasten halten.
Will der Verlockung widerstehen
Maria Holzer, Chefin der "Selchkammer" am Benediktinermarkt, gesteht: "Ich verzichte in der Fastenzeit immer völlig auf Fleisch und Wurst und esse vorwiegend frische Salate." Und das, obwohl sie jeden Tag inmitten der duftenden Schinken-, Speck- und anderen "fleischlichen" Köstlichkeiten verbringt. "Wenn man den festen Willen hat, hält man das trotz der täglichen Verlockung durch." Sie selber ist darin schon geübt, ihren Jahresablauf durch Fasten zu strukturieren: "Ich faste schon seit Jahren. Es tut meinem Körper einfach gut, weniger zu essen. Auch heuer spüre ich, dass es mir dadurch besser geht."
Schinken schmeckt dann besser
Ernst Pertl ist stolz: Er hat heuer in der Fastenzeit ganze sechs Kilo abgenommen. "Die zeitliche Begrenzung erleichtert für mich das Durchhalten natürlich sehr. Und man freut sich mehr auf den Osterschinken, wenn man vorher wochenlang kein Fleisch gegessen hat." Natürlich sitzt der fröhliche Obst- und Gemüsehändler am Benediktinermarkt mit seinem Stand direkt an einer Vitaminquelle. Auch auf Bier hat der fröhliche Händler verzichtet und sich beim Essen eingeschränkt. Jetzt fühlt er sich leicht und fit für den Frühling. Religiösen Hintergrund hat das Fasten für ihn nicht, ihm geht es ums Wohlbefinden.
Verhaltensmuster durchbrechen
Ulrike und Harald Scherer fasten heuer nicht, letztes Jahr verzichtete Ulrike bewusst auf Süßes, Fleisch und Alkohol. "Fleisch und Süßes weglassen war leicht, Alkohol schwieriger, weil es doch immer wieder gesellschaftliche Situationen gab, wo es gut gepasst hätte." Ihr ist wichtig, sich in der Fastenzeit eingefahrene Gewohnheiten und Verhaltensmuster bewusst zu machen. "Nachher fängt man bewusster wieder damit an - oder nicht. Ohne Fleisch habe ich mich sehr wohlgefühlt." Ihr Mann Harald hielt 14 Tage durch: "Der Grund war das dürftige Angebot an fleischloser Kost in der Arbeit."
Einmal im Jahr Verzicht
Für Linda Hiess gehört das Fasten einfach zu Ostern: "Ich bin katholisch. Es tut gut, sich einmal im Jahr einzuschränken. Es gibt heute das ganze Jahr über alles an Nahrung, was das Herz begehrt. Damit Ostern wirklich etwas Besonderes ist, ist der selbst auferlegte Verzicht davor wichtig." Fleisch konsumiert die Pensionistin in der Fastenzeit nicht, Alkohol nur eingeschränkt. "Deswegen bin ich gut erhalten!", lacht die 72-Jährige verschmitzt.
Für Gehörlose fasten
Elisabeth Böck ist gehörlos. Konzentriert liest sie die Frage "Fasten Sie?" von den Lippen ab und antwortet dann mit Stimme und Gebärdensprache: "Ich ernähre mich in der Fastenzeit vegetarisch und achte besonders auf meine Gesundheit." Was ihr beim Fasten besonders wichtig ist? "Gute Gedanken. Ein schöner Fastengedanke wäre es für unsere Mitmenschen, in der Fastenzeit besonders hilfsbereit gegenüber uns Gehörlosen zu sein."













