"Es liegt an der Politik, endlich Schritte zu setzen"
Kino aus Kärnten? Ein 3-Tages-Fest an der Universität Klagenfurt möchte der heimischen Filmproduktion neue Impulse geben. Ein Gespräch mit Initiator Arno Russegger.

Foto © KKArno Russegger
Wie sind Sie auf die Idee gekommen, ein Filmfest in Kärnten zu veranstalten?
ARNO RUSSEGGER: Es wird immer nach Projekten verlangt, die Kärnten eine neue Perspektive geben sollen. Das Medium Film eignet sich dafür von Haus aus. Zweitens: Viele Filmschaffende, die wesentlich zm Erfolg des österreichischen Films beitragen, stammen aus Kärnten. Dennoch nimmt man ihre Erfolge hier oft nicht zur Kenntnis. Das muss anders werden. Und drittens bin ich Vorsitzender des Fachbeirats für Film und elektronische Medien im Kärntner Kulturgremium und möchte mithelfen, an der unbefriedigenden kulturpolitischen Situation etwas zu ändern.
Wie ist eigentlich der Titel des Filmfests zu verstehen? Ein "Kino aus Kärnten" gibt es ja fast nicht.
RUSSEGGER: Der Titel beschreibt keinen Ist-Zustand, sondern ist eine Forderung. Sie richtet sich an die Verantwortlichen im Bereich der Kultur-, Wirtschafts- und Tourismuspolitik, damit Kärnten in Zukunft einen größeren Anteil am heimischen Film-Boom erhält. Man darf aber auch nicht vergessen, dass hier schon sehr bemerkenswerte Filme gedreht worden sind, abseits von Wörthersee- und Supernasen-Komödchen. So zum Beispiel ein frühes Meisterwerk von Michael Haneke: "Drei Wege zum See" nach Bachmann. Dieser Film stammt aus dem Jahr 1976 und wir werden ihn vorführen, als handelte es sich um eine Premiere.
Was sind für Sie die Gründe für das Missverhältnis zwischen erfolgreichen Filmschaffenden und geringer Filmproduktion im Land?
RUSSEGGER: Das Problem besteht vor allem darin, dass es in Kärnten kein institutionalisiertes Filmförderungswesen gibt. Es werden zwar einzelne Filme gefördert, wenn man sich einen Nutzen verspricht, doch das ist keine Filmförderung, wie sie etwa in Tirol oder der Steiermark etabliert ist. Dort hat man erkannt, dass Film sowohl einen Wirtschaftsfaktor, als auch eine Kunstform darstellt, und betreibt in beide Richtungen eine aktive Förderung, die letztlich auf eine Win-Win-Situation hinausläuft. Das heißt, man lockt Produktionsfirmen mit infrastruktureller Hilfestellung und auch Geldmitteln ins Land. Diese geben dort im Gegenzug ein Mehrfaches der Zuwendungen wieder aus. In Tirol zum Beispiel haben schon große Bollywood-Produktionen aus Indien Station gemacht. Das ist ein gutes Geschäft. Oder denken wir an Tom Cruise und Cameron Diaz in Salzburg. Solche Projekte müssen natürlich transparent abgewickelt werden.
Gibt es im Kärntner Kulturgremium Fachleute, die in dieser Hinsicht beratend tätig sein könnten?
RUSSEGGER: Ja, selbstverständlich. Wir haben, um nur eine der Expertinnen zu nennen, mit Gabriele Kranzelbinder eine überaus erfolgreiche Produzentin im Team. Rohkonzepte nach dem Vorbild anderer Bundesländer haben wir bereits vorgelegt. Es liegt jetzt an der Politik, endlich konkrete Schritte zu setzen, um einen "Filmboard Kärnten" einzurichten. Das Filmfest wird in seinem Zentrum übrigens eine kulturpolitische Podiumsdiskussion zu diesem Thema haben.
Welche Zielsetzungen verfolgt das Filmfest noch?
