"Kleinstes Übel" für Studenten
Nachträgliche Studiengebühren für Akademiker sollen laut Peter Kaiser (SPÖ) die Unis retten. ÖH-Chef Stefan Sagl kontert. Lesen Sie hier, ob sich Studenten damit anfreunden könnten und was das kleinste Übel ist.

Foto © TraussnigPeter Kaiser (SPÖ) versucht, Studenten von seinem Akademiker-Zwanziger zu überzeugen. Stefan Sagl (ÖH) ist angetan, aber skeptisch
Peter Kaisers Idee eines Akademiker-Zwanzigers wird bundesweit diskutiert. Können sich Studenten damit anfreunden?
STEFAN SAGL: Die Diskussion ist ein Ablenkungsmanöver. Selbst wenn die Studiengebühren in der klassischen Form wieder kommen würden, sind das nur fünf Prozent des kompletten Unibudgets. Aber um die Unis ausreichend zu finanzieren, fehlen 2,3 Milliarden Euro. Ein Akademiker-Zwanziger alleine ist keine Lösung. Erst muss ein Konzept zur Gesamtfinanzierung her.
PETER KAISER: Meine Idee war ein Versuch, ein anderes Denken zustande zu bringen. Der Akademiker-Zwanziger ersetzt keine Finanzierung des Staates, aber er kann verhindern, dass es erneut zu Studiengebühren kommt. Erst wenn man das Studium gemacht hat und in einer Gehaltsklasse ist, die als Verhandlungsbasis bei 3200 Euro brutto liegen kann, soll ein Beitrag von 20 Euro im Monat geleistet werden.
Sollen damit die 77 Prozent der Österreicher beschwichtigt werden, die laut einer Umfrage für Studiengebühren sind?
KAISER: Es ist keine Beschwichtigung, es geht darum, den Zugang zu Bildung für alle frei zu halten. Das Geld soll in die Verbesserung der Qualität fließen, nicht in die Erhaltung des Systems.
SAGL: Bei der SPÖ weiß man ja nie so genau, wo sie steht und wie sie wackelt. Wenn man sich da vorschnell auf so ein Modell festlegt, aber keine Antworten auf die großen Fragen hat, läuft man Gefahr, vom Koalitionspartner über den Tisch gezogen zu werden.
Wie wollen Sie - als ehemaliger ÖH-Vorsitzender - später Ihren Arbeitskollegen erklären, dass Sie die Akademiker-Gebühr nicht verhindert haben?
SAGL: Für einen ÖH-Vertreter ist das eine gefährliche Diskussion. Wir Studierende können aber nicht immer nur blockieren, sondern müssen auch über Reformen nachdenken. Wichtig ist, dass der Zugang zum Studium frei bleibt und es während des Studiums keine Gebühren gibt.
Kanzler Faymann favorisiert das australische Modell mit einem kreditfinanzierten Studium. Das kritisiert die ÖH doch auch scharf.
SAGL: Gerade dieses Modell ist besonders ungerecht, weil Reiche sich einen Rabatt erkaufen können und junge Leute mit Schulden ins Berufsleben starten. Deshalb sind wir für Alternativen.
KAISER: Kredite verstärken soziale Ungerechtigkeiten. Mein Vorschlag setzt ab einer gewissen Einkommenshöhe an und ist damit gerechter. So erklärt, kommen auch die Kritiker ins Boot.
SAGL: Dass die Studierenden immer nur Nein zu allem sagen, stimmt nicht. Wir überlegen selbst, wie man die Unis retten kann. Die Universitäten sind unterfinanziert, wer das noch nicht kapiert hat, für den ist es ohnehin zu spät. Auch wenn die SPÖ sich noch wehrt, es wird über kurz oder lang Studiengebühren geben. Deshalb sucht die ÖH nach Modellen, die am wenigsten schmerzen.
Also wäre der Akademiker-Zwanziger das kleinste Übel?
SAGL: Genau.
KAISER: Nicht nur die aktuellen und zukünftigen Generationen, sondern auch ein Herr Schüssel, auch ein Rektor, auch ein Peter Kaiser sollen ihre 20 Euro dem Unisystem zur Verfügung stellen.
Also soll der Akademiker-Zwanziger auch rückwirkend bezahlt werden?
KAISER: Ja, auch rückwirkend. Über den Stichtag kann man noch reden. Ausgenommen werden sollen Studenten, die in der Zeit der unglückseligen Studiengebühren draufgezahlt haben.
SAGL: Wenn solche Modelle kommen, aber auf den anderen Baustellen im Unibereich nichts passiert, dann wird es unter jungen Österreichern einen Aufstand geben.













