Der Weise von Emmersdorf (Teil 1)

Foto © Helge BauerDieter Jandl ist Historiker und schreibt über die Geschichte Klagenfurts
Ganz ehrlich! Haben Sie schon einmal von diesem "Decknamen" etwas gehört oder gelesen? Wenn nicht, dann sollen folgende Zeilen eine kurze Darstellung darüber geben, welche interessante politische Persönlichkeit sich dahinter verbirgt. Diese hat ab der Mitte des 19. Jahrhunderts in der österreichischen Geschichte eine nicht unbedeutende Rolle gespielt. Es handelt sich dabei um Dr. Adolf Fischhof, Arzt, politischer Visionär und Publizist. Er wurde 1816 als Sohn jüdischer Eltern in Ofen (heute ein Stadtteil von Budapest) geboren.
Nach dem Besuch des Piaristengymnasiums in Pest studierte er an der Universität in Wien Medizin und wurde 1846 Magister der Geburtshilfe, zwei Jahre später Sekundararzt am Wiener Allgemeinen Krankenhaus. Als solcher leitete er mit seiner Rede über die "Preßfreiheit" im voll besetzen Hof des Niederösterreichischen Landhauses am 13. März 1848, von vier kräftigen jungen Leuten in die Höhe gehoben (siehe Foto unten), mit den Worten "Der Freiheit eine Gasse! Wer an diesem Tage keinen Mut hat, gehört in die Kinderstube" die Wiener Bürgerrevolution kraftvoll ein.
Bereits am Abend kapitulierte die Regierung. Der unbeliebte Metternich trat zurück und floh nach England. In der Folge wurde Fischhof Mitglied der Akademischen Legion, Kommandant des Medizinerkorps sowie Präsident des Sicherheitsausschusses, der de facto die Regierungsgewalt in Wien übernahm, und leitete als k.k.- Ministerialrat das Sanitätsreferat im Ministerium. Im Kremsierer Reichstag (in Tschechien) gehörte der "1848er"als Reichstagsabgeordneter dem Verfassungsausschuss an. Bei dessen Auflösung geriet er im März 1849 in Untersuchungshaft. Es erfolgte nach einigen Monaten vorläufig sein Freispruch. Danach arbeitete Fischhof als selbstständiger Arzt in Wien. Seine Praxis musste er wegen eines schweren Nervenleidens unterbrechen.
In der Schweiz und in Italien suchte er Erholung. 1867 endgültig rehabilitiert und amnestiert, lehnte er wenige Jahre später das Angebot des Ministerpräsidenten Alfred Potocki für ein Ministeramt ab. Nun widmete er sich hauptsächlich seiner publizistischen Tätigkeit und beschäftigte sich mit der österreichischen Innenpolitik, vornehmlich mit der Nationalitätenfrage in seinem Buch "Österreich und die Bürgschaften seines Bestandes". Einige Jahre später nahm Fischhof seinen Wohnsitz in jener Ortschaft, von der er seinen "Decknamen" erhielt.
Fortsetzung folgt!















