Stichtag in Klagenfurt
Kunst, Kitsch, Totenköpfe, Extravaganz: Bei der Tattoo Convention in Klagenfurt zeigten internationale Aussteller alles rund um den Körperkult.

Foto © KLZ/WeichselbraunEin Mann, zwei Gesichter: Chris aus Hannover hat sich erst vor einigen Monaten die Hälfte des Gesichts tätowieren lassen
Das ungewöhnliche Ambiente mit Braukessel, Bierkrügen und Schnapsflaschen hindert Katharina nicht daran, sich zu entspannen. Die Skelett-Dame "La Catrina" entsteht in einer fünfstündigen Sitzung auf dem Rücken der 19-jährigen Murauerin. "Ein bisschen weh" tue es zwar schon, aber was tut frau nicht alles für die Kunst. "Ich bin selbst gerade in der Ausbildung zur Tätowiererin, das macht einfach riesigen Spaß." Katharina ist eine von Hunderten, die sich am Wochenende in der Schleppe Eventhalle in Klagenfurt der Faszination Tätowieren hingaben.
Damen mit bunten Tattoos und kleinen Katy-Perry-Kleidchen motivieren Besucherinnen für den "Miss Pin-up-Girl"-Contest. Bei einem Stand, der Tattoo-Entfernungen anbietet, hält sich der Andrang in Grenzen. Das Surren der Tätowierwerkzeuge wird zum vertrauten akustischen Begleiter. Aussteller Chris (39) aus Hannover zieht mit seinem zur Hälfte tätowierten Gesicht viele Blicke auf sich. Dabei soll es vorerst bleiben. "Mit einem Tattoo über das ganze Gesicht würde die Mimik verloren gehen."
Aus den Boxen klingt "Knockin' on Heaven's Door". So schlimm ist es für die "Patienten" aber gar nicht, schmerzverzerrte Gesichter sind selten. "Meine Schmerzgrenze ist relativ hoch und ich kann hier ja nicht einfach losschreien", sagt Caroline (30) aus Kötschach-Mauthen, die sich ein "Horusauge" auf den Rücken hat tätowieren lassen. "Ich habe ein schwieriges Jahr hinter mir, deshalb das Tattoo."
Bei Tätowiererin Tammi, die ein Studio in Innsbruck betreibt, fühlt sie sich gut aufgehoben. "Natürlich ist man als Künstlerin selbstkritisch. Eine Tätowierung ist aber immer etwas sehr Persönliches", sagt Tammi, die primär Fantasymotive, Elfen und Blüten tätowiert. "Es war aber auch schon eine angebissene Wurstsemmel oder ein Gartenzwerg mit Laterne dabei." Ähnlich extravagante Wünsche hatte auch Karl (53) aus Wien schon: "Ein Einbahnschild oder einen Schriftzug ,Kein Trinkwasser' im Schambereich." Er verziert den Rücken von Karin (26) aus Zederhaus mit einer Lilie und einem Notenschlüssel ("Ich liebe Musik.").
Rassistischen Motiven erteilt das Tätowierer-Urgestein eine klare Absage. Und sonst heißt es "Bye Bye Arschgeweih". Vor Jahren noch Kult, geht das laut Tätowierer Daniel aus Leoben "heute gar nicht mehr".
Und sein Stammkunde Markus gibt zu: "Tattoos sind schon ein bisschen eine Sucht!"














