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    Zuletzt aktualisiert: 29.12.2010 um 05:10 UhrKommentare

    Schrille Töne um Schlagermusik

    Billig-Gäste, die billige Betten füllen - das sind laut einer Studie Volksmusik-Fans. Jetzt stehen die Volksmusik-Events auf dem Prüfstand.

    Um Andy Borgs Gäste ist eine Debatte entbrannt

    Foto © APA/ORF/Milenko BadzidcUm Andy Borgs Gäste ist eine Debatte entbrannt

    Andy Borg ist noch nicht einmal in Klagenfurt eingetroffen, da herrscht bereits helle Aufregung. Weniger um den Schlagerstar und die 40.000 Euro aus Mitteln der Stadt, die der Silvesterstadel erhält, als vielmehr um die neue Markenpolitik der Kärnten Werbung und ihren Umgang mit der volkstümlichen Musik.

    Volksmusik-Fans als unattraktive Gäste?

    So finden sich im neuen Markenhandbuch der Kärnten Werbung klare Worte: "Volksmusik spricht Menschen an, die den konservativ-traditionellen Milieus zuzuordnen sind. Diese Gäste sind bezogen auf ihr Einkommen, ihre Ausgabefreudigkeit und Reiseintensität schlicht die unattraktivsten am touristischen Markt. " Aussagen, die vor allem eines bedeuten könnten: das Aus für Veranstaltungen, wie "Wenn die Musi spielt" oder die "Starnacht am Wörthersee".

    So deutlich die Kärnten Werbung in ihrem Marken-Handbuch ist, so sehr bemüht sich deren Chef Christian Kresse um Relativierung: Die Verträge für die Sommer- und Winter-Musi wurden gerade um zwei Jahre verlängert. Touristisch würde er aber dennoch gerne mit einem authentischen und nicht austauschbaren Kulturimage - etwa den "verwurzelten Chören" - werben. "Wir haben kein eigenes Event-Budget mehr, auch hier müssen wir sparen."

    Denn die Effekte eines Volksmusik-Events werden im Markenhandbuch auch ganz klar aufgelistet: geringe Preise, geringe Wertschöpfung und geringe Wertschätzung von Gast und Gastgeber. Zudem würden viele Gäste der Spitzenhotellerie und hochwertiger Ferienwohnungen vor Events eher flüchten. "Events spülen Gäste ins Haus, ohne Investitions- und Marketingbemühungen, sie bieten auch die Möglichkeit, nicht mehr marktfähige Betten zu füllen" wird im Markenbuch kritisch angemerkt. Die strategische Wirkung der Events sei nicht vorteilhaft für die Marke Kärnten.

    "Alpen-Adria-Genussfestival" soll Besucher bringen

    Rückendeckung in seiner Strategie erhält Kresse von Tourismuslandesrat Josef Martinz, Kritik erntet er von der FPK, die betont, dass "Schlager und Volksmusikfans weiterhin willkommen sind." Zudem verweist auch der Klagenfurter Tourismusstadtrat Herbert Taschek (ÖVP) auf ausgebuchte Hotels anlässlich des Silvesterstadels. Ginge es nach Taschek, könnte Kärnten ruhig häufiger die Kulisse für Volksmusiksendungen bilden. "Schließlich wurde ja Deutschland als einer unserer Kernmärkte definiert und da sehen sieben Millionen Menschen zu", so Taschek.

    Kresse will stattdessen neue Events einführen, die zu internationaler Reisewirksamkeit führen: eine "Woche der Begegnung", oder ein "Alpen-Adria-Genussfestival". Der Ironman und das Beachvolleyball hingegen können als Sportereignisse bleiben, ebenso das Harley-Treffen als Top-Veranstaltung für ausgabefreudige Hedonisten.

    ELISABETH TSCHERNITZ, THOMAS CIK

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