Über das harte Leben der feinen Klagenfurter
War das Leben im Schloss wirklich märchenhaft? Der Historiker Wilhelm Deuer verrät, warum nicht und stellt beeindruckende Bauten vor.

Foto © KLZ/Weichselbraun (Repro)Gut erhalten und in Privatbesitz. Schloss Annabichl
Halten Sie sich jetzt brav an die Fastenzeit und essen kein Fleisch? Nicht? Was für ein Glück, dass Sie nicht im 16. Jahrhundert leben. "Selbst ein Adeliger hätte damals eine Strafe bekommen, wenn man ihn mit einem Stück Fleisch erwischt hätte", sagt Wilhelm Deuer, der stellvertretende Direktor des Kärntner Landesarchivs.
Einzig ein Dispens vom Pfarrer, der ihn mit dem Hinweis auf eine kürzlich überstandene Krankheit vom Fasten entbindet, hätte die Bestrafung verhindert. Doch auch außerhalb der Fastenzeit durfte ein Adeliger nicht essen, was er wollte. "Käse kam nicht infrage, weil es ein typisch bäuerliches Nahrungsmittel war", sagt der Historiker. Bier war ebenfalls tabu, denn Blaublütige hatten Wein zu trinken.
Ist das Schlossfräulein- oder Schlossherren-Dasein anno dazumal also gar nicht so erstrebenswert, wie man heute meint? "Das Leben der Adeligen in den Schlössern war sehr fremdbestimmt und von Zwängen geprägt", sagt dazu Deuer, der sich in verschiedenen Publikationen (wie "Burgen und Schlösser in Kärnten") mit den Kärntner Prunkbauten und ihren Bewohnern befasst hat.
Einen Einblick in sein Wissen gewährt er am Donnerstag im Landesmuseum. Das adelige Leben wird er dabei nicht schönreden: "Damals war es fast besser ein Bauer zu sein. Man lebte gesünder und musste nicht repräsentieren." Der Adel habe sich immer schön - also unbequem - kleiden müssen. Als Mann durfte man jagen gehen, als Frau blieb einem nur das Sticken und man musste Eindruck machen und Feste feiern, selbst wenn es die Brieftasche nicht erlaubte.
Dazu gehörte natürlich auch eine entsprechende Unterkunft. Als im 16. Jahrhundert Klagenfurt zur ständischen Residenz und Hauptstadt wurde, gab es daher auch eine rege Bautätigkeit. Im Großraum wurden etliche Schlösser und Edelsitze errichtet. Noch gut erhaltene Beispiele dafür sind Schloss Ebenthal, Schloss Welzenegg, Schloss Hallegg, Schloss Loretto, Schloss St. Georgen am Sandhof und Schloss Krastowitz. Das frühlingshafte Wetter mag viele zu einer Schlösser-Tour animieren. Dabei ist allerdings zu beachten, dass sich manche Gebäude wie Welzenegg, Ebenthal und Annabichl in Privatbesitz befinden. Eine geführte Tour, wie sie auch Deuer anbietet, empfiehlt sich also.
Features
Zeitreisen
Vortrag. Donnerstag, 15. März, 18 Uhr, Landesmuseum Kärnten. Eintritt: fünf Euro.
Zum Nachlesen. "Burgen und Schlösser in Kärnten", Kulturwanderungen Band 2, Wilhelm Deuer, 15 Euro.
Zum "Er-fahren". Klagenfurter Radtouren führen an einigen Schlössern vorbei. Mehr unter www.klagenfurt.at.

















