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    Zuletzt aktualisiert: 10.10.2009 um 05:00 UhrKommentare

    10. Oktober: Rezepte gegen die Urangst

    Ist der 10. Oktober nur noch etwas für Ewiggestrige? Oder mehr denn je Anlass, Offenheit zu demonstrieren, statt im eigenen Saft zu schmoren? Fünf bekannte Kärntner Journalisten mit sehr persönlichen An- und Einsichten.

    Foto © Weichselbraun

    Falsches Bild

    Oliver Pink, Innenpolitik-Redakteur "Die Presse", geboren in Klagenfurt.

    Lange dachte ich, die SPÖ sei eine rechte Partei. Das hat mit dem 10. Oktober zu tun - in meiner Volksschulzeit, am Höhepunkt der Wagner-Ära, ein Großereignis. Fahnen wurden gebastelt, in der Aula fand eine eindrucksvolle Feier statt, alle sangen die Landeshymne. Zuvor hatten uns die Lehrer, allesamt ausgewiesene Sozialdemokraten, mit viel Pathos die Geschichte von Abwehrkampf und Volksabstimmung erzählt. Ich fand das ungeheuer spannend. Ob wir auch erfuhren, dass ein großer Teil der Kärntner Slowenen für den Verbleib bei Österreich gestimmt hat, weiß ich ehrlich gesagt nicht mehr. Aber dass Heimatbewusstsein und die regierende SPÖ irgendwie zusammengehören, das blieb hängen. Erst später, als ich mich für die Bundespolitik zu interessieren begann, realisierte ich, dass die SPÖ eigentlich eine linke Partei ist.

    In Wien, wo ich studierte und nun arbeite, organisierten befreundete Kärntner jedes Jahr 10.-Oktober-Feiern. Ich bin da nie hingegangen, ich hätte auch nicht gewusst, warum. Zumal der 10. Oktober stark von der Haider-Partei instrumentalisiert wurde. Heute, mit mehr Distanz zum Geschehen in Kärnten, sehe ich das entspannter. Man könnte Abwehrkampf und Volksabstimmung nämlich auch anders sehen - ja man hätte das in den Jahrzehnten danach auch anders sehen müssen: als einen Kampf der jungen Republik gegen ein undemokratisches Regime.

    Verwurzelt in der Vergangenheit

    Sonja Sagmeister, ORF-Korrespondentin in Brüssel, geboren in Villach.

    Wenn man im Ausland lebt, spielt der 10. Oktober keine Rolle. Das Datum erinnert mich aber an meine Kindheit, an die längst vergangene Zeit in der Volksschule Jenig. Gemeinsam mit dem Lehrer haben wir am Tag davor Fahnen in den Landesfarben gebastelt und Kärntnerlieder gesungen. Der Herr Lehrer hatte uns eingebläut, wie bedeutend diese Volksabstimmung für Kärnten war und dass wir sonst alle kleine Jugoslawen wären. Gott, waren wir Kinder froh, dass uns dieses schlimme Schicksal erspart blieb! Jugoslawien als böse Macht, die Menschen hinter der Grenze als Bedrohung. Das sitzt tief.

    Im Nachhinein betrachtet war bei den Geschichten über die Volksabstimmung immer auch viel Angstmache dabei. Man besinnt sich in Kärnten auf die Vergangenheit und fürchtet sich in der Gegenwart. Die Verwurzelung in der Vergangenheit hat auch zu einer gewissen Xenophobie geführt. Ich hoffe daher, dass jetzt in den Schulen der 10. Oktober ein wenig differenzierter betrachtet wird. So wichtig es damals war, dass die Volksabstimmung für Österreich ausgegangen ist, so wichtig ist es nun, stolz und glücklich zu sein, dass wir in einem friedlichen Europa leben. Einem Europa, wo wir ohne Passkontrolle von Kärnten nach Slowenien fahren können, einem Europa, wo die Nachbarn hinter der Grenze zu Freunden wurden. Diese historische Entwicklung sollte genau so gefeiert werden wie der 10. Oktober.

    Absurde Bedrohung

    Cornelia Vospernig, ORF-Korrespondentin in Peking

    Vielleicht habe ich es falsch verstanden: Aber ist es am 10. Oktober 1920 nicht um ein Votum für Österreich gegangen? Warum also keine einzige österreichische Fahne zum Feiertag und kein Wort über Österreich? Warum ist Kärnten ein Bollwerk und überall nur "Kärntnertum"? Warum ist zum Anlass einer Volksabstimmung so viel Rede vom Abwehrkampf? Warum wird unterschlagen, dass dieses Kärnten ohne die Stimmen slowenischer Kärntnerinnen und Kärntner nicht frei und ungeteilt bei Österreich geblieben wäre?