RUSSEGGER: Es geht mir darum, ein Zeichen zu setzen und einen öffentlichen Diskurs in Gang zu bringen. Da waren wir in den besten Zeiten von Horst Dieter Sihler, dem Begründer des Klagenfurter Alternativkinos, schon einmal weiter. Meine Verbündeten sind namhafte Filmschaffende wie Josef Aichholzer, der den Oscar-prämierten Film "Die Fälscher" produziert hat, oder Helmut Grasser, dessen "Am Anfang war das Licht" derzeit die Kinosäle füllt. Ich könnte auch noch andere Größen nennen wie die Cutterin Karina Ressler oder den Kamermann Wolfgang Thaler oder Rupert Henning. Sie halten das Filmfest für eine tolle Idee und sind gerne bereit, über ihre Arbeit zu diskutieren.
Welche Stellung nimmt in diesem Kontext Graf-Film ein?
RUSSEGGER: Klaus Graf nimmt am Filmfest selber teil und hat es in seiner Eigenschaft als Fachbereichsobmann in der Wirtschaftskammer von Anfang an ideell und finanziell unterstützt. Er hält ja das Fähnlein der heimischen Filmindustrie aufrecht.
Was wird dem Publikum des Filmfestes sonst noch geboten?
RUSSEGGER: Vom Programm her wird sicherlich für jeden etwas dabei sein. Es ist ein Horrorfilm ebenso zu sehen wie eine Doku über den Großglockner. Der Eintritt ist an allen drei Tagen frei!
Wie sieht Ihr persönliches Verhältnis zur Filmkunst aus?
RUSSEGGER: Ich bin seit meiner Kindheit ein begeisterter Fan. Mein erster Kinofilm war "Winnetou 2", da war ich fünf. Im Laufe der Zeit habe ich mich immer intensiver mit Filmen auseinandergesetzt, vor allem wollte ich stets wissen, wie sie gemacht sind, dass sie eine solch starke Wirkung auf mich ausüben können. Heute bin ich in der glücklichen Lage, meine Interessen in meinen Beruf zu integrieren. Das Filmfest ist ein echter Höhepunkt für mich.
Features
"Kino aus Kärnten"
Eröffnung: Freitag, 26.11., 18 Uhr, im Hörsaal 1 der Uni Klagenfurt mit Josef Winkler. Danach: "Drei Wege zum See", "South".
Samstag, Hörsaal B, 10 Uhr: "Wenn der Berg ruft" und Gespräch mit Karina Ressler, Haris Bilajbegovic etc.; 12.30 Uhr: "Die Brücke", 14 Uhr: "In 3 Tagen bist du tot 2", Interview mit Agnes Pluch, Rupert Henning u.a.; 16.15 Uhr: "Am Limit"; Interview mit Wolfgang Thaler; 18:15 Uhr: Podiumsgespräch zum Thema "Filmförderung in Kärnten", u.a. mit Klaus Graf, Gabriele Kranzelbinder, Josef Aichholzer, Gerhard Lapan, Hubert Canaval; 20.15 Uhr: "Universalove"; 21.45 Uhr: "Spaß mit Hase"; "Die Wand ist abgerissen"; Gespräch mit Andrina Mranikar, Stefan Hafner etc.; "Driving", "Die Hofburg tanzt".
Sonntag, Hörsaal B, 10 Uhr: "Kick Off"; 11.45 Uhr: "Wir-beide-Tee"; Gespräch mit Gabriele Kranzelbinder, Thomas Woschitz, Michael Cencig, Robert Schabus, Julius Deutschbauer etc.; 14 Uhr: "Große Liebe / Die Zweite"; 15 Uhr: "Welt der Nähe - wie Taubblinde ihr Leben fühlen"; 16 Uhr: "Die Wien"; "Der Tröster"; 18 Uhr: Schlussresümee.
Infos: kinoauskaernten.uni-klu.ac.at; 0463/2700-992720.














