Bildgewaltige Visionen vom Ende der Zeit
Nach 20 Jahren ist die Apokalypse des Ernst Fuchs endlich am Ziel. Und Klagenfurt um eine schaurig-schöne Attraktion reicher. Mit einem Festakt wurde Donnerstagabend die Fertigstellung gefeiert.
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Es ist mehr als ein halbes Jahrhundert her, dass Ernst Fuchs, Mitbegründer der Wiener Schule des Phantastischen Realismus, erstmals das Jerusalemer Benediktinerkloster Dormitio betrat, um hier mit der Darstellung eines "Letzten Abendmahls" zu beginnen. Als er Jahrzehnte später wieder einmal im Heiligen Land weilte, um seine monumentale Arbeit fortzusetzen, sprach ihn am Flughafen von Tel Aviv der Kärntner Theologe Karl Matthäus Woschitz an. Aus der zufälligen Begegnung wurde Freundschaft, die nachhaltige Folgen für Klagenfurt haben sollte.
Sein "Hauptwerk"
Denn ab 1989 verbrachte Fuchs zwei bis drei Monate im Jahr in Woschitz' Heimatpfarre, um ein weit größeres Projekt in Angriff zu nehmen, sein "Hauptwerk", wie er später sagen wird. War es in Jerusalem das letzte Mahl Jesu, so beschäftigten ihn in Klagenfurt die letzten Dinge schlechthin. In der zur Werktagskapelle umfunktionierten Südsakristei von St. Egid fand Fuchs den passenden Rahmen für seine apokalyptischen Vorstellungen - allesamt bildgewaltige Visionen, die der Künstler aufs Engste mit seiner Existenz verknüpfte. "Für beide Bilder habe ich mir vorbehalten, dass ich sie vollenden werde und damit auch mein Leben beschließe; beziehungsweise ein neues Leben beginne. Denn es gibt keinen Tod", sagte Fuchs anlässlich seines 80. Geburtstages über Bedeutung und Zusammenhang der beiden Malereien.
Kärntner Werk vollendet
Nun, wenige Monate später, ist auch sein Kärntner Werk vollendet. Rund 160 Quadratmeter Ölmalerei stürzen seit der bischöflichen Segnung auf den Betrachter herein, gewähren schaurig-schöne Blicke in eine "Welt hinter dem Spiegel, in das Unbewusste und Archetypische, in die sublimen Zwischenräume und Abgründe der menschlichen Seele", wie es Karl Woschitz einmal formulierte.
Hochdramatisch erzählt der Künstler in lasierender Eitempera-Technik vom großen Finale der Welt, von Gericht und Erlösung. Berührungsängste gegenüber theatralischen Gesten oder bühnenbildhaftem Dekor hat er dabei keine. Im Gegenteil. Wie Fuchs schon 1966 in seinem Buch "Architectura Caelestis" klarstellte, ist das Ziel seiner Malerei "all der herrliche Kitsch, den die Maschinenpuritaner verboten haben". Und so wimmelt es in seiner Kapelle, die gleich neben dem Altar seine Büste zeigt, nur so vor kunterbunten Figuren, vertrauten wie unerwarteten.
Weltuntergangsstimmung
"Es sind vor allem viele Engel darunter", erläutert Stadtpfarrer Markus Mairitsch, dessen Züge der Künstler prominent verewigt hat. In einer Ecke der höhlenartigen Kapelle hockt der Hausherr als Prophet Johannes und empfängt über ein langes Schriftband die Geheime Offenbarung. Nicht weit davon entfernt herrscht Weltuntergangsstimmung: Düsenjets brausen durch den von Christus erleuchteten Himmel, während im Meer die Titanic und andere Schiffe untergehen. Überhaupt gibt es auf den Leinwänden, die zumeist auf Aluminiumtafeln gespannt sind, ein reges Nebeneinander von biblischen und profanen Gestalten. Direkt unterhalb der "Hure Babylon" rekeln sich aufreizende Pin-ups neben einem Motorrad, posieren Astronauten vor einer wuchtigen Rakete. Der Vater von 17 Kindern weiß nur zu gut um die conditio humana.
Bis auf die Opferung Isaaks sind alle Szenen der Apokalypse verpflichtet: die Himmelsfrau im Strahlenkranz, das Buch mit den Sieben Siegeln, die apokalyptischen Reiter, das Himmlische Jerusalem oder Erzengel Michael, der seine Lanze gegen den siebenköpfigen Drachen, Symbol für den Satan, richtet.
Apokalypse von St. Egid
Alle Arbeiten hat Ernst Fuchs, dem einmal im Haus einer Schauspielerin in Beverly Hills eine "mystische Schau" zuteilwurde, für Gottes Lohn gemacht. Selbst den wellenförmigen Fußboden aus Carrara-Marmor, der vom Altar aus Heil bringend durch die Kapelle schwappt, hat er entworfen. Monsignore Mairitsch: "Er hat das Muster in einem Wiener Gasthaus einfach auf ein Schnäuztüchl gezeichnet". Der Apokalypse von St. Egid hat solches Genie nicht geschadet. "Es ist manches sogar besser geworden, als ich es mir vorgestellt habe", freut sich Fuchs, der immerhin Salvador Dali zu seinen Fans zählen durfte. Ebenso wie den Pariser Schriftsteller Julien Green, der sich nicht zufällig in St. Egid zur letzten Ruhe legte.
Features
Über den Künstler und sein Werk
Ernst Fuchs, geboren am 13. Feber 1930 in Wien. Nach der Emigration seines jüdischen Vaters im Jahr 1938 ließ er sich im Alter von 12 taufen und pflegte fortan seine "Gabe, religiöse Bilder zu malen". Nach Studium an der Wiener Kunstakademie übersiedelte er 1950 nach Paris, um 1962 heimzukehren und gemeinsam mit Wolfgang Hutter, Arik Brauer, Rudolf Hausner und Anton Lehmden die Wiener Schule des Phantastischen Realismus zu gründen. Erhielt 1966 eine Professur. Lebt heute vorwiegend in Monaco und Wien.
Seine Kapelle in St. Egid wird ab kommenden Montag probeweise von 9 bis 12 Uhr zugänglich sein. Am Sonntag ist sie ab 13 Uhr geöffnet. Nähere Infos: 0463/511308 od. http://st-egid-klagenfurt.at











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