    In Österreich, dessen Staatsbürger auch wir sind, wurde uns die Wahrung unserer Identität und Sprache versprochen. In Kärnten aber scheint Zweisprachigkeit ein Makel zu sein, den man ausmerzen muss. Diese Zweisprachigkeit wird bestenfalls geduldet, zumeist negiert und ebenso oft zu einer absurden Bedrohung aufgeblasen, weil gegen "die Slowenen" zu sein in Kärnten leider noch immer Stimmen bringt und von echten Problemen ablenkt. Unter Berufung auf eine Urangst, die niemand außerhalb Kärntens versteht und angebliche Gebietsansprüche, die niemand erhebt, werden versprochene zweisprachige Ortstafeln nie aufgestellt. Dabei gibt es die sogar in Tibet oder Xinjiang. Und wenn ein totalitärer Staat wie China seine Volksgruppen sichtbarer macht als eine Demokratie, dann sollte das vielleicht auch etwas sein, worüber Kärnten am 10. Oktober einmal nachdenken könnte.

    Beruf "Kärntenfeindlichkeit"

    Peter Fritz, ORF-Korrespondent in Berlin, geboren in Villach.

    Einerseits bin ich als Enkel eines Abwehrkämpfers quasi erblich vorbelastet. Andererseits bin ich auch wieder erblich vorentlastet, weil meine Mutter aus Tirol stammt, wo man zwar auch einen Abwehrkampf hochhält, der aber schon 200 Jahre her ist und daher mit etwas mehr Gelassenheit betrachtet werden kann als der hiesige.

    Mit der Gelassenheit ist es in Kärnten ja noch immer nicht ganz so weit her. In Tirol gedenkt man in sturem Stolz der Zeiten, in denen Andreas Hofers Kämpfer ihre Steinlawinen auf Bayern und Franzosen niederdonnern ließen. In Kärnten scheint manchmal das Gefühl zu herrschen, man müsse sich nochmals zum Kampf rüsten gegen alle, die der heimischen Eigenart Übles antun wollen. Gerne ist da von "kärntenfeindlichen Kreisen" die Rede, als wäre "Kärntenfeindlichkeit" ein Beruf, von dem Leute leben könnten.

    In den Siebzigerjahren gab es einen deutschnationalen Pfarrer, der den Leuten mit einigem Erfolg Folgendes einredete: Die russischen Panzer würden im Dritten Weltkrieg bei der Einnahme Kärntens genau so weit rollen, wie die zweisprachigen Ortstafeln reichten. Heute können wir über derlei Sprüche lachen - und zögern dennoch, wenn es an die praktischen Schlussfolgerungen geht. Vielleicht können sich unsere Nachgeborenen bei der 200. Wiederkehr des 10. Oktober immer noch stur und stolz, aber wenigstens um einiges gelassener zeigen.

    Bizarr bis lächerlich

    Gert Korentschnig, Stellvertretender Chefredakteur "Kurier", geboren in Klagenfurt

    Als ich ein kleines Kind war, hielt ich die Aufmärsche am 10. Oktober für eine Art herbstliche Antwort auf den Villacher Fasching. Als ich kapierte, was denn da gefeiert wurde, konnte ich den Stolz nicht nur nachvollziehen, sondern sogar ein bissl selber empfinden. Heute, da ich seit mehr als 20 Jahren meinen Hauptwohnsitz nicht mehr in Kärnten habe, tue ich mir mit dem Kapieren schon wieder viel schwerer.

    Warum grenzt sich ein Bundesland, das sich damals so nachhaltig für Österreich ausgesprochen hat, in vielen Fragen derart hartnäckig von Österreich ab? Wie kann ein vorbildlich demokratischer Akt wie die Volksabstimmung zur Basis für eine derart chauvinistische Grundhaltung werden? Wie ist es möglich, dass man das einstige Versprechen, die "sprachliche und nationale Eigenart" der Slowenen "jetzt und alle Zeit" wahren zu wollen, offensichtlich nicht gebührend ernst nimmt?

    Aus einer gewissen geografischen Distanz betrachtet, wirkt der Ortstafelstreit bizarr bis lächerlich. Kärnten ist nicht nur ein traumhaft schönes, sondern ein kulturell besonders fruchtbares und sogar bevorzugtes Land. Weil es ein Grenzland ist, weil es andere Einflüsse gibt. Offenheit zu demonstrieren, statt im eigenen Saft zu schmoren - das wäre eine schöne Feier am 10. Oktober.


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