Rare Schätze von alten Bekannten
Das MMKK zeigt aus eigenen Beständen 17 künstlerische Positionen im Spannungsfeld von Zeichnung und Malerei. Der Bogen des Gezeigten spannt sich über 150 Jahre Kärntner Kulturgeschichte.

Foto © KKSelbstbildnis von Anton Kolig im Hemd (1923)
Viele der Exponate habe ich selber noch nie gesehen, obwohl ich schon 15 Jahre am Haus bin", gesteht Christine Wetzlinger-Grundnig beim Rundgang durch die aktuelle Ausstellung im Museum Moderner Kunst Kärnten. Darunter: ein Porträt der Schwester von Jean Egger oder frühe abstrakte Zeichnungen von Valentin Oman ("ein Schatz, den wir da entdeckt haben"). Ihren Durch- und Überblick hat sich die frisch gebackene Museum-Chefin dennoch bewahren können und unter den rund 5000 Werken, die sich seit 1933 in der Klagenfurter "Burg" angesammelt haben, eine muntere (erste) Auswahl getroffen. Titel: "fokus sammlung 01"
Chronologisch angelegt, spannt sich der Bogen des Gezeigten über 150 Jahre Kärntner Kunstgeschichte, beginnend mit Ludwig Willroider, der einst mit spätbiedermeierlichen Naturstudien (etwa vom Viktringer Schlosspark) die Münchner Stimmungsmalerei an den Wörthersee holte. Über Anton Kolig und Franz Wiegele, die mit beeindruckenden Aktzeichnungen und Gemälden vertreten sind, geht die kunsthistorische Reise weiter über "französische" Eingebungen Jean Eggers (bezeichnend etwa eine Landschaft á la Van Gogh), um schließlich abrupt in der jüngeren Moderne zu landen: bei den archäologisch anmutenden Schichtungen Valentin Omans, den durchlöcherten Leinwänden Hans Bischoffshausens (den Lucio Fontana zur Gruppe Zero holte), den geheimnisvollen Figurationen Giselbert Hokes oder bei Hans Staudachers informellen Bilddichtungen.
Kartenspieler
Nur eine der 17 präsentierten Positionen ist weiblich: Maria Lassnig überrascht mit frühen Arbeiten von 1945: einer Zeichnung mit ländlichen Kartenspielern sowie einer Familienszene, die stilistisch an ihren Lehrer Herbert Boeckl erinnert.
Unter dem Überbegriff der Naturabstraktion stehen Werke von Peter Krawagna, Kurt Kocherscheidt oder Wolfgang Hollegha, der mit seiner amerikanisch beeinflussten Farbfeldmalerei schon früh den internationalen Durchbruch schaffte. Wie fließend die Grenzen zwischen Malerei und Grafik sein können, illustriert ein "Abgedeckter Heuhaufen" von Krawagna, während Skizzen des Plastikers Bruno Gironcoli die dienende Funktion der Zeichnung unterstreichen. Als blendende Grafiker mit großen malerischen Qualitäten erweisen sich auch Gustav Janu, Franz Motschnig-Yang, Reimo Wukounig und Alois Köchl, die drei letzteren mit zum Teil obsessiven Psychogrammen.
Licht im Raum
Lohnend ist ein Besuch der Burgkapelle, deren Lichtspiele Sabina Hörtner "Keine zwei Stunden" (so der Titel ihrer Installation) fotografisch analysierte und mittels Rasterlinien auf Papier übertrug. Die dabei entstandenen Handzeichnungen stellte die Gironcoli-Schülerin auf ein begehbares Podest, das zugleich neue Perspektiven auf Fromillers Fresken eröffnet. Illusionistische Konzeptkunst trifft so auf barocke Scheinmalerei. Noch nie konnte man dem Himmel in der Burgkapelle so nahe kommen.
Noch dazu so günstig. Denn die MMKK-Eintrittspreise wurden reduziert (regulär: 5 Euro), während das Rahmenprogramm umfangreich bleibt. Neben Workshops und Künstlergesprächen ist u. a. eine Lesung aus Peter Handkes Beckett-Hommage "Bis daß der Tag euch scheidet oder eine Frage des Lichts" geplant.
Features
Ausstellung
"fokus sammlung 01" und "Keine zwei Stunden" von Sabina Hörtner; Museum Moderner Kunst, Burgg. 8, Klagenfurt; bis 5.9.
Info: 05053630542, www.mmkk.at












