35 Jahre Imagepflege für "böse Tiere"
Am 1. April 1976 öffnete der Reptilienzoo Happ neben Minimundus seine Pforten. Seither ringen die Betreiber um mehr Verständnis für Schlangen, Spinnen und Konsorten.

Foto © Happ (3)Wie ein Feldherr auf seinem Schlachtfeld: Die Bauarbeiten dauerten ein Jahr. An dem Erfolg zweifelte Friedrich Happ nie. Helga Happ lernte sehr viel von ihrem Mann. Seit 2000 ist sie die Chefin. Methusalem Poldi - mit Taufpate Guggenberger - ist heute 135 Jahre alt
Früher gab's nicht jeden Tag Tier-Dokus im Fernsehen. "Früher rannten Frauen schreiend weg und Männer wurden blass, wenn ich Schlangen in der Hand hergezeigt habe", erinnert sich Helga Happ. Seit dem Tod ihres Mannes und Zoogründers Friedrich Happ vor elf Jahren leitet sie den 4000 Quadratmeter großen Betrieb mit 1000 tierischen, ein paar menschlichen Akteuren - und sieben Millionen Besuchern in 35 Jahren.
Anspruchsvoller sind die Gäste geworden. "Immer haben die Erwachsenen ihre Kinder über den Rand der Freiland-Einrichtungen gehalten, damit sie etwas sehen können. Seit zwei Jahren geht das nicht mehr; jetzt müssen wir Glasfenster in die Wände machen." Auch die Geduld lässt nach: "Viele stehen vor Terrarien oder Glasscheiben, sehen nichts und schimpfen: ,Da ist ja gar nichts drin!' Wir zeigen schon Fotos, damit die Leute wissen, wonach sie suchen sollten."
Einbußen durch Kärnten Card und Besucherrückgänge - von jährlich 200.000 in den 1990er-Jahren auf zuletzt 140.000 - sowie steigende Energiekosten, die in Tropenhäusern besonders einschlagen, führten dazu, "dass wir jetzt kämpfen müssen. Die Tiere dürfen nicht darunter leiden."
Tun sie auch nicht: Riesenschildkröte Poldi erfreut sich mit 135 Jahren bester Gesundheit, ebenso die "größte" Attraktion, die fast sieben Meter lange Boa constrictor. Am giftigsten sind - trotz Grüner Mamba und südamerikanischen Klapperschlangen - kleine bunte Frösche, aus deren Haut das legendäre Pfeilgift Curare gemacht wird.
Friedrich Happ stammte aus dem Allgäu und wollte in Schlangenbad bei Wiesbaden einen Reptilienzoo errichten. Vertreter des Landes Kärnten schlugen ihm vor, das Projekt hier zu realisieren. Das gab den Ausschlag.
Helga sah Friedrich 1972 zum ersten Mal bei einem Vortrag im Landesmuseum. Erst 14 Jahre später - da waren beide geschieden - kamen sie zusammen und heirateten 1988. Auch als Frau vom Chef "wollte ich alles von der Pieke auf lernen - Wege kehren, Kleintierzucht, Scheiben putzen, Schildkröten, Echsen, Schlangen, Giftschlangen." 1989 übergab er ihr intern die Zooleitung. In seinen letzten Jahren wurde der Schwerkranke aufopferungsvoll von seiner Frau gepflegt. 2000 starb er.
The Zoo must go on - und mit ihm die Pflichten. 300 Mal im Jahr rückt Helga Happ zu Einsätzen aus. Inzwischen kommen viele Schlangen freiwillig: "Minimundus hat seinen Komposthaufen, in dem Ringel- und Würfelnattern ihre Eier legen, vom Lendkanal zur Parkplatzseite verlegt. Die jungen Schlangen müssen auf dem Weg zum Wasser durch den Zoo - und die Leute schimpfen, wir würden unsere Tiere entkommen lassen."
Zum 35. Zoo-Geburtstag gönnte sich Happ einen Bunker, mitten im Wald, bei der Hollenburg: "Dorthin kann ich mich zurückziehen, wenn ich mich mal von Mensch und Tier erholen will."













