Weniger "Fleck" mit neuem Schulmodell
"Sitzenbleiben" gibt es an der Klagenfurter HAK 1 seit drei Jahren nicht mehr. Direktor Heinz Rieger freut sich über bessere Leistungen und ein Drittel weniger Fünfer.

Foto © KLZ/WeichselbraunHeinz Rieger
Das modulare Unterrichtssystem, mit dem Unterrichtsministerin Claudia Schmied nächstes Jahr an allen Schulen das Sitzenbleiben abschaffen will, wird an der HAK 1 in Klagenfurt seit drei Jahren als Schulversuch praktiziert. Direktor Heinz Rieger zieht eine positive Bilanz: "An meiner Schule gibt es um 30 Prozent weniger Fünfer". Das hat einen guten Grund: Der Unterrichtsstoff ist auf Semester aufgeteilt. Das heißt: Die beliebte Methode, das erste Semester gemütlich anzugehen und dann im zweiten "anzuzahn", um doch noch eine positive Note einzuheimsen, funktioniert nicht mehr. Insgesamt gibt es, so der Direktor, an seiner Schule seit Einführung des modularen Systems bessere Leistungen.
"Vorurteile abbauen"
"Sitzenbleiben ist anachronistisch", sagt Rieger, "es gehört ins vergangene Jahrhundert." An seiner Schule werden Schüler, die ein Fach nicht positiv abgeschlossen haben, besonders gefördert, damit es ihnen auch wirklich gelingt, eine erfolgreiche Prüfung über den geforderten Stoff ablegen zu können.
Es war nicht leicht, Eltern und Lehrer von der Richtigkeit des neuen Systems zu überzeugen. Es galt Vorurteile abzubauen, die da lauteten: "Jetzt brauchen die Schüler nichts mehr leisten, weil sie ohnehin ihre positiven Noten bekommen."
Dieser Meinung ist auch Bildungsreferent Uwe Scheuch (FPK), der gestern mit Regierungspartner ÖVP eine Resolution gegen die Abschaffung des Sitzenbleibens verabschiedete. "Der Leistungsansporn wird auf der Strecke bleiben", befürchtet Scheuch.
Rudolf Altersberger, Vizepräsident des Kärntner Landesschulrates, hingegen ist vom modularen System überzeugt: "Wie das Beispiel der HAK 1 zeigt, werden Schüler animiert, bessere Leistungen zu erbringen. Manche Schüler belegen sogar mehrere Module und können so die Schule schneller abschließen."
HAK-Direktor Rieger nennt ein schlagkräftiges Beispiel für die Vorteile: Ein Schüler mit italienischer Muttersprache musste bisher die Italienisch-Stunden besuchen und hatte in Deutsch Probleme. Jetzt kann er das Modul Italienisch gleich mit einer Prüfung abschließen und sich auf Deutsch konzentrieren. Außerdem glaubt Rieger nicht, dass ein Wiederholungsjahr einen Repetenten zum besseren Schüler macht. Der denkt: "Das hab' ich eh schon gehört" und folgt daher dem Unterricht nicht mit voller Aufmerksamkeit .
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AUSGEWOGENES ERGEBNIS
Ausgewogen fiel das Ergebnis der SMS-Umfrage zum Thema Sitzenbleiben aus. 46 Prozent halten es für sinnvoll, dass Schüler trotz Fünfern im Zeugnis in die nächste Klasse aufsteigen sollen. 54 Prozent sind dagegen; sie wollen, dass Sitzenbleiben nicht abgeschafft wird.













