Polizeischüler bestellte im Neonazi-Shop
Ein junger Oberkärntner wurde im Internet als Kunde eines Neonazi-Versandhauses enttarnt. Auch ein Historiker war Kunde.

Foto © KKEindeutige und weniger eindeutige Symbole prangten auf den Kleidungsstücken der Neonazi-Versandhäuser
"Ich dachte mir: Es würde nicht im Internet stehen, wenn es nicht legal wäre." So begründet ein Kärntner Polizeischüler, warum er vor etwa fünf Jahren beim neonazistischen "Odin-Versand" im Internet einschlägige Waren bestellt hat. "Was dort angeboten wurde, hatte schon einen komischen Beigeschmack."
Der hat den jungen Oberkärntner aber nicht davon abgehalten, T-Shirts mit teilweise neonazistischen Aufdrucken im Wert von etwa 90 Euro zu bestellen - auf seinen Namen und zu seiner persönlichen Adresse. Beides wurde jetzt vom Hackernetzwerk "Anonymous" im Zuge einer groß angelegten Aktion gegen Neonazis veröffentlicht. Tausende Namen und Adressen, an die das Versandhaus "Odin" oder das nicht weniger einschlägige Modelabel "Thor Steinar" ihre Produkte lieferten, sind unter www.nazi-leaks.net einzusehen. Darunter finden sich nicht wenige österreichische Kunden, neben FPÖ-Funktionären auch vier Polizisten, die ihre Dienst-E-Mail-Adresse benutzten.
Für Freund bestellt
Der junge Oberkärntner, er war zur Zeit der Bestellung noch nicht in der Polizeiausbildung, verwendete hingegen seine private E-Mail-Adresse. Er gibt gegenüber der Kleinen Zeitung an, dass er die Artikel nicht für sich selbst, sondern für einen Freund bestellt habe. "Ich war damals in den falschen Kreisen unterwegs, mit denen ich heute nichts mehr zu tun habe. Mit dem Gedankengut der Neonazis möchte ich nichts zu tun haben", so der Polizeischüler.
Während man bei ihm noch mangelndes Wissen über den Nazi-Terror des vergangenen Jahrhunderts als Erklärung heranziehen könnte, darf dies im Fall eines Kärntner Historikers wohl ausgeschlossen werden. Dieser fand sich in der Kundenliste von "Thor Steinar" wieder, mit vollem Namen und einem erstaunlichen Detail: Der Historiker verwendete für die Bestellung nicht etwa eine private E-Mail-Adresse, sondern eine ziemlich offizielle: Mit @edu.uni-klu.ac.at endete die Adresse, die bis vor Kurzem an Studenten der Universität Klagenfurt vergeben wurden.













