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Zuletzt aktualisiert: 04.02.2011 um 09:01 UhrKommentare

Buntes China-Spektakel im Stadttheater

Donnerstagabend feierte das Musical "Miss Saigon" im Stadttheater Klagenfurt Premiere. Die "Kleine Zeitung" zeigt Ihnen die besten Bilder der Aufführung. Außerdem: Regisseur Matthias Davids im Interview.

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Sie haben "Miss Saigon" 2003 in St. Gallen gemacht. Wie hat sich das Stück verändert?

MATTHIAS DAVIDS: Man resümiert ja meistens schon bei der Premiere, was man das nächste Mal besser machen wird und es ist schön, wenn man auch die Gelegenheit bekommt. Es gibt einige emotionale Geschichten, die ich heute härter gestalte, die mir vielleicht zu kitschig waren. Die Grundidee ist aber die gleiche geblieben.

Nämlich?

DAVIDS: Dafür haben mich mehrere Bilder inspiriert. Einmal ein gecrashter Hubschrauber, in dem Kinder gespielt und Menschen gewohnt haben. Und dann das Bild eines Mahnmals im Hanoi-Museum, eine Skulptur aus verschiedenen Flugzeug-Metallteilen, die offensichtlich dem Krieg zuordenbar sind. Und da kam die Idee vom Menschen auf, der sich nach der größten Not und Zerstörung den Lebensraum neu erobert. Damit fangen meistens die Kinder an, weil die ganz unbefangen damit umgehen. So ist auch die Idee des Bühnenbilds erstanden, ein B-52-Bomber, der sozusagen durch das Bühnendach abgestürzt ist und in dem sich Menschen häuslich eingerichtet haben. Das gibt uns die Möglichkeit, alle Szenen - und das sind bei Musicals ja immer gefühlte 300 verschiedene Schauplätze - in einem Bild zu spielen und sie immer wieder neu zu definieren.

Die Geschichte spielt in den Wirren des Vietnamkriegs. Wie politisch ist das Stück?

DAVIDS: Es ist kein Kriegsstück, aber ohne den Krieg würde die Ausnahmesituation, in die die Personen geraten, nicht existieren. Es gibt aber viele Szenen, die die Nöte der Menschen zeigen und ihren Traum, mit den Amerikanern das Land zu verlassen und dem kommunistischen Regime zu entkommen.

Die Handlung kennen wir aus der "Madame Butterfly", nur in eine andere Zeit versetzt . . .

DAVIDS: . . . und die Figuren sind ein bisserl anders definiert. Im Musical gibt es zum Beispiel eine Konfrontation zwischen den beiden weiblichen Hauptfiguren Kim und Ellen, der amerikanischen Ehefrau von Chris.

Die Story hat alle Zutaten für eine kitsche Liebesgeschichte.

DAVIDS: Nur: Was ist denn Kitsch? Für die einen ist Disneyland kitschig, die anderen finden das großartig. Für mich ist wichtig, dass die Emotionen glaubhaft sind und mich bewegen, auch wenn ich es schon tausend Mal gesehen habe. Alles, was an der Oberfläche bleibt - das würde ich als Kitsch bezeichnen. "Miss Saigon" ist eine romantische Liebesgeschichte, aber das muss man sich mal vorstellen: Da ist ein Amerikaner, der ist eigentlich fertig mit Vietnam und dann lernt er dieses Mädchen kennen und seine ganzen Vorhaben ändern sich, weil er sich verliebt.

Sie sind ja auch Opernregisseur. Haben Sie die "Madame Butterfly" jemals gemacht?

DAVIDS: Leider nein. Aber ich versuche, ein so breites Spektrum wie möglich zu haben. Von Weill über Rossini bis zur Barockoper, in Linz habe ich zum Beispiel 2008 Cavallis "Calisto" gemacht.

Apropos Linz: Sie werden Musicalchef am Neuen Musiktheater, das im April 2013 eröffnet wird. Was planen Sie für das Haus?

DAVIDS: Einen Mix aus sehr bekannten und weniger bekannten, aber sehr guten Musicals. Meistens ist es ja so, dass mit dem einen Musical, das gezeigt wird, die moderne Oper finanziert wird und die Publikumszahlen gerade gerückt werden. Da wir rund fünf Produktionen pro Saison spielen, können wir auch unbekanntere Sachen machen. Und wir werden auch Auftragswerke vergeben.

Der Musical-Boom hält unvermindert an. Woran glauben Sie, dass das liegt?

DAVIDS: An dem direkten emotionalen Zugang und dass das Musical mit Sprache, Musik und Tanz drei Sparten in sich vereint. Es ist sehr schade, aber man merkt ja beim Schauspiel, dass in unserer bildüberfluteten Welt das gesprochene Wort immer weniger von den Leuten ertragen wird und Regisseure immer mehr gezwungen sind, mit Musik eine atmosphäre Erhöhung zu schaffen.

Was folgt nach Klagenfurt?

DAVIDS: "Das schlaue Füchslein" von Janácek, also etwas ganz anderes. Ich muss den Hebel im Kopf richtig umlegen, denn es geht schon nächste Woche los.

INTERVIEW: MARIANNE FISCHER

Zur Person

Matthias Davids, geb. 1962 in Münster. Studierte u. a. Horn, Germanistik, Musikwissenschaft. Diverse Hauptrollen in Musicals (u. a. "Jesus Christ Superstar").

Danach Wechsel ins Regiefach, zahlreiche Opern- und Musicalinszenierungen.

Lebt in Köln. TRAUSSNIG

Zum Stück

"Miss Saigon". Musical von Claude-Michel Schönberg (Musik) und Richard Maltby Jr. und Alain Boublil (Text). Österreichische Erstaufführung.

Premiere morgen, 19.30 Uhr, Stadttheater Klagenfurt. Termine bis 19. April und im Sommer.

Karten: Tel. (0463) 54 0 65.

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