Verzweifelte Todeskälte
Fehlende Stimmigkeit zwischen Tanz, Text und Musik: Zur Ballett-uraufführung der "Winterreise" am Klagenfurter Stadttheater.

Foto © Stadttheater Klagenfurt/ Laurent Ziegler
Willst zu meinen Liedern deine Leier dreh'n?" Trotz unendlicher Hoffnungslosigkeit gelingt Franz Schubert zum Ausklang seines Zyklus eines seiner berührendsten Lieder. Und wenn dazu die Trauergesellschaft auf der Bühne hereingedreht wird und ein Tänzer nach dem anderen tot umfällt, trifft dieses finale Bild punktgenau diese morbide Stimmung.
Karl Alfred Schreiner wollte der "Winterreise" eine zusätzliche Dimension geben und hat den dunklen Liederzyklus am Stadttheater Klagenfurt auf einer fast leeren Bühne mit einigen Holzstößen (Dietmar Harder) in bewusst schäbigen Kostümen (Eva-Maria Schön) erstmalig überhaupt choreographiert. Mit Nebel, Windmaschinen, Schneefall und intensivem Ausdruckstanz gelingen dem Ex-Tänzer der Wiener Staatsoper in der ersten Ballettproduktion in unserem Musentempel seit 18 Jahren einige starke Bilder: Die erste Begegnung, der erste Kuss, die Nacht unter dem Lindenbaum, der bevorstehende Tod. Wie in einem Film fallen die Erinnerungen des von der Liebe enttäuschten Mannes herein.
Spuren im Schnee. Ohne durchgehenden Handlungsstrang werden Stationen von Freude bis Verzweiflung gezeigt, die sich wie Spuren im Schnee immer mehr verlieren. Und Schreiner webt, wie im Programmheft angeführt, Autobiographisches ein, wie eine Episode in einem Museum mit ausgestopften Tieren. Dabei ist eine Krähe, die genial, böse, vogelhaft von Kenia Bernal González getanzt wird und die eine andere Tänzerin verprügelt und sogar mit der Motorsäge bearbeitet, ständiger Wegbegleiter seit seiner Kindheit.
Geschmeidigkeit.
Bei der insgesamt exzellenten Tänzerriege fallen noch Nora Sitges-Sardà und Boris Nebyla als Paar sowie die Kärntnerin Anna Hein auf. Da wird mit unerschöpflicher Geschmeidigkeit, technischer Brillanz und zuckenden Körpern viel an drastischer Tanzkunst gezeigt.
Allerdings steht das Geschehen auf der Bühne, das nach langem Herumschreiten des Ensembles erst ab dem siebten Lied in Schwung kommt, immer wieder isoliert und unverständlich zu den Stimmungen der Lieder da. Was dieser Uraufführung fehlt, ist eine inhaltliche Stimmigkeit zwischen choreographiertem Tanz, Text und Musik.
Düsterer Kosmos.
Hans Zender hat die 24 Lieder 1993 für kleines Orchester in einer genialen Synthese von traditioneller Schubert'scher Klangsprache und Modernität mit verfremdeten, aber auch folkloristischen Klangeffekten in einen düsteren Kosmos gehüllt. Dem Kärntner Sinfonieorchester unter Michael Brandstätter gelingt es großteils, diese Düsternis noch zu verstärken, wenn es auch immer wieder an Sauberkeit und Sensibilität mangelt. Dazu leiht der vom Orchester teils zugedeckte Ferdinand von Bothmer seinen klangschönen Tenor.
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Fakten
Karten: 0463/54064












