Mozartheim: Anrainer für Schließung
Studenten kämpfen um den Fortbestand des Mozartheimes, während Nachbarn das Aus begrüßen. Zu oft war es zu laut.

Foto © Fertschey
Im Sommer schläft Hilde Pipp manchmal in der Badewanne, weil es ihr im Schlafzimmer zu laut ist. Häufiges Gegröle angeheiterter Studenten, die amerikanisch-russische Freundschaft feiern, arabische und slawische Musik aus offenen Fenstern, laute Telefonate auf den Balkonen und feucht-fröhliche Grillpartys im Hof machen ihr seit 20 Jahren das Leben schwer. Hilde Pipp wohnt gegenüber dem Mozartheim in der Perkoniggasse 19.
Während Studenten und Unterstützer gegen die geplante Schließung des Heimes protestieren, können Anrainer die Schließung kaum erwarten. Der Grund: in den Sommermonaten, während die Jahresstudenten auf Ferien sind, bewohnen internationale Jugendliche, die Deutsch lernen, das Heim. "Im Sommer kommt es oft zu hoher Lärmbelästigung. Wir mussten selbst schon die Polizei rufen", bedauert Volkshilfe-Geschäftsführer Hermann Riepl. Doch kaum ist die Polizei weg, geht der Lärm weiter. "Wenn ich die Studenten bitte, leise zu sein, werde ich frech beschimpft", klagt Pipp. "Nachts gibt es keine Kontrolle im Heim."
Ihre Nachbarin Cornelia Manfredi hat drei Kinder, auch sie können oft nicht schlafen. "Wenn ich spätabends müde vom Dienst nach Hause komme, finde ich oft keine Ruhe", klagt Miriam Goller. Am Abend wird es vielen Bewohnern unmöglich gemacht, die laue Sommerluft auf ihrem Balkon zu genießen. Bis in die Dunkelheit wird lautstark Fußball gespielt, aus dem Clubraum dringen Kampfsport-Schreie. "Ich habe kein Problem mit Studenten, wohl aber mit Bauchtanzmusik bis nach 24 Uhr", sagt eine andere Anrainerin, die anonym bleiben möchte. Sie fürchtet, nach Abriss des Heimes vom Regen in die Traufe zu kommen. "Wenn vor unserem Haus ein Wohnblock mit Kinderspielplatz gebaut wird, haben wir auch keine Ruhe mehr."
Unter diesen Umständen würden die Bewohner der Perkoniggasse 19 das Studentenheim vorziehen, sofern die Lärmbelästigung beseitigt wird. "Wir haben überlegt, den Sommerbetrieb einzustellen und auf zwölf Monate Studentenbetrieb umzustellen", macht Riepl Hoffnung.
Features
Mozartheim
Situation. Am 27. Februar kündigte das Land dem Heimbetreiber (Volkshilfe). Die Kündigung war nicht rechtens. Stadt sowie die SPÖ auf Landesebene kämpfen um den Heimerhalt.
Demo. Am 27. März um 15 Uhr protestieren Studenten auf dem Alten Platz in Klagenfurt.













