73 Künstler sind einander grün
Es grünt so grün im Künstlerhaus: Der Kunstverein Kärnten hat sich in seiner Jahresausstellung ganz der Farbe der Hoffnung verschrieben.
Eine richtig ergreifende Ausstellung", nennt Kunstvereins-Sprecherin Ilse Gerhardt die steinernen Inszenierungen von Wilhelm Bähr in der Kleinen Galerie, allesamt "haptische Objekte zum Drüberstreicheln", die der 64-jährige Künstler aus Draht und Findlingen zu fantasievollen Gebilden zusammengefügt hat. Dass damit der Kunstverein steinreich geworden wäre, kann aber noch lange nicht behauptet werden. Wenngleich sich Präsident Eckhard Küttler bei einem Pressegespräch sehr zufrieden zeigte, dass ihm dieser Tage vom Landeskulturreferenten eine Dreijahresförderung in der Höhe von je 70.000 Euro zugesagt worden sei.
Dabei präsentiert sich die aktuelle Mitgliederschau alles andere als in den Farben des politischen Mainstream. Vielmehr haben die beiden Kuratoren, Zorka L-Weiss und Ernst Gradischnig, "Die Farbe Grün" als Devise ausgegeben. Für den Landschaftsmaler Gradischnig, der mit einer abstrakten Teichansicht vertreten ist, ist Grün aber in erster Linie eine "Sehnsuchtsfarbe". Nach langen Wintern frage er sich nämlich: "Wann wird es endlich wieder grün?".
So ähnlich dürften wohl auch Markus Orsini-Rosenberg, Jehona Shaquiri-Petritz, Werner Lössl, Gertrud Weiss-Richter oder Ilse Mayr empfunden haben, die mit typischen Naturkompositionen vertreten sind. Letztere ist mit ihren 87 Jahren die älteste unter den 73 Ausstellenden und gewährt Blicke in eine üppige Baumkrone.
Idee und Ideal
Die Farbe Grün kehrt auch in Serpentinit-Skulpturen von Herbert Unterberger wieder, in einer informellen Arbeit von Christine de Pauli, in "Tanzenden Derwischen" von Karl Brandstätter, in einer kunstvollen Glasinstallation von Caroline, einem "Kasperl" von Burgis Paier oder einem Triptychon von Karl Schüssler. In manchen Werken findet man sie bloß als Idee - etwa als dunkles Pigment namens "Böhmische Grüne Erde" (bei Paul Kulnig) - oder in einer als Wiese interpretierten Leiterplatte von Johannes Domenig.
Dass Grün nicht nur die Farbe der Umweltbewegung ist, sondern auch des Islam oder der großes Geldes unterstreichen schwankende Burka-Trägerinnen (E. S. Posarnig), Slogans der iranischen Opposition ("Where is my vote?") sowie überdimensionale Dollarnoten.
Insgesamt ist "Die Farbe Grün" eine beeindruckende Leistungsschau, an der sich 73 der 200 Kunstvereinsmitglieder beteiligt haben. Viele neue Namen zeugen zudem von einer erstaunlichen "Keimkraft" (so der Titel einer Arbeit von Egon Rubin), die den zuletzt krisengeschüttelten Verein hoffnungsvoll in die Zukunft blicken lassen sollte.
"Die Farbe Grün". Künstlerhaus Klagenfurt, bis 14. August; Di, Mi, Fr von 12 bis 18 Uhr; Do von 12 bis 20 Uhr; Sa 9 bis 13 Uhr; so, mo und feiertags geschlossen













