Alternativ-Plan für Gasdampfkraftwerk
Gas oder Biomasse? Ein großes Kraftwerk oder ein Netz kleiner Anlagen rund um Klagenfurt? Mittwochabend wurde die Energie-Frage auf Schloss Krastowitz diskutiert.
Quelle © Filmvorschau | Foto: Kleine Zeitung DIGITAL Experten fordern Alternativen zu Gaskraftwerk
Soll ein Gasdampfkraftwerk (GDK) oder ein Netz mehrerer kleiner Biomasse-Werke Klagenfurt die benötigte Fernwärme liefern? Wenige Tage vor dem Abschluss der Umweltverträglichkeitsprüfung rückt diese Frage wieder ins öffentliche Interesse. "Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg", beantwortet Christian Benger, Obmann des Forstausschusses, die Frage, ob überhaupt genug Biomasse vorhanden wäre, um die geforderte Wärmeleistung zu schaffen. 42 Prozent des Kärntner Holzzuwachses werden nicht genutzt. Dass eine Nutzung des gesamten Zuwachses ausgeschlossen ist, stellte Benger jedoch auch klar. "Aber über die Jahre kann man sich auf bis zu 70 Prozent steigern", erklärt Benger. Vor allem in den Bezirken Villach, Wolfsberg, Völkermarkt und Klagenfurt gebe es noch enormes Potenzial. Auf die Kritik des Säge-Industriellen Hans Michael Offner, wonach schon jetzt zu wenig Holz vorhanden sei, reagiert Benger nur indirekt. "Die Bauern sind Betriebswirte und gehen nur dann in den Wald, wenn sie etwas verdienen können. Außerdem: Es ist nicht unsere Sorge, wenn die Sägeindustrie mehr Kapazitäten aufbaut, als von den Kärntner Forstwirten geliefert werden kann."
Gestritten wurde zwischen Kraftwerksgegnern und Befürwortern auch um die Emissionen beider Varianten. Während es für Verbund-Manager und Kraftwerksbauer Anton Smolak "Wahnsinn" sei, ein vorbelastetes Gebiet wie Klagenfurt mit Biomasse zu heizen, wäre aus seiner Sicht ein GDK geradezu eine Wohltat für die Luft: "Weil dadurch kein Feinstaub entsteht und andernorts ein Kohlekraftwerk zugesperrt wird." Biomasseverband-Präsident Heinz Kopetz hält den CO2-Ausstoß des GDK entgegen - "man kann nicht bei uns die Emissionen erhöhen und sagen: Irgendwo werden sie im Gegenzug reduziert." Dass die Region mit seinem Konzept weiterhin ein Strom-Importland bleibt, stört Kopetz weniger als die "offensive Beschleunigung des Klimawandels".
Auch in der Frage der Wertschöpfung bleiben die Fronten gespalten. Während Kopetz bis zu 250 mittelbare Arbeitsplätze errechnet, garantiert Smolak 25 unmittelbar im Kraftwerk.
Für Manfred Faustmann, Sprecher der Initiative für neue Energien, hat die laufende Diskussion einen gravierenden Haken. "Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen." Ein Kraftwerk, bei dem die Wärme als Nebenprodukt abfalle, konkurriert mit einem Wärmekonzept, das den Strombedarf nur marginal berücksichtige.
Geht es nach Christoph Habsburg, spricht das Volk in Sachen Gasdampfkraftwerk das letzte Wort. Der Forstwirt aus dem Lavanttal rät Bürgern wie Politikern zu einer Gemeindevolksbefragung in Klagenfurt oder Ebenthal. "Wie damals, als wir in St. Andrä die Verbrennung von Bioabfällen verhindert haben."
Nur: Das Gesetz sieht hier kaum Möglichkeiten für eine Volksbefragung. Individuelle behördliche Entscheidungen - wie ein Bescheid für das GDK eine wäre - können nicht Gegenstand einer Volksbefragung sein. Und Entscheidungen, die im Gemeinderat für das GDK gefällt werden müssten, stehen keine mehr an. Eine von den Klagenfurter Grünen vor zwei Jahren angestrebte Abstimmung über die Grundstückswidmung für das GDK wurde mit den Stimmen von Schwarz und Blau/Orange abgelehnt. Zudem wäre eine Volksbefragung nicht bindend.
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Fakten
Der Wärmebedarf von Klagenfurt wird langfristig auf 550 GWh/Jahr geschätzt. Biomasseanlagen sollen 50 MW liefern, die Umrüstung des alten Heizwerkes auf Gas 60 MW, industrielle Abwärme 12 MW. Zudem sollen Wärmepumpen stärker eingesetzt werden.
Spitzenleistungen werden über dezentrale Gasöfen erreicht.










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