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Zuletzt aktualisiert: 05.03.2012 um 20:59 UhrKommentare

"In Kärnten war und ist noch viel zu tun"

Der Diplomat Wolfgang Petritsch spricht im Kleine Zeitung-Interview über Versöhnung, Kreisky und den Balkan. Am Dienstag präsentiert er in der Buchhandlung Heyn in Klagenfurt sein Buch "Kärnten liegt am Meer".

Petritsch, Botschafter Österreichs bei der OECD

Foto © EggenbergerPetritsch, Botschafter Österreichs bei der OECD

Kärnten liegt am Meer. Die Präsentation dieses Buches führt Sie am Dienstag in die Heimat. Ihre Motivation als Mit-Herausgeber zu fungieren?

WOLFGANG PETRITSCH: Über die zweisprachigen Ortstafeln hinaus braucht es das Aussprechen dessen, was war, verbunden mit einer Politik der Versöhnung. Nur wenn wir zu einer alle Seiten einbeziehenden Aufbereitung der Geschichte kommen, hat eine zwischenmenschliche Versöhnung in Kärnten und zwischen Kärnten und Slowenien eine Chance auf Beständigkeit.

Vor einem Jahr war Ihre Biografie über Bruno Kreisky auf den Bestseller-Listen. Kreiskys Kärnten-Bezug?

PETRITSCH: Der Ortstafelkonflikt hat Kreisky gleich zweifach persönlich betroffen gemacht. Zum einen hatte er aufgrund seiner eigenen Minderheiten-Erfahrung als Jude viel Verständnis, ja Mitgefühl, für andere Minderheiten. Das erklärt auch sein Engagement für die Rechte der Südtiroler. Zum Zweiten hat es ihm, der von den Nazis verfolgt, eingesperrt und aus seiner Heimat vertrieben wurde, vor der pogromartigen Stimmung rund um den 10. Oktober 1972 wirklich gegraust. Dieser chauvinistische Hass war ihm ein Hinweis, wie viel noch zu tun ist, um auch in Kärnten zivilisierte Zustände, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, zu erreichen.

Hat der Schriftsteller Petritsch weitere Pläne?

PETRITSCH: Das Thema 100 Jahre nach dem Attentat von Sarajewo 1914 fasziniert mich. Vielleicht gehe ich der Frage nach: Was ist in diesem kurzen 20. Jahrhundert passiert? Sozusagen zwischen dem Sarajewo von Gavrilo Prinip und dem Sarajewo von Radovan Karadi? Beide Male hat der Balkan europäische Geschichte geschrieben. Aber in allen Fällen haben europäische Mächte in diesen Konflikten eine Rolle - oftmals eine problematische - gespielt.

Was können wir aus der Geschichte lernen?

PETRITSCH: Wir könnten uns fragen, ob die europäische Einigung, die wir so gern als Friedensprojekt bezeichnen, tatsächlich Versöhnung und Prosperität bedeutet, auch und gerade für den Balkan. , Jurist und Schriftsteller

INTERVIEW: JANKO FERK

Termin

Buchpräsentation und Podiumsdiskussion mit Wolfgang Petritsch und einigen Zeitzeugen am Dienstag, den 6. März, 19 Uhr in der Buchhandlung Heyn in Klagenfurt, Kramergasse.

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