Den slowenischen Sprachschatz weitergeben
In den zweisprachigen Familien wird zu wenig Slowenisch gesprochen. Eine Initiative soll jetzt bei den Familien neues Bewusstsein schaffen.

Foto © FotoliaOma-Einsatz ist auch gefragt, wenn es darum geht, den Kleinen die slowenische Sprache zu vermitteln
Es ist ein Appell der besonderen Art, den Sonja Kert-Wakounig als Vorsitzende des christlichen Kulturverbandes für 2011 an Eltern, Großeltern, Tanten und Onkeln richtet: "Gebt euren slowenischen Dialekt oder die slowenische Standardsprache an die Kinder weiter!" Im Herbst starteten der christliche wie slowenische Kulturverband mit Bildungsinstitutionen und Medien die Initiative "Familiensprache Slowenisch/Slowenina v druini" (www.kkz.at).
Den konkreten Hinweis, warum eine Aktion dieser Art notwendig ist, lieferten einmal mehr aktuelle Zahlen zum Schulbeginn. Da wurden im zweisprachigen Gebiet und Klagenfurt 1170 Erstklassler zum zweisprachigen Unterricht an Volksschulen angemeldet, wieder mehr als im Jahr davor. Allerdings: Nur 62 von ihnen, das sind nicht mehr als gute fünf Prozent, haben gute Slowenischkenntnisse. 95 Prozent der Mädchen und Buben können gar nicht oder nur sehr wenig Slowenisch. Weil der Weg der Mehrsprachigkeit über die Zweisprachigkeit führt, sollen Familienmitglieder nun motiviert werden, wieder mehr Slowenisch mit den Kindern zu sprechen. Mit rückwärtsgewandt oder nationalistisch habe das nichts zu tun. Doch Familien seien diejenigen, die als erste Sprache vermitteln.
Vorbei sind die Zeiten des Assimilationsdrucks, als es verpönt war, Slowenisch zu sprechen und Großeltern/Eltern die Sprache deshalb nicht weitergaben. Heute, in einem geweiteten Klima, bedauern das viele.
Mit einem breiten Reigen an Veranstaltungen in den Dörfern Unterkärntens, mit Broschüren und Veranstaltungen soll nun vermittelt werden, "dass man die slowenische Sprache in den Familien sprechen muss, wenn man sie erhalten will. Der Schatz muss weitergegeben werden", fordert Sonja Kert-Wakounig. Wie lange das Projekt läuft, ist offen.
Unterstützt wird es von prominenter Seite. So appelliert Diözesanbischof Alois Schwarz an die Eltern, "Ihren Kindern den Reichtum der Mehrsprachigkeit unbedingt zu vermitteln. Wenn ein Kind in mehreren Sprachen denken, träumen und beten lernt, dann trägt es einen Reichtum in sich, der ihm eine starke multikulturelle Identität schenkt." Regisseur Martin Kuej deponiert: "Ein entspannter und spannender Umgang mit Mehrsprachigkeit lädt Menschen ein: diejenigen, die da sind, zum Verweilen, und diejenigen, welche hierher kommen, weil sie sich frei und aufgehoben fühlen." Grünen-Chefin Eva Glawischnig unterstützt die Initiative mit dem Hinweis: "Frohe Nachbarschaft braucht gegenseitiges Verstehen."












