"Tolles Geschäft" mit Jörg
Negative historische Anklänge und Streit um die Finanzierung: Haider-Ausstellung im Nazi-Bunker sorgt für Aufregung. BZÖ rechtfertigt die Schau mit den Einnahmen.

Foto © AP
"Die Geschichte hat dunkle und helle Seiten. Der Ort bleibt der gleiche": Für Christian Scheider, seit kurzem neuer Klagenfurter Bürgermeister, ist die Aufregung "sehr gesteuert". Bisher hätte sich niemand an den Ausstellungen im städtischen Bergbaumuseum gestoßen. Seit feststeht, dass im ehemaligen Nazi-Bunker eine Schau über Jörg Haider präsentiert wird, ist das anders. Neben der belasteten Örtlichkeit sorgt die Finanzierung für einen Wirbel in der Kärntner Landeshauptstadt. Und die zum Teil recht kuriosen Ausstellungsstücke haben die ewige Diskussion über "das seltsame Kärnten" belebt.
Die bisher im Museum ausgestellten Mineralien müssen weichen. Die Umbauarbeiten laufen auf Hochtouren. Fotos, Turnschuhe, das Schaukelpferd aus Kindertagen und der Schreibtisch aus dem Landeshauptmannbüro, sollen den Besuchern das Leben des toten Jörg Haider veranschaulichen. Von Anfang an gab es Kritik an einer möglichen Glorifizierung und Mystifizierung des umstrittenen Politikers, der mit hohem Tempo und 1,8 Promille in den Tod gerast ist.
Scheider verlässt sich auf die Ankündigung des Museumsleiters Gerhard Finding, es werde nichts verschwiegen. "Wenn sich daran eine Diskussion entzündet, ist das nichts Schlimmes", meint der Bürgermeister. Er ist einer der politischen Ziehsöhne Jörg Haiders. Im übrigen überlässt Scheider die Sache dem gleichfalls orangen Kulturreferenten Albert Gunzer. Und dieser regt mit einer Trickserei um die Finanzierung der Schau auf.
Kosten von 85.000 Euro
Wegen der Kritik der Grünen umging Gunzer einen direkten Finanzierungsbeschluss für die veranschlagten 85.000 Euro im Stadtsenat, in dem er den Gremien "diversen Mittelumschichtungen" unterschummelte. Die BZÖ-Politiker verstehen die Kritik an den Kosten nicht. Sie rechtfertigen die Schau mit den Einnahmen angesichts eines erwarteten Publikumansturms. "Das wird ein tolles Geschäft für die Stadt Klagenfurt", sagt BZÖ-Obmann Josef Bucher.
Dem Land bringt die Haider-Schau wieder eine Imagediskussion um das "braune Kärnten" ein. In dem von den Nazis errichteten Bunker hatte Gauleiter Friedrich Rainer sich in den letzten Kriegstagen verschanzt und von dort aus in einer Radio-Rede die Kapitulation verkündet.
"Passt mir auf mein Kärnten auf", diesen Satz habe Rainer in seiner Ansprache aber nicht gesagt, tritt Witwe Claudia Haider entsprechenden Zeitungsberichten entgegen. Diesen Satz hat Jörg Haider gesagt, als er 1991 als Landeshauptmann abgewählt wurde. Im vergangenen Landtagswahlkampf war der Haider-Ausspruch "Passt mir auf mein Kärnten" der letzte Plakattrumpf des BZÖ vor dem Urnengang am 1. März. Er hat gestochen, wie das 45-Prozent-Wahlergebnis gezeigt hat.
Features
1950-2008
Jörg Haider, biografische Ausstellung in Klagenfurt.
Dauer: vom 10. Oktober, Kärntner Landesfeiertag, bis 26. Jänner 2010, Haiders 60. Geburtstag.










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