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Zuletzt aktualisiert: 09.05.2009 um 19:15 UhrKommentare

"Wir machen jetzt unsere Hausaufgaben"

Klagenfurts neuer Finanzreferent Albert Gunzer (BZÖ) über Sparkurs, Verwaltungsreform, Hallenbad in der Warteschleife und Geld vom Land.

Finanzreferent Albert Gunzer versichert: "Eine Gebührenerhöhung ist kein Thema"

Foto © JustFinanzreferent Albert Gunzer versichert: "Eine Gebührenerhöhung ist kein Thema"

Herr Finanzreferent, vor zwei Wochen haben Sie Alarm geschlagen, dass es um die Finanzen der Stadt schlechter bestellt ist als angenommen. Klingt das nicht etwas unglaubwürdig vor dem Hintergrund, dass das BZÖ in den letzten Jahren viele Finanzentscheidungen mit der ÖVP mitgetragen hat?

ALBERT GUNZER: Ich verstehe diese Sicht von außen. Doch mein Vorgänger hat nie deutlich gesagt, dass es mit dem Geld eng wird. Und jetzt hat sich herausgestellt, dass sogar kleine Projekte mit Rücklagen finanziert wurden. So haben sich über 30 Millionen Euro aus dem Verkauf der Immobilien-Verwaltung verklaubt.

Wie kann das sein? Braucht es für das Angreifen der Rücklagen nicht Gemeinderatsbeschlüsse?

GUNZER: Die Anträge wurden so gestellt, dass es nicht deutlich war - mit der Formulierung "für die Bedeckung hat der Finanzreferent zu sorgen."

Also alles Schuld Ihres Vorgängers Walter Zwick?

GUNZER: Nein, ich will ihm keine Steine nachwerfen. Aber Stadtsenatskollegen und Bürgern soll nicht suggeriert werden, dass wir uns alles leisten können.

Sie nehmen damit auch alle Stadtsenatsmitglieder in Sachen Budget in die Pflicht?

GUNZER: So ist es.

Sie haben angekündigt bis 2012 jährlich 15 bis 20 Millionen Euro im Magistrat einzusparen. Wie?

GUNZER: Wir werden niemanden entlassen, aber bei jeder Pensionierung werden wir überlegen, ob die Stelle wirklich nachbesetzt werden muss. Die Verwaltungsreform gehen wir an, denn Anforderungen und Ansprüche haben sich geändert.

Ein Beispiel?

GUNZER: Die Parkraumbewirtschaftung - wir haben dafür hausintern sieben Mitarbeiter. Da die Parkraumbewirtschaftung an die Group 4 ausgelagert wurde, können die Mitarbeiter anders eingesetzt werden.

Wirkt sich der Sparkurs auf die Bürger aus?

GUNZER: Nein, in der Verwaltungsreform ist viel Geld drin, daher ist eine Gebührenerhöhung kein Thema. Als Entsorgungsreferent habe ich es auch geschafft trotz steigender Spritpreise und Löhne ohne Gebührenerhöhung mehr Leistung anzubieten. Das mache ich jetzt für die ganze Stadt.

Welche Großprojekte, mit denen im Wahlkampf geworben wurde, werden umgesetzt?

GUNZER: Nur die, für die es eine Kofinanzierung gibt, wie die Leichtathletikanlage. Es wäre unfair, der Bevölkerung jetzt zu sagen, dass Eishalle oder Hallenbad von der Stadt finanziert werden. Es könnte aber sein, dass wir für das Hallenbad einen Investor finden, mehr darf ich allerdings noch nicht sagen.

Sie fordern pro Jahr zehn Millionen Euro vom Land. Der Gemeindereferent hat dem eine Absage erteilt. Gibt es eine Ersatzstrategie?

GUNZER: Die gibt es. Es wird ein Gespräch mit Josef Martinz geben. Mit der Verwaltungsreform machen wir unsere Hausaufgaben, aber wir brauchen das Geld vom Land, dass uns zusteht.

INTERVIEW: BETTINA AUER

Die Finanzen im Detail

Ziel. Bis 2012 will die Stadt jährlich 15 bis 20 Millionen Euro einsparen. Erreicht werden soll dies vor allem durch eine schlankere Verwaltung. Natürliche Personalabgänge (30 bis 50 Personen pro Jahr) sollen nicht nachbesetzt, Abteilungen zusammengelegt (weniger Chefs, sparsamere Urlaubs- und Krankenvertretung) und Doppelgleisigkeiten getilgt werden.

In Zahlen. Die Schulden der Stadt betragen 93,7 Millionen Euro. Die Rücklagen sind in den letzten Jahren geschmolzen. Für Neuen Platz und Loretto wurden 20 Millionen Euro ausgegeben. Von 130 Millionen Euro aus dem Stadtwerke-Teilverkauf sind noch 60 übrig. 20 Millionen sind durch eine Patronatsverpflichtung der Stadt für die STW gebunden.

Geld vom Land. Finanzreferent Gunzer argumentiert, dass die Stadt bisher nur eine Million Euro Bedarfszuweisungen vom Land bekommen habe, ihr aufgrund der Bevölkerungsanzahl (17 Prozent der Kärntner leben in Klagenfurt) aber mehr Geld zustünde. Durch Betriebsansiedelungen will Gunzer die Einwohneranzahl langfristig von 92.000 auf 100.000 steigern.

Kommentar

Christian ZechnerVolkspartei von Christian Zechner

Budget

Der ordentliche Haushalt der Stadt Klagenfurt umfasst 250 Millionen Euro.

Finanzlücke

Laut Finanzreferent Albert Gunzer (BZÖ) klafft eine riesige Finanzlücke im ordentlichen Haushalt: 30 Millionen Euro für den laufenden Betrieb und 18 Millionen Euro für schon zugesagte Projekte.

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