Geschichte in Raum und Farbe
Inszenierung von Ungleichzeiten in Damtschach, drei Positionen in der BV-Galerie und Heide Maibach in der Galerie de La Tour.

Foto © Willi RainerMilan Batic zeigt menschliche Figuren.
Wie Geschichte künstlerisch auf- und abgewickelt werden kann, demonstriert der in Amerika und Österreich graduierte Germanist und Kunsthistoriker Michael Huey aus Michigan mit doppeltem Boden. Er kreiert eine Spielart von Appropriation art, die bestehende Objekte in veränderte Sinnzusammenhänge transferiert und neue Deutungsmöglichkeiten eröffnet.
Huey hat aus dem Fundus alter Familienfotos solche ausgesucht und bearbeitet, die Wohnräume der amerikanischen Oberschicht aus den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts darstellen. Die vorzüglich von barocken Stilmöbeln bestimmten Interieurs implantiert er in die zu Zeitzeugnissen erstarrten Bestände eines Lebensstils der nachnapoleonischen Ära. Er installiert seine Wohnraumbilder in die musealisierten Biedermeierräume des Schlosses Damtschach mit ihren exzellenten Einrichtungsgegenständen. Eine Inszenierung von Ungleichzeitigkeiten, die gleich mehrerer Jahrhunderte zusammenspannt und einen Hauch von Wehmut aufkommen lässt. Denn was geschaut wird, sind versunkene Welten. Ein Surrogat von Barock aus der Mitte des letzten Jahrhunderts im Salon, wie ihn sich ein Baron im Vormärz eingerichtet hat. Das erzeugt eine Spannung zwischen den fotografisch dargestellten Räumen und dem Raum geronnener Geschichte, in den sie hineingesetzt sind. Denn die Bilder sind inhaltlich bestimmt von einem in Stilmöbeln vorgetragenen, historischen Zitat. Als "Houseguests" zur "Sommerfrische", wie der Ausstellungstitel, ein Video, das zum Damtschacher Park passt und ein Begleittext des Künstlers suggerieren. Michael Huey. Galerie Schloss Damtschach. Fr., Sa., So. 14 bis 18 oder Anmeldung Tel. (04252) 22 25. Bis 22. Mai
Vom Schirennläufer zum Gequälten
Drei Österreicher, die eine gemeinsame Herkunft aus dem ehemaligen Jugoslawien haben, führt die BV-Galerie zusammen. Einen Bosnier, einen Kroaten und einen, der gebürtig in Belgrad, Jugoslawe bleiben möchte. So unterschiedlich wie ihre ethnische Zugehörigkeit, definieren sie ihre Positionen in künstlerischen Belangen. Milan Baltic, in Klagenfurt angedockt, zeigt technisch ausgereifte Darstellungen menschlicher Figuren vom Rocksänger über den Skirennläufer bis zum gequälten Mann. Im Gegensatz zu seinem erzählenden Realismus malt Suad Bijedic, auch in Klagenfurt gelandet, abstrakten Expressionismus. Materialschichtungen, überlagert von Gittermustern, durchpflügt von gestischen Farbaufträgen, fügen sich zu Bildern ohne Titel. Jakov Bararon, in Wien verblieben, malt in dominierende Gelbtöne vor blauem Hintergrund unruhige, aber geordnete Strukturen und formiert sie zu Abstraktionen, die, von den Bildtiteln her, Themen aus der antiken Mythologie aufgreifen. Mit diesen divergierenden Standpunkten verweisen die drei Künstler auf noch einen vereinigenden Bezugspunkt: Ihre Ausbildung zu unterschiedlichen Zeiten an der Akademie von Sarajewo. Eine nicht wahrnehmbare Gemeinsamkeit.
Vertikal Sarajewo. BV-Galerie, Klagenfurt. Mo.-Fr. 15-21 Uhr. Bis 26. Mai
Heide Maibach
Im Unterschied zu ihren früheren, von zartem Rot durchfluteten Bildern haben Heide Maibachs neueste Kreationen dunkle Züge. Die Malerin, die in Wernberg und Istrien ihre Ateliers betreibt, sieht sich in einer Phase des "Überganges". Dem Giocoso von Farb- und Lichtkontrasten ist ein Lugubre gefolgt. Umgesetzt mit Acryl auf Leinwand in blau-graue Felder und davon abgehoben, in dunkle Flächen und Linien. Bildtitel vermitteln, dass die Malerei thematisch freie Assoziationen zu Naturbetrachtungen ausdrücken will. Ob die ungegenständlichen Formulierungen etwas von dem offenbaren, was als Natur ins Spiel gebracht wird, bleibt ebenso offen wie die Frage, für wen das schlimmer ist: für die Natur oder die Bilder.
H. Maibach. Galerie de La Tour, Klagenfurt. Mo.-Fr. 9-18, Sa. 9-14 Uhr. Bis 17. Juni










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