Von Vietnam nach Amerika
Manchmal hinter und meist auf der Bühne, aber immer gefordert: der Chor des Stadttheaters Klagenfurt unter der Leitung von Günter Wallner.

Foto © Bauer/StadttheaterAuf nach Ho-Chi-Minh-Stadt: der Chor des Stadttheaters in "Miss Saigon"
Viele Massenszenen, schnelle Kleiderwechsel und - im Gegensatz zu den Solisten - keine technische Verstärkung: Der Chor des Stadttheaters Klagenfurt sucht seine Herausforderung derzeit in Vietnam: "Musicals wie ,Miss Saigon' verlangen oft vollen körperlichen Einsatz", weiß Günter Wallner. Der 37-Jährige ist in der dritten Saison Chordirektor und Kapellmeister am Stadttheater Klagenfurt - eine eher ungewöhnliche Konstellation: "Meistens heißt es, ein Chorleiter kann nicht dirigieren und ein Dirigent keinen Chor leiten", erzählt er lachend. Aber in seiner Brust wohnen zwei Seelen, seit er bei den Wiener Sängerknaben umfassend musikalisch geschult wurde. Später studierte er Dirigieren und Chorleitung, machte beides zwei Jahre lang an der Oper Kapstadt und landete schließlich via Nürnberg und Dortmund am heimischen Musentempel. Dort ist er "Herr" über 24 angestellte Sänger (12 Damen, 12 Herren), die auf Basis eines "harten Vorsingens" (so Wallner) ausgesucht wurden. Und weil 24 Choristen natürlich nicht das ganze Opernrepertoire abdecken können, gibt es noch einen Pool mit knapp 40 nebenberuflichen Sängern, den sogenannten "Extrachor".
Aber auch das reicht noch nicht für das nächste große Projekt: Gustav Mahlers "Auferstehungssymphonie", die am 7. April Premiere feiert: "Da werden 80 Sänger dabei sein, Verstärkung kommt von der Domkantorei", so Wallner über das in Klagenfurt selten aufgeführte Werk: "Man braucht einen großen Chor, der hat aber nur im letzten Satz eine Viertelstunde zu singen." Allerdings sei die Musik so schön, dass bei der ersten Probe "der halbe Chor in Tränen stand", erzählt der gebürtige Wiener, der auch unter dem neuen Intendanten gerne am Stadttheater bleiben würde: "Die Stimmung im Haus und im Chor im Speziellen ist gut. Das ist wichtig, denn der ganze Mensch macht die Musik und nicht nur seine Stimmbänder."
Harte Brocken
Wie gut geschult diese Stimmbänder sind, hat der Chor auch in der letzten Saison bewiesen, in der einige "harte Brocken" zu bewältigen waren. Nehmen wir als Beispiel die Mussorgsky-Oper "Boris Godunow": "Italienische Texte zu lernen ist für einen Chorsänger ja längst Standard, aber Russisch ist eine große Herausforderung", weiß Wallner.
Ein anderes Beispiel: die "Aida", bei der der Chor praktisch ständig auf der Bühne steht. Große Massen an Notenmaterial und Text sind auswendig zu lernen. Und dazu kommen szenische Herausforderungen: "Als Priester kniend in Andachtshaltung zu singen ist nicht unbedingt leicht, weil ja der Körper zusammengequetscht wird", so Wallner, der bei der szenischen Einstudierung den Regisseuren in puncto Chor mit Rat und Tat zur Seite steht.
Und der sich für das Musical ebenso begeistern kann wie für die Oper. Aktuell schlägt sein Herz aber für ein Schauspiel: Bernd Liepold-Mossers "Amerika", das am 24. März Premiere hat und für das Naked Lunch die Musik beisteuert: "Und die ist wirklich großartig."
Miss Saigon. Noch bis 19. April, Stadttheater Klagenfurt, Tel. (0463) 54 0 64.
Extrachor: Wer sich dafür interessiert, kann sich unter g.wallner@stadttheater-klagenfurt.at für ein Vorsingen anmelden












