Es fehlt an billigen Wohnungen
Bei Kongress in Klagenfurt diskutierten internationale Experten über Wege aus der Wohnungslosigkeit. Allein in Kärnten gab es im Vorjahr 278 Delogierungen.

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Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Im Jahr 2008 gab es in Kärnten 1716 gerichtliche Verfahren zur Auflösung von Mietverhältnissen, in 278 Fällen kam es zur Delogierung. "Und allein in Klagenfurt haben wir derzeit 1800 Wohnungssuchende, wovon hundert ganz dringend eine Wohnung brauchen", sagt Dietmar Antoni, Leiter der Volkshilfe Kärnten, der dabei von Wohnraum spricht, den man sich auch leisten kann. Denn Wohnungsnot betrifft stets sozial Schwache.
Antoni war Gastgeber für einen Fachkongress über Wohnungsnot, der im Hilda-Schärf-Haus der Volkshilfe in Klagenfurt stattfand, von "Aurora plus", einer Initiative der Volkshilfe Österreich, der Johannes Kepler-Uni Linz und der Bundesarbeitsgemeinschaft für Wohnungslosenhilfe, veranstaltet wurde und internationale Experten vereinte.
"Wohnen ist ein wichtiger Bestandteil des Lebens. Wohnen ist zwar nicht alles, aber ohne Wohnen ist alles nichts", bringt es Erich Fenninger, Bundesgeschäftsführer der Volkshilfe, auf den Punkt. Vor allem Menschen mit psycho-sozialen Problemen stehen in bezug auf Wohnungen oft am Rand der Gesellschaft und werden allzu gerne in Einrichtungen wie "Betreutes Wohnen" abgeschoben. "Der Trend geht allerdings dahin, diese Menschen in Wohnhausanlagen zu integrieren", sagt Fenninger. "Menschen, die aus der Lebensspur gefallen sind, bieten wir eine umfassende, individuelle Beratung an. Wir legen Schienen, um sie aus ihrer verzweifelten Situation herauszubekommen", erklärt Sieglinde Trannacher von der Volkshilfe Kärnten und verweist in diesem Zusammenhang auf die positive Zusammenarbeit mit der Aktion "Kärntner in Not" der Kleinen Zeitung.
Günstige Wohnungen sind allerdings Mangelware. "Hier ist auch die Politik gefordert. Beispielsweise war früher die Wohnbauförderung zweckgebunden. Das ist verloren gegangen, und so fließen jetzt Millionen Euro an Wohnbauförderung in Straßenbau, Kindergärten, Lärmschutzwände usw.", kritisiert Fenninger.
Volker Busch-Geertsema, Sozialwissenschafter aus Holland, zeigte beim Kongress europäische Strategien zur langfristigen Sicherung von Wohnraum auf, wie sie auch die Volkshilfe Kärnten anwendet: "Zugang zur Möglichkeit, Wohnungen selbst zu finanzieren und zusätzliche Hilfen bei Lebensproblemen. Ziel ist die langfristige Integration in eine normale Nachbarschaft."
Musterbeispiel Finnland
In Österreich vermisst Busch-Geertsema das nationale Bemühen bei der Abschaffung von Wohnungslosigkeit. "Hier wird alles zu sehr den Bundesländern überlassen", meint er. Ein Musterbeispiel auf europäischer Ebene ist Finnland. "Dort will man Wohnungslosigkeit bis 2015 auf Null reduzieren", so der Fachmann. 20 Millionen Euro pro Jahr investieren in Finnland dafür Regierung, Kommunen - und die Lotto-Gesellschaft. Denn auch Spielsucht ist ein Grund für Armut und Wohnungslosigkeit.










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