Die Eisschicht gibt nach, ein Albtraum wird wahr
Leichtsinnige Eisläufer sorgten in den letzten Tagen für Empörung. Doch wie fühlt man sich in einer Notlage, die normalerweise lebensgefährlich ist? Ein Selbstversuch.

Foto © EggenbergerWenn das Eis nachgibt, sinkt man schlagartig ein. Wegbrechende Eisschollen rauben viel Kraft
"Wir behalten dich als Helden in Erinnerung", spotten die Kollegen. "Wenn's dem Esel zu wohl ist, geht er aufs Eis", spottet Fotograf Gert Eggenberger. Und als der extrem enge Schutzanzug beim Anziehen einige Momente lang Mund und Nase verschließt, spottet das Objekt der Scherze selbst: "Das wäre eine tolle Schlagzeile: Journalist beim Anlegen des Taucheranzugs erstickt!"
Doch dann ist Schluss mit lustig! Zwischen Werft und Ruderverein Albatros geht es hinaus aufs Wörthersee-Eis, allein und mit der Gewissheit, dass dieser Marsch mit einem Einbruch ins kalte Wasser endet. Anfangs ist das Eis fest, dann fängt es an zu knacken, erst zart, dann immer lauter, bis man von alarmierendem Krachen umzingelt ist.
Der Verstand weiß: Dies ist ein Selbstversuch, um zu erfahren, wie es sich anfühlt, in Eis einzubrechen, ob und wie man sich selbst helfen kann. Der Verstand weiß auch: Die Berufsfeuerwehr Klagenfurt sichert mich mit Bauchgurt und Seil und hat mir einen Überlebensanzug gegeben, der die Kälte erträglich macht.
All das ist vergessen, wenn der Boden nachgibt! Wenn der Körper binnen eines Wimpernschlags an der Eiskante entlang ins Wasser kratzt. Wenn es schlagartig kalt wird und eisige Spritzer ins Gesicht den Atem rauben. Der Körper übernimmt das Kommando: Hier stimmt etwas nicht! Du gehörst nicht hierher! Du musst raus!
Das also ist einer dieser Unfälle, vor denen Feuerwehr, Polizei und Wasserrettung ständig warnen. Der Albtraum, mit dem man schon als Kind erschreckt wurde. Lebensgefahr, die durch Leichtsinn und Selbstüberschätzung der Eisläufer herbeigeführt wird und manchmal tödlich endet.
Berufsfeuerwehrmann Ralf Komaier hat die unterhaltsame Broschüre "Rettungsmaßnahmen bei Eisunfällen" geschrieben, die österreichweit als Lehrmittel dient und die man unter www.berufsfeuerwehr.at herunterladen kann. Dank seiner Tipps, dem Auftrieb des Anzugs und ausbleibender Panik kann ich mich retten; erschöpft, weil das Eis mehrmals nachbrach. Was aber wäre, wenn ich allein versunken wäre, die Kälte mich in wenigen Minuten betäubt hätte und ich in Panik geraten wäre?
Die Feuerwehrretter demonstrieren, wie man als Laie, etwa mit einem Eishockeyschläger, oder professionell mit Seil und Leiter hilft. Vielen von ihnen stehen die Haare zu Berge. Sie wissen, wo sich ahnungslose Wanderer und Wintersportler über gefährlich dünnes Eis bewegt haben. Sie können solche Spuren nicht neutral betrachten.
Ich jetzt auch nicht mehr.
Features
Fotoserie
Foto

Foto © Eggenberger












-Anzeigen
