Stadtgalerie Klagenfurt: Von Fish & Chips mit Erbsenmus
"Schmeckt's?": Die Stadtgalerie Klagenfurt lädt zum höchst kulinarischen Streifzug durch die Welt des (Kunst)Genusses. Und zum Gedenken an Christoph Wagner.

Foto © KATALOG "Blaue Zitronen" in der Klagenfurter Stadtgalerie, serviert vom Kärntner Reinfried Wagner
Wer wissen will, was Marilyn Monroe kurz vor ihrem Tod gegessen hat oder was die Lieblingsspeisen von Michael Jackson waren, in der Klagenfurter Stadtgalerie erfährt er es. Vorausgesetzt, er nimmt an einer Führung teil oder schmökert im Katalog zur Ausstellung.
Allein aus dem Marilyn-Porträt von Andy Warhol wird er es wohl nicht erraten. Dieses hängt in der Stadtgalerie gleich neben einem Originalholzschnitt von Albrecht Dürer mit dem "Letzten Abendmahl", einer Klomuschel-Installation von Johann Kresnik und dem berühmt-berüchtigten "Urin-Stab" Cornelius Koligs, dessen Ankauf durch die Landesgalerie einst die FPÖ auf die Palme brachte. Was all diese Kunstobjekte verbindet? Sie bilden den logischen Abschluss einer Ausstellung, die den Kunstgenuss und die Kunst des Genießens als höhere Einheit begreift und süffisant die Frage stellt: "Schmeckt's?"
Was mit dem Kapitel "Letzte Mahlzeiten" eher melancholisch endet, beginnt lehrreich mit den Porträts zweier unterschiedlicher Kleriker: der eine abgemagert und nur von Hostien genährt, der andere barock und kugelrund. Beide, der Dorfpfarrer und der Abt, illustrieren auf ihre Weise die Auswirkungen von Genuss und Askese. Gegensätze, die auch in einer Schlaraffenland-Utopie Lisa Hubers und einer Papierarbeit von Joseph Beuys (Titel: "Ich ernähre mich von Kraftvergeudung") wiederkehren.
Feinschmecker
"Wie uns die Etymologie des lateinischen Wortes ,sapio' beweist, ist der homo sapiens zuerst ein schmeckender Mensch und erst im übertragenen Sinne klug", stellt Kurator Hannes Etzlstorfer klar und präsentiert quasi zum Beweis ein selbst fabriziertes Adalbert-Stifter-Porträt. Der große Dichter soll ja nichts höher geschätzt haben als gutes Essen und "sechs Mahlzeiten am Tag". Ähnliche Prioritäten setzt auch Daniel Spoerri, der sich gerne mit dem Satz zitieren lässt: "Wenn alle Künste untergeh'n, die edle Kochkunst bleibt besteh'n". In der Ausstellung ist der Eat-Art-Erfinder mit einem "Fallbild" samt Essensresten vertreten.
Dass vor aller Moral und Kunst das "Fressen" kommt, unterstreichen auch eine Kaffeekanne von Kaiser Karl VI., Frühstücksgeschirr von Kaiserin Sisi sowie ein paar Teller aus den Händen von Antoni Tàpies, übrigens einer von 59 Künstlerinnen und Künstlern der Ausstellung, die nicht selten Nahrhaftes auf ihre Leinwände fantasierten. So trifft man auf ein Obst-Arrangement von Maria Lassnig, Zitronen von Peter Krawagna und Reinfried Herbst, Schweinsköpfe von Werner Berg oder auf eine Buchstabensuppe von Richard Klammer.
Ein Schneebesen von Bella Ban, Herdplatten von Melitta Moschik und Küchenschürzen von Ines Loitzl verweisen - feministisch ironisiert - auf die technischen Voraussetzungen guten Essens, während etwa Tita Ruben die sinnlich-erotische Komponente reflektiert: mit weiblichen Akten, die auf Tabletts serviert werden. Titel: "Es ist angerichtet".
Reale Bezüge zum Thema schaffen Speisekarten von österreichischen Staatsbanketten, die nicht immer geschmackvoll verlaufen sein sollen. Als sich 1961 Chrustschow und Kennedy in Wien trafen, soll Adolf Schärf höchstpersönlich Gefüllte Paprika für den Kommunisten und Beefsteak für den Amerikaner ausgewählt haben. "Es war laut einer Notiz im Staatsarchiv das schlechteste Essen, das jemals bei einem Empfang serviert wurde", erzählt Etzlstorfer, der gemeinsam mit dem am Freitag verstorbenen Christoph Wagner die Ausstellung konzipierte.
Der große Gourmet und Krimi-Autor hat seine letzte Mahlzeit hoffentlich genossen. Ebenso wie Marilyn Monroe, die kurz vor ihrem Tod Fleischbällchen beim Mexikaner ums Eck bestellte. Und der King of Pop? Der aß am liebsten Fish and Chips mit Erbsenmus.
Features
Fakten
"Schmeckt's? . Stadtgalerie Klagenfurt; bis 10. Oktober: täglich außer Mo von 10 bis 18 Uhr. Eintritt: 5 Euro. Infos: 0463/537-5532 oder www.stadtgalerie.net.












