"Ich ließ mich nicht beirren"
Die Schauspielerin, Sängerin und Kabarett-Autorin Marion Dimali (geborene Krainer) über Klagenfurt, ihr Bühnenleben und ihre große Liebe Barbara.

Foto © KLZ/WeichselbraunLebenslustig, Marion Dimali (48) stammt aus Klagenfurt, lebt seit 28 Jahren in Wien
Können Sie sich noch an Ihren ersten Auftritt erinnern?
MARION DIMALI: Ja! Als ich fünf Jahre alt war, hatte ich mit der Tanzschule Haslinger im Klagenfurter Stadttheater eine Aufführung. Da trugen wir kleine weiß-rosa karierte Pumphosen.
Was war das für ein Gefühl?
DIMALI: Ein Gemischtes. Irgendwie grauslich. Ich fühlte mich alleine auf der Bühne, obwohl wir ja in einer Gruppe tanzten. Das war echt unangenehm. Scheinbar nicht unangenehm genug.
Genau, denn heute stehen sie als Schauspielerin, Sängerin, Regisseurin und Kabarett-Autorin auf, vor, neben und hinter der Bühne. Wo sind Sie zu Hause?
DIMALI: Schwer zu sagen. Am besten ist es, zu wechseln. Man bekommt so ein Gefühl dafür, wie sich der andere, auf der anderen Seite der Bühne, fühlt. Das bringt einen auch immer wieder auf den Boden.
Eigentlich heißen Sie Marion Krainer. Wer versteckt sich hinter dem Namen Marion Dimali?
DIMALI: Obwohl ich Künstlernamen schrecklich finde, habe ich einen. Das hat sich so ergeben, weil mich Bekannte Mali statt Marion riefen. Ich wurde dann die Mali. Und als ich in Amerika war und niemand Krainer aussprechen konnte, stellte ich mich als Dimali vor. Das ist so geblieben. In Klagenfurt kennt mich ja kaum wer. Es gibt gute Bekannte von meinen Eltern, die sagen, aja, ihr habt ja drei Kinder (lacht)!
Was verbinden Sie mit Klagenfurt?
DIMALI: Hier merkte ich, dass das Leben mit verschiedenen Kulturen fruchtbar, spannend und gut ist. Als ich in Wien war, musste ich erfahren, dass dem in Kärnten nicht mehr so war. Und das schiebe ich dem Dr. Jörg Haider in die Schuhe. Denn als ich 16 war, hat sich niemand für das sogenannte Slowenen-Problem interessiert. Ich habe mich in meiner schulpolitischen Laufbahn immer gefragt, warum Kinder nicht automatisch Italienisch und Slowenisch lernen. Nicht einmal auf Hawaii, wo ich eineinhalb Jahre war, ist es so engstirnig. Und das ist eine Insel.
Was würden Sie sich für Klagenfurt wünschen?
DIMALI: Dass man diese verblödete, kindische Ortstafelfrage niemals so hochgespielt hätte. Was passiert denn, wenn ein Kärntner erfährt, wie die Stadt in der er wohnt, auf Slowenisch heißt? Der Kärntner soll begreifen, welch einen unglaublichen Schatz er im Alpen-Adria-Raum hat.
Wann verlegten Sie Ihren Lebensmittelpunkt nach Wien?
DIMALI: Mit 20 entschloss ich mich für eine Ausbildung an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst. Alleine, denn ich hatte keine Unterstützung, auch nicht von meiner Familie. Aber ich ließ mich nicht beirren.
Mit ihrem Soloprogramm "Manche mögen's weiß" sprachen sie 1997 über Ihre Homosexualität. Was war das für eine Erfahrung?
DIMALI: Ich wollte, dass die Menschen erkennen, dass es in jeder Beziehung um die gleichen Dinge geht, wie: Und wer bringt den Müll hinunter? Das Faszinierende war, wie wichtig den Leuten das Thema ist. Es gab keine Vorstellung, nach der nicht zehn Leute auf mich warteten und sich bei mir bedankten.
Bereuen Sie Ihr Outing?
DIMALI: Nein! Obwohl es besetzungstechnisch öfter Probleme gab, weil sich die Leute fünf Mal überlegen, ob sie dich nehmen. Als Regisseurin ist das wurscht, auf der Bühne nicht. Idiotisch. Denn ich müsste dann ja jemanden umgebracht haben, um eine Mörderin verkörpern zu können.
Sie und Ihre Partnerin sind seit Dezember verheiratet. Wer führt bei Ihnen zu Hause Regie?
DIMALI: Ich bin die, die es deutlicher sagt, das ist aber auch schon alles. Wenn ich inszeniere, muss ich ständig Entscheidungen treffen. Da ist es mir sehr recht, wenn Barbara das dann macht.
Was war für Sie persönlich Ihr bisher größter beruflicher Erfolg?
DIMALI: Zum einen die Produktion "Die Aufgabe". Denn der Autor selbst, Hans Krendelsberger, hat sich das Stück fünf Mal angeschaut und stand nach der Premiere vor mir und sagte: So gut und stimmig habe er es noch nie gesehen. Mehr geht nicht. Und zum anderen, als ich auf Hawaii bei dem Schauspiel-Coach von Barbra Streisand einen Workshop machte. Er sagte bei der Verabschiedung zu mir: Vergiss nie, du hast ein extrem fein und gut gestimmtes Instrument, geh und verwende es. Ich habe so ein Instrument selten erlebt.
Und Ihr größter privater Erfolg?
DIMALI: Dass ich wider eigenen Erwartens geheiratet habe. Und, dass mich wer genommen hat (lacht).
Features
Zur Person
Name. Marion Dimali (48)
Sternzeichen. Stier
Familie. Verheiratet mit Barbara. Lebt mit ihr und ihren Hunden, den "zwei Buben", in Wien
Hobbys. Guitar hero, Karate, Motorradfahren, Segeln
Aktuelles. Führt Regie bei "Ein glücklicher Tag", Komödie von Andrzej Chichlowski (5. August Schloss Wolkersdorf); arbeitet mit Christoph Fälbl an seinem zweiten Soloprogramm "wer sonst!?" - ab 27. 9. zu sehen
Wortspenden
Klagenfurt. Maaa, so schön. Aber der Lindwurm ist schon sehr klein.
Wörthersee. Liebe ich und ich bin gerne dort. Bin aber nicht eine, die viel ins Wasser geht.
Lampenfieber. Um Gottes Willen, natürlich. Ganz kurz vor dem Auftritt, sodass ich nach Hause gehen und mich entleiben möchte.
Vorbild. Klingt vielleicht kindisch, aber Barbra Streisand.
Schokolade. Wenig, aber gern.
Salatdressing. Wehe, bloß nicht aus dem Packerl.
Liebe. Ist ein seltsames Ding.
Humor. Ohne geht es gar nicht.
Größte Stärke. Ich kann auch komplexe Inhalte verständlich vermitteln.
Größte Schwäche. Ich hab selbst wahnsinnig viele, kleine Regeln.
Hollywood. Großartig, faszinierend und viele große Könner.
Facebook. Großartig. Ich habe dort die interessantesten Menschen kennengelernt.













