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Zuletzt aktualisiert: 26.06.2009 um 12:56 UhrKommentare

Was passiert mit dem Kärntner Müll?

Lohnt es sich überhaupt Müll zu trennen, wenn ohnehin alles verbrannt wird? Diese und andere Märchen rund um Abfall werden hier beantwortet.

Was geschieht eigentlich mit dem Müll?

Foto © APAWas geschieht eigentlich mit dem Müll?

Warum soll ich überhaupt den Müll trennen? Am Ende landet doch ohnehin alles im Müllofen in Arnoldstein.
Antwort: Stimmt nicht. In der Müllverbrennungsanlage in Arnoldstein landet ausschließlich jener Müll, der nicht getrennt wurde. ?Was würde das bitte für einen Sinn machen, erst den Müll zu trennen, und dann ihn wieder auf einen Haufen zu werfen?“, fragt Harald Tschabuschnig, Leiter der Umweltabteilung des Landes Kärnten. ?Nach Arnoldstein kommt lediglich jener Müll, der in der klassischen Mülltonne landet, also der Restmüll.“
Was passiert mit den gesammelten Stoffen wie Altpapier und Altglas?
Antwort: Die werden vollständig wiederverwertet. Ein Beispiel für die Wiederverwertung von Kunststoffen ist die Firma Kruschitz in Völkermarkt. Dort wird gesammeltes Plastik gewaschen und zu Granulat verarbeitet. Dieses Kunststoff-Granulat kommt dann als Rohstoff in der Industrie wieder zum Einsatz und wird zu neuen Plastikteilen gegossen.

Wenn die Müllverbrennung so gut funktioniert, wozu soll man dann überhaupt noch trennen? Wäre es nicht sinnvoller alles zu verbrennen?
Antwort: Nein, da einerseits der Müll wertvolle Rohstoffe enthält und zweitens die Müllverbrennungsanlage in Arnoldstein mit derzeit 88.000 Tonnen, die pro Jahr verbrannt werden, voll ausgelastet ist.

Stimmt es, dass die Italiener ihren Müll in Arnoldstein verbrennen lassen?
Antwort: Wie soll das gehen? Die Anlage verarbeitet derzeit 88.000 Tonnen, im Vollbetrieb soll diese Menge auf 96.000 Tonnen gesteigert werden, sagt Umweltreferent Landeshauptmannstellvertreter Reinhart Rohr. Denn in Summe kommen in den Restmülltonnen jährlich mehr als 110.000 Tonnen Abfall zusammen. Also deutlich mehr, als in Arnoldstein verarbeitet werden kann. Dass südliche Länder einen Teil ihres Mülls in nördliche Länder exportieren, bestätigt aber Thomas Werner, Obmann der Fachgruppe Abfall- und Abwasserwirtschaft in der Wirtschaftskammer. Nach Kärnten kommt von diesem Müll allerdings nichts.

Will man etwa einen zweiten Müllofen bauen, weil es zu wenig Kapazitäten gibt?
Antwort: ?Diese Idee stand tatsächlich einmal im Raum“, erklärt Rohr. Allerdings scheitere dieses Vorhaben daran, dass sich die Wirtschaft für ihren Hausmüll-ähnlichen Abfall nicht an die Müllverbrennungsanlage binden wollte. ?Wir hätten eine spiegelgleiche Anlage in Arnoldstein errichtet, das wäre am ökonomischsten gewesen“, so Rohr. Nachdem die Kärntner Wirtschaft abgesprungen ist, verwarf man aber wieder den Plan. ?Es wäre emotional nicht gut angekommen, hätten wir eine Anlage gebaut, und wären mit der von Müllimporten abhängig gewesen.“

Was passiert mit dem Kärntner Müll, der nicht verbrannt wird?
Antwort: Dieser geringe Teil, rund acht 8000 Tonnen pro Jahr, wird von einer steirischen Firma entsorgt und deponiert.

Warum zahlt man in einer Gemeinde weitaus höhere Müllgebühren als in der Nachbargemeinde?
Antwort: Weil Müllgebühr nicht gleich Müllgebühr ist. In einigen Gemeinden kann man bei den Altstoffsammelzentren den Müll gratis abgeben. Andere berechnen hier einen kleinen Aufschlag, andere Gemeinden wiederum verrechnen diese Extra-Leistung voll. ?Grundsätzlich muss man aber festhalten, dass mit der Müllverbrennungsanlage die Abgaben deutlich reduziert werden konnten“, sagt Rohr. Und auch für die West-Kärntner Haushalte, traditionell mit den teuersten Müllgebühren belastet, gab es in den letzten Jahren eine Entlastung, da ihr Müll in die Entsorgungsanlage Lienz gebracht wird.

Was geschieht mit den ganzen ehemaligen Gemeinde-Deponien?
Antwort: ?Wir behalten die genau im Auge“, sagt Tschabuschnig. Sollten Gemeinden auf diesen Gründen Widmungen für die Industrie oder ähnliches Planen, müsse am Erdreich gearbeitet werden. ?Grundsätzlich haben wir die Deponien aber ganz gut unter Kontrolle.“

Gibt es ?wilde Deponien“ überhaupt noch?
Antwort: So, wie man sie kannte, also Ablagerungsplätze an Waldrändern oder Ähnliches nicht mehr. Das größere Problem sind Müllablagerungen auf Autobahnparkplätzen. Die Asfinag musste deswegen schon mehrere Parkplätze in Kärnten auflassen. Mit ein Grund, warum man das Problem der wilden Deponien in Kärnten in den Griff bekommen hat, ist der Ausbau des Netzes an Altstoffsammelzentren. 80 sind es aktuell. ?Alles, was dort abgeliefert wird, wird getrennt und geht in die Verwertung“, betont Tschabuschnig.

Stimmt es, dass Österreich die strengsten Müllvorschriften innerhalb der Europäischen Union hat?
Antwort: ?Nicht nur in Österreich, weltweit sind wir neben Deutschland führend“, meint Tschabuschnig. Einzig: Ganz glücklich ist mit diesen Gesetzen nicht jeder. ?Für uns bedeuten die Gesetze oftmals einen enormen Wettbewerbsnachteil“, meint Abfallwirtschafter Werner. So können Betriebe im angrenzenden Ausland etwa weit günstiger Arbeiten. Aber auch auf offizieller Seite bekennt man, dass einzelne Vorschriften – etwa die Eingangskontrolle bei Bauschutt – ?doch sehr weit gehen“, so Tschabuschnig.

Warum fahren so viele Müllautos der Stadt Klagenfurt auf der Straße nach St. Veit? Entsorgt Klagenfurt den Müll etwa dort?
Antwort: Nein, auch der Müll der Stadtgemeinde Klagenfurt wird in Arnoldstein verbrannt. Ein Teil wurde noch bis Jahresbeginn in die Deponie Hörtendorf im Osten der Landeshauptstadt eingebracht, doch mittlerweile ist diese geschlossen. Jene Müllwägen, die nach St. Veit fahren, bringen den biogenen Abfall in die dortige Kompostieranlage, in der dieser behandelt wird.

Wird eigentlich genug Müll getrennt?
Antwort: Alleine an der Tatsache, dass mehr Restmüll vorhanden ist, als die Anlage in Arnoldstein verbrennen kann, lässt sich die Antwort ?Nein“ ablesen. ?Und wenn es für die Leute ein finanzieller Anreiz ist: Je mehr sie trennen und recycelt werden kann, umso günstiger wird für die Leute die Müllentsorgung“, meint Umweltreferent Rohr mit Blick auf?s Geldbörserl.

THOMAS CIK

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