Eine tiefe Verbeugung vor den Opfern
Seit Sonntag erinnern elf "Stolpersteine" in Klagenfurt an jüdische Opfer des Nazi-Regimes. Gut 100 Leute nahmen an der Gedenkveranstaltung teil.

Foto © StadtpresseGunter Demnig (rechts) entwickelte 1993 das Konzept. Mittlerweile hat er 34.000 Steine verlegt und drei Morddrohungen erhalten
"Um die Namen auf den Steinen lesen zu können, machen wir gleichzeitig eine Verbeugung vor den Opfern", erklärte der Berliner Künstler Gunter Demnig den gut 100 Teilnehmern der Gedenkveranstaltung, die Sonntagvormittag auf dem Dr.-Arthur-Lemisch-Platz in Klagenfurt ihren Anfang nahm.
"Stolpersteine", so der Name des internationalen Kunst-Projektes, erinnern namentlich an elf jüdische Bürgerinnen und Bürger aus Klagenfurt, die dem Holocaust zum Opfern gefallen sind. 34.000 Gedenksteine hat Demnig seit 1993 europaweit verlegt, um die Erinnerung an die vertriebenen und vernichteten Menschen lebendig zu erhalten.
Ein Stein. Ein Name. Ein Mensch. "Die Opfer waren nur noch Nummern. Wir geben ihnen ihre Namen und damit ihre Ehre und Würde zurück", machte Peter Gstettner, einer der Initiatoren und Vertreter der Österreichisch-Israelischen Gesellschaft in seiner Rede deutlich und ergänzte: "Wir haben keine Schuld, aber Verantwortung."
Der erste messingüberzogene "Stolperstein" erinnert an Hermine Preis. Demnig setzte ihn direkt vor dem Haus Dr.-Arthur-Lemisch-Platz 1. "Das ist der letzte frei gewählte Wohnort meiner Großmutter." Die Worte von Enkelin Felice Preis ließen das Unfassbare, dass ein lieb gewonnener Nachbar von einer Minute zu anderen von der Bildfläche verschwunden war, für die Zuhörer greifbar werden. Die Vergangenheit verwandelte sich in gefühlte Gegenwart. "Dieser persönliche Bezug weckt auch das Interesse junger Menschen für das Projekt", erklärte Demnig.
Nach dem Totengebet "El Male Rahamin" gesungen von Kantor Michael Malowicki, begaben sich die Teilnehmer zur nächsten Station des nachdenklichen Sonntagsspaziergangs. In der Wiener Gasse 4 erinnern drei Steine an Alfons, Emanuel und Mathilde Neumann. Am Alten Platz 6 lebte Marie Hauser. Felix, Else, Eva und Peter Adolf Preis wohnten vor ihrer Deportation in der Paradeisergasse 4, und Otto und Berta Zeichner in der Adlergasse 14.
Dem gemeinsamen Engagement der Österreichisch-Israelischen Gesellschaft unter dem Vorsitz von Ulrich Habsburg-Lothringen, von Gemeinderätin Sieglinde Trannacher, Bürgermeister Christian Scheider und zahlreicher Sponsoren ist es zu verdanken, dass in Klagenfurt die Vergangenheit sichtbar ist.













