Anklopfen an der eigenen Identität
Unikum-Projekt "Klopfzeichen": Regisseur Marjan Stikar rückt dem Begriff Heimat auf den Leib.
Mit dem Ausfüllen eines Asylantrages beginnt der Auftakt des neuesten Unikum-Projektes "Klopfzeichen". Ort des Geschehens: ein Reisebus, der die Teilnehmer Richtung Seuca/Seuce in Italien (Valli del Natisone) bringt. Fluchtgrund? Was befürchten Sie bei einem Verbleib in Ihrem Herkunftsstaat? Wie schon in anderen Unikum-Projekten geht es auch bei "Klopfzeichen" in den nächsten 19 Monaten um die Fragen Heimat, Identität, Aus- und Abwanderung mit all ihren Folgen.
"Unangenehm". "Duma", das erste von sechs Teilprojekten, ist eine inszenierte Wanderung an die Peripherie, weit ab von touristisch erschlossenen Gebieten, durch Dörfer nahe der italienisch-slowenischen Grenze, die durch Abwanderung quasi vom Aussterben bedroht sind und sich gerade deshalb viel an Schönheit und Authentizität bewahren konnten. Regisseur Marjan Stikar sorgt dafür, dass es gleich an der ersten "Kunststation" unangenehm wird: Ein Grenzposten mitten im Wald. Die Asylanträge müssen abgegeben werden, wer alles ordentlich beisammen hat, bekommt den Stempel "Erledigt" verpasst. Auch wenn man weiß, hier handelt es sich um keinen Ernstfall, hat die Situation doch etwas Beklemmendes an sich.
Annäherung. Grundlage für die künstlerischen Inszenierungen entlang der mehrstündigen Wanderung durch insgesamt acht Dörfer (von Seuca über Topolo bis nach Clabuzzaro) sind Gedichte des slowenischen Autors Oton Zupancic (1878-1949). "Wo, Heimat, bist du? Auf diesen Feldern?. . . Hier in Übersee? Bist du ohne Grenze?" heißt es in einem seiner Gedichte. "Die Frage, die sich mir stellte, war, wo ist wirklich die Heimat? Und wie sieht der Blick aus der Fremde zurück auf die Heimat aus?", erklärt Stikar. Mit Mitgliedern des Teatr Trotamora (St. Jakob im Rosental) hat er sich dieser Thematik mit Performance, Gesang und Musik angenähert. Gerade hier, in dieser idyllischen, verträumten Landschaft, war das Leben ein karges und hartes. Bis heute. "Die noch verbliebenen Einwohner sagen, sie warten nur, bis die letzte Hütte zusperrt", sagt Stikar.
Blickpunkt. Auch hier setzt das Unikum-Projekt an. "Was sich im toten Winkel der öffentlichen Wahrnehmung befindet, soll mittels künstlerischer Akzente in den Blickpunkt gerückt werden", finden die Unikum-Macher Gerhard Pilgram und Emil Kristof. Deshalb legt man besonders viel Wert auf die Zusammenarbeit mit Kulturinitiativen vor Ort, die "regionale Identität nicht als kulturelle Zwangsjacke verstehen und die eine kritische Distanz zur so genannten Heimat mit einschließen", sagt Pilgram.
Durchaus möglich. Kunst als Beitrag dazu, diese Dörfer vor dem endgültigen Ende zu bewahren? Ein schönes Beispiel dafür, dass so etwas durchaus möglich ist, könnte Topolo sein. Mit einem Kunst- und Kulturfestival wurde diesem Dorf neues Leben eingehaucht. Hier findet auch die Premiere eines weiteren Unikum-Projektteiles statt. Das Roadmovie "Weg" von Robert Schabus wird am 14. Juli im Rahmen eines mehrtägigen Festivals gezeigt.
Unikum-Veranstaltungen.: "Weg": Film von Robert Schabus. 14. Juli in Topolo; 15. Juli, "Raj", Klagenfurt, 21 Uhr.
Infos unter: www.unikum.ac.at












