Ästhetische Erhellung von Symbol und Wirklichkeit
"Reality Shapes": Melitta Moschik zeigt im MMKK in Klagenfurt, wie einfach und zugleich diffizil, Information in Schönheit zu verwandeln ist.

Foto © Neumueller48 richtungsweisende Pfeile im Raum
"Ich mache es mir einfach. Ich nehme Dinge aus dem Alltag und stelle sie in einen neuen Kontext", albert Melitta Moschik vor einigen Paletten mit bunten Mineralwasserflaschen. Die Idee dazu kam ihr nach dem Gau von Fukushima, als diskutiert wurde, wie viel Liter Wasser man horten müsse, um eine Atomkatastrophe zu überleben. In den weitläufigen Räumen des Museums Moderner Kunst Kärnten, wo die in Graz lebende Villacherin bereits vor 15 Jahren eine große Personale hatte, stehen die Paletten wie selbstgenügsame kubistische Plastiken vor älteren Flaschen-Serien auf eloxierten Alu-Tafeln.
Auch wenn die 51-jährige Konzeptkünstlerin "nichts erfindet", wie sie betont, einfach sind ihre puristischen Werke nur in formaler Hinsicht. Hinter ihnen verbirgt sich vielmehr das Wissen einer großen Neugierigen, die die "Zeichen und Kürzel der Realität in ästhetisch überzeugende Objekte aus Metall, Kunststoff oder Acrylglas transformiert", so Museumschefin Christine Wetzlinger-Grundnig.
Dreifaltigkeit
Viele ihrer "Reality Shapes" bezieht Moschik aus Alltagskultur und Warenwelt: Heftplaster, Tischtuchmuster oder Wattestäbchen. Auch Ampelanlagen und Drehkreuze inspirierten sie zu Installationen, die sie eigens für die Klagenfurter Schau konzipierte. Für die Burgkapelle im MMKK schuf sie geometrische Lichtzeichen wie man sie von Autobahnen kennt: ein modernes Warnsignal für Erleuchtung vor dem Hintergrund einer barocken Apotheose samt Dreifaltigkeitsdarstellung. Alles in modernster LED-Technik, versteht sich.
Informationsträger, die sie mittels Computer prägnant in den Kunstkontext überführt, sind für Moschik auch U-Bahn-Pläne, Statistiken oder große Vektor-Pfeile, die den Ausstellungsbesucher an der "Schnittstelle" zwischen Realem und Virtuellem wandeln lassen. Frühe Sinnbilder für dieses Lieblingsthema der gelernten Mathematikerin und Physikerin sind Reißverschluss-Variationen aus dem Jahr 1991. Bauzäune, in die sich der Betrachter hineinspiegeln kann, markieren den vorläufigen Endpunkt einer rund 20-jährigen künstlerischen Entwicklung.
Den beeindruckenden Abschluss der Schau bildet eine Rauminstallation, die in Zusammenarbeit mit der Medizin-Uni Graz entstand und höchst einleuchtend die unterschiedliche Lesbarkeit von visuellen Codes vor Augen führt: Was dem Genetiker und Arzt Hinweise für eine Krebserkrankung liefert, sind für den unbedarften Kunstbetrachter einfach nur farbige Punktraster von unterkühlter Schönheit.
Features
Ausstellung
Reality Shapes: Museum Moderner Kunst Kärnten, Burgg. 8, Klagenfurt; bis 4. März. www.mmkk.at; 050/536-16252.










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